Mo., 13.02.12

Kommentar zur Schweinegrippe Es sollte endlich jemand den Hut aufsetzen

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier, Erfurt

Artikel vom 24.09.2009

Wissenschaftler entwickeln Impfstoffe, Ärzte finden das alles nicht so schlimm, Politiker sind hilflos und die Bürger wissen gar nicht mehr, was sie noch glauben sollen. Das Phänomen Schweinegrippe ist so schlecht greifbar wie ihr Erreger.

In Sachen Schweinegrippe ist bisher wenig richtig gemacht worden. Macht die eine Seite Panik, tut die andere so, als wäre das ganze Pandemie-Gerede großer Quatsch. Und wer eben noch meinte, so einen Schnupfen ganz gut ertragen zu können, kauft sich plötzlich fürs Umsteigen in Palma de Mallorca doch einen Mundschutz.

Die Wissenschaftler in ihren Laboren haben glücklicherweise einfach weiter ihre Arbeit gemacht. Die Impfstoffe sind fertig, bald können sie verabreicht werden, und dann hat sich das Thema Schweinegrippe vielleicht ohnehin erledigt. Die Wissenschaftler haben akribisch die Fälle gezählt, Strategien entworfen, beobachtet und Schlüsse gezogen - wie es eben ihre Aufgabe ist.

Völlig misslungen ist jedoch die Vermittlung zwischen ihnen und uns. Dass wir uns keine Sorgen mehr um Kinderlähmung machen müssen, ist der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten zu verdanken, die derzeit in Erfurt den Influenza-Kongress veranstaltet. Nachdem 1952/53 10.000 Menschen an Polio erkrankt waren und 776 starben, führten sie die Schluckimpfung ein, und heute ist von Kinderlähmung keine Rede mehr. Doch welche Krankheiten wir dank Prävention und Impfschutz heute nicht mehr fürchten müssen, ist kaum jemandem bewusst.

Was fehlt – und nicht nur hier – ist das Bindeglied zwischen Wissenschaft und Bevölkerung. Das ist kein Wunder. Wenn nicht einmal die Ärzte davon überzeugt sind, dass die Pandemie ein Problem darstellt, ist es schwierig, dies ihren potenziellen Patienten zu vermitteln.

Es ist erschreckend, dass keine Seite über ihren Horizont hinausblickt. Wissenschaft, Ärzte, Bürger und Politiker wie die Erfurter Bürgermeisterin Tamara Thierbach, die sich von der Wissenschaft im Stich gelassen fühlt - sie kommen beim Thema Pandemie nicht zusammen.

Statt dessen werden eben die Medien gescholten, zum Beispiel von Klaus Wahle von der Ständigen Impfkomission des Robert-Koch-instituts. Aber wenn Wissenschaftler nicht in der Lage sind, Ärzten die Relevanz einer Pandemie deutlich zu machen, warum sollten dann ausgerechnet die Medien all die Konflikte glattbügeln?

In den Niederlanden lassen sich jedes Jahr 81 Prozent der Grippe-Risikogruppen impfen, in Deutschland weniger als die Hälfte. Es gibt hierzulande allerdings auch keine Kampagnen, die das flächendeckende Impfen von Risikogruppen propagieren. Tamara Thierbach fordert von der Wissenschaft mehr Argumente, um die Bürger zu orientieren. Doch den Kontakt zur Wisschenschaft sollte die Politik schon selbst suchen. Das ist schließlich Teil ihrer Aufgabe. Es fehlt offensichtlich jemand, der in Sachen Schweinegrippe den Hut aufhat in Deutschland.

kas/news.de

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 30.09.2009 15:33
von
sören

Das ist keine "Schweinegrippe-Epedemie" sondern eine "Medien-PharmaEpedemie". Selbst informieren und recherchieren ist wichtiger denn je. Ich kann nur sagen (eigene Erfahrung) sollten Schäden durch Impfungen auftreten, bekommt Ihr kein Recht. Ein "kausaler Zusammenhang" wird generell ausgeschlossen und auf den Schäden bleibt ihr sitzen. So erging es uns. Ich bereue das heute noch, mein Kind diesen Impflügen ausgesetzt zu haben. Das wäre fast 2x kurz nach den Impf.gestorben. Ein Arzt sagte damals unter 4 Augen zu uns: "Lassen Sie Ihr Kind nie wieder impfen". Einer der wenigen ehrlichen war das.

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