Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Bei einem Busunfall in Radevormwald in Nordrhein-Westfalen sind mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Der Bus ist laut Polizei eine Böschung hinuntergestürzt. Das Unglück weckt schlimme Erinnerungen.
«Plötzlich war der Bus weg», sagt ein Rentner fassungslos. «Dann kamen zwei junge Frauen blutüberströmt den Hang hochgeklettert.» Der Mann ist Augenzeuge des schweren Busunglücks geworden, bei dem im oberbergischen Radevormwald mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen sind. Der Bus durchbrach eine Leitplanke und stürzte 20 Meter tief in die Wupper.
Der Lärm des Unfalls hat zahlreiche Anwohner aufgeschreckt, viele sind aus ihren Häusern zur Unglücksstelle geeilt. «Es hat sich angehört, als ob ein Haus zusammenstürzt», erzählt der 42-jährige Ferdinand Stock. «Das ist schrecklich», fügt er mit Blick auf die Schneise hinzu, die der Bus bei seinem Sturz in die Tiefe gerissen hat.
Eine Person sei schwer, sieben weitere seien leicht verletzt worden, sagte die Sprecherin des Kreises, Angela Altz. Unter den Toten ist nach Angaben der Polizei auch der 45 Jahre alte Busfahrer. «Der Bus liegt kopfüber am Rande des Wupperbettes», sagte Stadtsprecher Dietmar Rolf. Im Bus hätten sowohl Kinder als auch Erwachsene gesessen, insgesamt rund 15 Personen. Die Passagiere seien teilweise eingeklemmt. Rettungskräfte am Unglücksort bemühten sich um deren Bergung. Polizei und Feuerwehr waren mit zahlreichen Kräften im Einsatz, auch Hubschrauber und Taucher waren vor Ort.
Das Fahrzeug war den Angaben zufolge gegen 11.50 Uhr mit hoher Geschwindigkeit aus einer Kurve auf der Landstraße 414 gerast und durch eine Leitplanke gebrochen. Dort blieb das schwerbeschädigte Fahrzeug teilweise im Wasser liegen.
«Warum, wissen wir noch nicht», sagte der Stadtsprecher. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hatte der Wagen noch kurz zuvor an einer Haltestelle gestoppt. Nachdem er wieder angefahren war, gewann das Fahrzeug auf abschüssiger Strecke immer mehr an Geschwindigkeit. In einer Linkskurve durchbrach es eine Leitplanke und stürzte die Böschung hinab. Der Bus wurde von einem Privatunternehmen im Linienverkehr betrieben und sieht deshalb aus wie ein Reisebus.
Dramatische Szenen am Unglücksort
Nach dem Unfall spielten sich am Unglücksort dramatische Szenen ab. Drei blutende Verletzte saßen an einer Bushaltestelle und warteten auf Hilfe. Feuerwehrleute versuchten, die Verletzten zu retten und die Böschung hinaufzuziehen. Eine verzweifelte Mutter kletterte mit ihrem Sohn den Abhang hinunter, weil sie befürchtete, das verunglückte Fahrzeug sei der Schulbus gewesen. «Sind das die Kinder?» fragte sie und konnte nur mühsam von den Feuerwehrleuten beruhigt werden.
Auf dem Parkplatz des benachbarten Einkaufszentrums Wuppermarkt wurde eine Verletzten-Sammelstelle eingerichtet. Notfallseelsorger standen bereit, um sich um Angehörige der Opfer zu kümmern. Der Bus sollte dem Sprecher zufolge mit einem Kran geborgen werden, zuvor musste jedoch der Umkreis von Bäumen befreit werden. «Es sieht verheerend aus», sagte der Bürgermeister von Radevormwald, Josef Korsten, am Unglücksort. Es sei ein «erschreckender» Anblick.
Wenige Unfälle mit Linienbussen
«Unfälle von Linien- oder Reisebussen mit Personenschaden gibt es wenige», sagt der KFZ-Sachverständige Hans-Ulrich Sander auf news.de-Anfrage. Der Mitarbeiter des TÜV-Rheinland kennt die Straße, auf der sich der Unfall in Radevormwald ereignet hat, «eine kurvige Straße, die man eigentlich gut fahren kann.»
Zu den Sicherheitsvorkehrungen in Linienbussen verweist er auf die besonderen, gesetzlichen Vorschriften. «Es sollen so viele Leute wie möglich preisgünstig von A nach B transportiert werden, deshalb gibt es Stehplätze», sagt Sander. «Bei stehenden Fahrgästen darf der Bus maximal 60 Kilometer pro Stunde fahren.» Allerdings seien auch hier die Zahl der Festhaltemöglichkeiten, deren Höhe und die Standflächen gesetzlich geregelt. Linienbusse würden zudem auf Strecken eingesetzt, an denen sie häufig anhalten müssten und sich «kurz von Haltestelle zu Haltestelle bewegen».
Reisebusse seien in den vergangenen Jahren dem Stand der Technik so angepasst worden, dass mittlerweile auf jedem Sitzplatz ein Anschnallgurt sei, den die Fahrgäste nutzen müssen. Busfahrer sollten ihre Gäste auch darauf hinweisen. «Der Bus ist eines der sichersten Verkehrsmittel sowohl im Linien- als auch im Reiseverkehr», betont der Experte.
In der 25.000-Einwohner-Stadt Radevormwald rund 50 Kilometer nordöstlich von Köln weckte der Unfall Erinnerungen an ein verheerendes Zugunglück im Mai 1971. Damals starben 46 Menschen bei der Rückkehr von einem Schulausflug. Unter den Toten waren 41 Kinder aus der Kleinstadt.
seh/iwi/news.de/dpa/ap