Am Ende ist alles nur Zufall
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Von news.de-Mitarbeiterin Anwen Roberts
Artikel vom 22.09.2009
Deutschland hofft auf den 30-Millionen-Jackpot. Nachdem immer noch keiner den Hauptgewinn geholt hat, soll es zur Zwangsausschüttung kommen. Wie man entgegen aller Wahrscheinlichkeit im Lotto gewinnt, ist vor allem eines: eine Glaubensfrage.
In den guten alten Zeiten von ARD- und Lotteriemonopol war die Ziehung der Lottozahlen der Inbegriff schnarchiger öffentlich-rechtlicher Vorabendunterhaltung. Die repräsentativ bis schicksalhaft dreinblickende Lottofee wurde belächelt und bemitleidet, denn ihr Job war alles andere als glamourös. Schließlich musste sie nur freundlich und machtlos nach dem Rechten schauen, während der Zufall die wahre Herrin der Bällchen in der transparenten Kugel war. «Gezogen» wurden die Lottozahlen ohnehin nie, eher rollen gelassen. Ein Glücksspiel eben, das mit Glück rein gar nichts zu tun hat.
Das ist mittlerweile anders, Lotteriespiele haben sich dezentralisiert, spezialisiert, und die gute alte Monopolistin Klassenlotterie tritt schon mal als Wohltätigkeitsorganisation in Erscheinung. Die alles andere als netzaffine Große Koalition denkt über Maßnahmen nach, Glücksspiele im Internet besser zu kontrollieren. Und die Lottoziehung selbst hat heute wesentlich mehr mit Aufmerksamkeit, PR-Stunts und Glamour zu tun als noch in ARD-Lottofeezeiten.
Allein in den vergangenen zwei Wochen gab es kuriose Begebenheiten, Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten en masse. Beispiele gefällig? Vergangene Woche ordneten bulgarische Behörden eine Untersuchung an, nachdem bei der staatlichen Lotterie zwei Wochen in Folge dieselben Zahlen gezogen wurden: 4, 15, 23, 24, 35 und 42. Als am 10. September exakt die gleichen Zahlen wie in der Ziehung zuvor erschienen, wurde Betrugsverdacht laut.
Eine Kommission des Sportministeriums in Sofia untersuchte den Vorfall und stellte fest: Es gibt keinen Vorfall, nur den Zufall. Die Zahlen seien schließlich beim zweiten Mal in einer anderen Reihenfolge gezogen worden, so eine Sprecherin der bulgarischen Lotterie.
Ein paar Tage später bestätigte auch die eingesetzte Kommission, dass keine Manipulation der Ziehung festzustellen sei – ein unwahrscheinlicher Ausreißer, aber ganz im Bereich des Möglichen. Und tatsächlich hatten genau auf diesen Fall eine ganze Menge Menschen spekuliert. Nachdem in der ersten Runde niemand den Hauptgewinn erhalten hatte, hatten in der Folgeziehung ganze 18 Spieler auf die Zahlenkombination der Vorwoche getippt. Durch die hohe Anzahl der Wiederholungstäter reduzierte sich allerdings ihr Gewinn auf rund 5000 Euro statt der üblichen 50.000 bei einem ungeteilten Jackpot.
Die Wahrscheinlichkeit, dass in zwei aufeinander folgenden Ziehungen dieselben sechs Zahlen auftauchen, sei zwar gering, aber vorhanden, sagte der Mathematiker Michail Konstantinov der Nachrichtenagentur Reuters. Die Chance eines solchen Ereignisses liege bei eins zu 4,2 Millionen – immer noch wesentlich wahrscheinlicher als einfach so auf sechs Richtige plus Zusatzzahl zu tippen. Die Gewinnchancen liegen dort nämlich bei rund 1 zu 14 Millionen.
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