Erstsemester-Rekord in Deutschland: Im vergangen Jahr ist die Zahl der Studienanfänger um knapp zehn Prozent auf 396.800 gestiegen. Besonders beliebt sind Bachelorstudiengänge an Fachhochschulen.
Die Zahl der Erstsemester lag 2008 um fast 20.000 höher als beim bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2004. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Dabei geht der Trend hin zu Fachhochschulen. Wegen des Bologna-Prozesses schreiben sich zudem immer mehr junge Leute in Bachelor-Studiengängen ein. Zugleich steigt aber auch der Beratungsbedarf.
Seit 2003 war die Zahl der Studienanfänger zurückgegangen, erst 2007 war sie wieder von knapp 345.000 auf 361.00 gestiegen. Dabei bevorzugen Studierende inzwischen die praxisorientierteren Fachhochschulen (FH): Während an den FHs die Zahl der Erstsemester von 2003 bis 2006 konstant bei etwa 110.000 lag und dann bis 2008 auf rund 143.500 stieg, sank sie an den Universitäten im gleichen Zeitraum von knapp 252.000 auf knapp 239.000, wobei in den vergangenen zwei Jahren wieder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen war. Insgesamt waren im Studienjahr 2008 rund 2,03 Millionen Studierende immatrikuliert.
Die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester - das können auch Fachwechsler sein oder Studierende mit bereits abgeschlossenem Studium - stieg zum Wintersemester 2008/2009 um zwölf Prozent auf 455.300. Im Zuge der Umstellung auf Bachelor- und Master-Studiengänge schrieben sich die meisten, nämlich 66 Prozent, für einen BA-Studiengang ein. Damit nahm die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester eines BA-Studiengangs im Vergleich zum vorhergehenden Wintersemester um 25 Prozent zu.
An Fachhochschulen ist die Bachelorumstellung weit fortgeschritten
Vor allem an den Fachhochschulen ist die Umstellung auf das zweistufige Studiensystem mit Bachelor (BA) und Magister (MA) relativ weit fortgeschritten: Von 156.000 Studienanfängern, die einen FH-Abschluss anstreben, schrieben sich 83 Prozent in einen BA-Studiengang ein. Dagegen immatrikulierten sich von 249.100 Uni-Anfängern nur 65 Prozent in einen BA-Studiengang. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Studierenden im ersten Fachsemester eines BA-Studiums bei den Fachhochschulen um 30 Prozent und bei den Universitäten um 22 Prozent zu.
Im sogenannten Bologna-Prozess stellen die europäischen Hochschulen ihre Studiensysteme seit 1999 auf ein zweistufiges System aus BA und MA um. Damit soll ein einheitlicher europäischer Hochschulraum geschaffen werden. In Deutschland waren zum ablaufenden Sommersemester 76 Prozent der rund 12.500 Studiengänge auf Bachelor und Magister umgestellt. Die früheren Diplom- und Magisterstudiengänge laufen größtenteils aus. Da die Staatsexamensstudiengänge, die etwa 30 Prozent aller Universitätsstudiengänge ausmachen, größtenteils noch nicht umgestellt sind, liegt die Umstellungsquote an den Universitäten bei 71 Prozent. Bei den FHs ist die Umstellung dagegen mit 94 Prozent nahezu abgeschlossen.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan bezeichnete den Anstieg der Studienanfänger als «sehr erfreulich». Dies zeige auch, dass sich die Bologna-Reform nicht negativ auf die Entscheidung für ein Studium auswirke. «Wir haben mit dem starken Anstieg der Zahl der Erstsemester das Ziel fast erreicht, dass 40 Prozent eines Jahrgang ein Studium aufnehmen», sagte die CDU-Politikerin.
Allerdings zeichnet sich laut Deutschem Studentenwerk auch ab, dass der Beratungsbedarf der Studierenden deutlich gestiegen ist - was Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde auch auf den Bologna-Prozess zurückführt. «Die neuen Studiengänge führen zu mehr Druck und Ängsten», sagte auf der Heyde. «Wir kriegen mit, dass es mehr stressbedingte und finanzierungsbedingte Probleme gibt.»
twa/tno/news.de/ap