Fr., 25.05.12

Motiv des Amokläufers 21.09.2009 Hass auf Menschen und Angst vor Krankheit

Amokläufer aus künstlichem Koma erwacht (Foto)
Amokläufer aus künstlichem Koma erwacht. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach

Hass - auf die Menschheit im Allgemeinen und die Institution Schule im Speziellen - war das Tatmotiv des Amokläufers von Ansbach. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Er habe so viele Schüler und Lehrer wie möglich töten wollen.

Der Schüler trug während der Tat ein T-Shirt mit der Aufschrift «Made in School», «um damit zu zeigen, dass er ein Produkt der Schule ist», sagt Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger bei einer Pressekonferenz in Ansbach. Aus gelöschtem Material, das auf seinem Computer von den Ermittlern rekonstruiert werden konnten, gehe unter anderem das Motiv für seine Tat hervor, erklärte Staatsanwalt Jürgen Kracht.

Der Hass auf die Menschheit im Allgemeinen und speziell die Schule habe ihn angetrieben. Er fühlte sich ungerecht behandelt, ausgegrenzt und nicht anerkannt. Außerdem hatte er Angst vor einer schweren Krankheit und dem Versagen in der Schule. «Er hätte auch gern eine Freundin gehabt», sagte Lehnberger.

Unter den gelöschten Dateien befindet sich auch eine Art schriftlicher «Monolog an eine fiktive Ansprechpartnerin, in dem er seine gesamte Gedanken- und Gefühlswelt ausbreitet», wie die Oberstaatsanwältin sagte. Dort habe er bereits im April 2009 zum ersten Mal das Wort «Amok» erwähnt, erläutert Staatsanwalt Kracht. Im Mai sei sein Plan konkreter geworden, er habe die Bewaffnung mit Axt, mehreren Messern und Molotowcocktails in Betracht gezogen. «Im Juni 2009 bestimmte er als Ort der Tat, den dritten Stock, weil auf dieser Etage besonders viele Klassenzimmer sind», sagt Kracht. Außerdem habe er den Tatzeitpunkt auf den Beginn des Schuljahres, am Tag vor einer Klassenfahrt festgelegt.

Sein Ziel sei gewesen, soviele Schüler und Lehrer wie möglich zu töten und das Schülgebäude niederzubrennen. Außerdem habe er «konkrete Suizidvorkehrungen» für die Tat eingeplant. Der 18-Jährige soll außerdem mehrfach betont haben, dass seine Eltern für die Tat nicht verantwortlich seien.

Hermann Lennert, Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Ansbach, stellte klar, dass der Täter nicht wie bisher berichtet, von fünf Schüssen aus der Polizeiwaffe gestoppt wurde. In dieser Notwehrsituation haben die Beamten den Beschuldigten mit drei Schüssen getroffen, in Bauch, Brust und Unterarm. «Erst danach konnte ihm das Messer entwunden werden, mit dem er auf die Beamten zugekommen ist», sagte der Kripochef.

Bisher konnte der Haftbefehl gegen den Amokläufer nicht vollstreckt werden, da er, obwohl aus dem künstlichen Koma erwacht, noch «nicht ausreichend orientiert» ist, teilte die Staatswanwaltschaft mit. Der Gesundheitszustand der beiden Mädchen, die der 18-Jährige schwer verletzte, habe sich hingegen gebessert. Sie schweben nicht mehr in Lebensgefahr.

iwi/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • breitscheidel
  • Kommentar 1
  • 21.09.2009 21:34
 

Die heutige Zeit ist ganz anders wie früher. Das Schulsystem kalt, notenorientiert und nicht mehr altersgerecht. Mir wird es schon schlecht zu wissen, das ich in zwei Jahren das gleiche Problem habe. Mein Sohn soll dann auch eingeschult werden. Aber irgendwie möchte ich nicht, das er ein "Elitekind" wird. Haste was, biste was. Haste nichts dann machts bumm oder wird gemobbt. Das ist doch scheiße. Das Schulsystem kränkelt und es sollte von grundauf reformiert werden. Ich suche jetzt schon nach alternativen, um es meinem Sohn ein bißchen leichter zu machen.

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