Auf einem Kalenderblatt hatte er für den 17.9. das Wort «Apokalypse» eingetragen: Bei einer Durchsuchung im Zimmer des Amokläufers fanden Ermittler Papiere, die darauf hinweisen, dass er den Anschlag geplant hatte. Auch ein Testament ist dabei.
Der Amoklauf in Ansbach war von dem 18 Jahre alten Täter schon länger geplant. Bei einer Durchsuchung des Zimmers des Gymnasiasten hätten Fahnder entsprechende Briefe entdeckt, sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger. «Gefunden worden ist auch eine Art Kalenderblatt, da hat unter dem 17.9. das Wort ‹Apokalypse› gestanden», ergänzte Jürgen Krach von der Staatsanwaltschaft Ansbach. Auch ein Testament sei unter den Unterlagen gewesen.
Der Abiturient Georg R. hatte am Donnerstagmorgen acht Schüler und einen Lehrer seiner eigenen Schule verletzt. Er warf Brandsätze in zwei Klassenräume des Carolinum-Gymnasiums und wartete mit einer Axt bewaffnet vor der Tür auf seine herauskommenden Opfer. «Dort schlug der Täter wahllos auf die Schüler und den Lehrer ein», schilderte Lehnberger. Ein Mädchen der elften Klasse traf er mit der Axt am Kopf. Sie schwebt inzwischen nicht mehr in Lebensgefahr. Ob das Mädchen bleibende Schäden davontragen wird, sei bislang jedoch noch nicht abzusehen, sagte ein Sprecher des Justizministeriums am Vormittag.
Ein weiteres Mädchen zog sich schwerste Brandwunden zu. Insgesamt erlitten fünf Menschen Brand-, Schnitt- und Schürfwunden, drei bekamen einen Schock. Anschließend verbarrikadierte sich der Abiturient auf der Toilette, wo er von Polizisten nach fünf Schüssen überwältigt wurde. In der Nacht verschlechterte sich sein Zustand etwas, er wurde ein weiteres Mal operiert. «Er wird heute keinesfalls vernehmungsfähig sein», betonte Krach. Eltern, Mitschüler und Lehrer des Täters werden heute von der Polizei vernommen.
Der Bayerische Rundfunk berichtete darüber, dass der Täter offenbar seit längerer Zeit eine Psychotherapie absolvierte. Das wollte der Ministeriumssprecher nicht bestätigen.
Rund ein Fünftel der Schüler des Ansbacher Carolinum-Gymnasiums hat inzwischen die von Seelsorgern und Psychologen angebotene Hilfe angenommen. Die Jugendlichen reagierten in den Beratungsgesprächen unterschiedlich auf die Tat ihres 18 Jahre alten Mitschülers, berichtete der Leiter der Kirchlichen Notfallseelsorge im Schulbereich, Thomas Barkowski. «Einige sind noch immer tief betroffen, andere wirken gefasst, aber ernst.» Nach Angaben des Geistlichen haben manche Schüler noch immer Probleme, das schreckliche Geschehen zu realisieren. «Sie fangen erst jetzt an zu verstehen, was passiert ist.»
13 Seelsorger und 10 Schulpsychologen bieten seit dem Morgen Schülern in der Turnhalle des Gymnasiums Einzel- und Gruppengespräche an. Ihnen soll dabei geholfen werden, den Amoklauf vom Vortag zu verarbeiten. Unterdessen haben Schüler vor dem Gymnasium Kerzen angezündet und weiße und rote Rosen niedergelegt.
Notfallpläne für Schulen gefordert
Nach der Tat düften auch die Sicherheitsmaßnahmen an der Schule in der Diskussion stehen. Schüler hatten kritisiert, dass zwar ein Feueralarm zu hören gewesen sei, sie aber nicht über einen Amoklauf informiert wurden. «Nicht auszudenken ist, wenn Lehrer und Schüler die Klassenzimmer verlassen und dem Amokläufer ins Schussfeld geraten», teilte die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Helga Schmitt-Bussinger, mit. Ob im konkreten Fall richtig gehandelt worden sei, müsse anhand des Notfallplans der Schule überprüft werden.
Zu der Frage, wie solche Gewalttaten künftig zu verhindern seien, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dem Fernsehsender Phoenix: «Wir brauchen starke Elternhäuser, wir müssen Familien in ihrer Erziehungskompetenz stärken.» Wo Familien versagten, müssten staatliche Angebote wie Ganztagsschulen helfen. Generell müsse es zudem darum gehen, Gewalt im Alltag wieder zu tabuisieren, sagte Hermann. «Wir finden uns insgesamt in unserer Gesellschaft viel zu sehr mit Gewalt in den verschiedensten Alltagssituationen ab.»
Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den 18-Jährigen, dessen Motiv zunächst völlig unklar blieb. Der junge Mann war noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten. Erst am Dienstag hatte in Bayern das neue Schuljahr begonnen.
Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat nach der Tat Notfallpläne für die Schulen gefordert. In einem Interview der Nachrichtenagentur ddp zeigte er Verständnis für die Forderung nach schärferen Sicherheitsvorkehrungen. So könnte beispielsweise im Falle zukünftiger Amokläufe über Lautsprecher ein verschlüsseltes Warnsignal abgegeben werden. Auch Videokameras seien denkbar. Das Wichtigste sei jedoch die Prävention bereits im Vorfeld einer Gewalttat.
Wenzel mutmaßte, dass der Täter im Fall von Ansbach zu wenige Erfolgserlebnisse und positive Rückmeldungen in der Schule erlebte. Um dieser Vernachlässigung beizukommen, forderte Wenzel zum einen kleinere Klassen, um sich individueller um die Schüler kümmern zu können. Zum anderen müssten mehr pädagogische Fachkräfte wie Schulpsychologen und Sozialarbeiter eingestellt werden.
Wenzel warnte davor, den Vorfall zu instrumentalisieren. Er forderte eine grundlegende Diskussion in Politik und Gesellschaft über die Rolle der Schule. Diese müsse mehr als eine Bildungseinrichtung sein, nämlich eine «Wohlfühleinrichtung».
Schulen als verschlossene Trutzburgen falscher Weg
Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) reagierte ratlos auf den Amoklauf. Der Fall zeige «uns Grenzen unserer Möglichkeiten auf», sagte Merk. Die Gesellschaft sei zum einen mit lauten und aggressiven Tätern konfrontiert, wie im Fall des brutalen Überfalls auf den Geschäftsmann Dominik Brunner am S-Bahnhof Solln. Zum anderen gebe es Persönlichkeiten, die Probleme in sich verschließen. Wie schwierig es sei, rechtzeitig auf die Unauffälligen einzugehen, habe sich in diesem Fall gezeigt.
Merk lehnte es strikt ab, Schulen nach dem Amoklauf in «verschlossene Trutzburgen» zu verwandeln. Noch sei es zu früh darüber zu sprechen, welche Konsequenzen aus der Tat gezogen werden könnten. «Ich sehe keine schnelle Maßnahme, die zu mehr Sicherheit führen kann», betonte sie. Zunächst gelte es, die Hintergründe zu eruieren. Allerdings müsse sich die ganze Gesellschaft fragen, wodurch Georg R. zu dieser Tat veranlasst wurde.
hav/iwi/news.de/dpa/ddp
Das Thema "Amok" fällt mir im Angesicht der Opfer schwer, es rational zu behandeln. Dir ist dies besser gelungen. Allerdings erscheint mir deine Lebensplanung auch nicht so gelungen zu sein, dass du alle andern entweder als Scheiße und wenn nicht Scheiße, dann doch pädophil einordenen kannst. Aber vielleicht kannst du zunächst erklären, worin der Unterschied von der andern zu dir liegt.
jetzt antwortenKommentar meldenRichtig! Diese permanenten hysterischen Schleifen der Experten und Politiker, dieses Panikorchester, erstickt jeden sozialen Wert und Wertmaßstab, aber auch die Analyse vor der Aktion: Pandemien erfunden von Pharmareferenten in der Politik. Mit klammheimlicher Freude beobachteter Wettbewerb von Amokläufern führt zur Beschuldigungen gegen Waffennarren oder Killerspielespieler. Vielleicht sind diesmal Holzfäller dran. Kurz: Ein Volk, das jeweils die andere Hälfte im Knast sehen will, hat sich um den Werteverfall verdient gemacht. Dieses Volk ist bewusstlos.
jetzt antwortenKommentar melden2/3 der Erzieher, Psychofürze und Sozialarbeiter sind Scheiße, der Rest ist Pädophil - da ihr alle eure Kinder fickt, wird es egal sein. meine Olle kroch ihren Padagogikkollegen (andere Schule) im Arsch rum - bin ab 11_1/4 nur noch zur Schule, wenn ich wusste es bringt was oder "meine freundlichkeit zu meiner Ollen". War tagelang unterwegs, sogar im Ostblock (Grüne Grenzen). Fuhr Autos, LKW, flog ein wenig (ab 14 Höhenangst und Schwindel), erschoss Anfixer und Drogendealer - versehentlich auch für die Konkurenz. Das war Anfang 80er - bis auf globale Bedrohung - alles Peace :) !
jetzt antwortenKommentar meldenSeltsame Berichterstattung. Der Knabe ist also gar nicht "Amok" gelaufen. Bevor schon wieder moralisch lamentiert wird und die nächsten Verbote und Kontrollen gefordert werden: Was genau war mit dem Jungen los? Was steht im Testament und warum darin nichts von der Tat? War er Psychopath? Wusste niemand, dass ihn 9/11 SO beschäftigte? Oder gibt es da noch eine ganz andere Geschichte aufzudecken? Wurde manipuliert? ...die Möglichkeiten dafür sind vielfältig aber schwer nachzuweisen. deshalb fragt nach so was vorsichtshalber keiner?
jetzt antwortenKommentar meldenWenn ich Nachts zwischen 0 Uhr u. 02 Uhr in einem Online-Spiel noch jede menge 12 - 15 Jährige antreffe, frage ich mich immer wo die Eltern sind ? Mal ganz zynisch gefragt...zeugen die im Suff gerade wieder einen neuen Sozialamts-Kandidaten ? Es sind nicht die Spiele ansich die die Kinder verrohen. Es sind die viel zu niedrigen Altersbeschränkungen, und der Nachweis bei der Anmeldung. Leider musste ich feststellen, das viele Online-spiele das Sammelbecken verhaltensgestörter u. asozialer Kinder u. jugendlicher sind. Obszönste Beschimpfungen sind obligatorisch.
jetzt antwortenKommentar meldenIrgendwie habe ich schon lange das Gefühl, dass eine Verblödung des Volkes von langer Hand vorbereitet wurde. Ist hier die Mission der Medien nicht in vorbildlicher Art mitgestaltet, das Volk durch Primitive, Ultrabrutale Filme, Serien u. Talkshows zu verblöden, damit es bei Bedarf als dumm blökende Herde besser zu handhaben ist ? Politiker und Medienmogule reichen sich doch schon lange die Türklinken in die Hand. Bevor es dazu kommt das wieder Autos brennen und Pflastersteine fliegen wie in den 60´, nimmt man ein paar Amokläufer und Opfer in kauf.
jetzt antwortenKommentar meldenIch stimme dem Kommentar 3 zu.Nicht nur Schule oder andere Einrichtungen können die Verantwortung der Eltern übernehmen. Eltern sollten doch darauf achten, dass es ihren Kindern gut geht, besonders seelisch. Und wenn nicht, ist es auch keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die menschlichen Werte spielen in der Erziehung die Hauptrolle.Wäre das in unserer Gesellschaft jederzeit und jederorts realisierbar, gab es solche Amokläufer nicht.
jetzt antwortenKommentar meldenWie viele Menschen sind denn dieses Jahr schon bei Amokläufen in Deutschland gestorben oder verletzt worden ? 100 ? 1.000 ? 10.000 ? Oh doch nur 10 - 20. Ja das ist schlimm, ich meine wenn es sogar mehr Tote als die Schweinegrippe fordert muss es doch schlimm sein.
jetzt antwortenKommentar meldenDa habt ihrs doch wieder! Diese elenden Killerspiele! Wochenlang wird da beobachtet wie virtuell Molotow-Cocktails fliegen, aber immer muss da erst etwas passieren bis diese ganzen bösen Kompjuderspiele verboten werden! Da hilft doch nur eins: Mehr Panik machen! Mehr Schuldzuweisungen! Mehr Verbote! Höhere Jugendstrafen! Mehr Überwachungskameras! Längere Untersuchungshaft für ALLE! ... Und wenn ihr damit fertig seid, stellt ihr vielleicht auch irgendwann einmal fest, dass Schulen schon längst kein sicherer Hort der Bildung mehr sind. Gott, wie blind muss diese Gesellschaft sein...
jetzt antwortenKommentar meldenEltern wacht endlich auf und kümmert euch um eure Kinder !!!!!!!!!!!! Arbeitet mit Erziehern,Pädagogen,Lehreren zusammen und nicht gegen sie .... Immer wieder stelle ich fest, da ich selbst an einer Grundschule arbeite, dass sich Eltern hinter ihre Schützlinge stellen und nicht hinter Lehrer oder Erzieher und Pädagogen....
jetzt antwortenKommentar meldenIch kann nur sagen, was ich schon oft gesagt habe: Hoffentlich werde ich das volle Ausmaß der Saat, die bestimmmte Leute säen, nicht mehr sehen. Denn was wir derzeit erleben, so schrecklich es ist, ist nur vergleichsweise harmloses Vorgeplänkel des Kommenden (falls es wirklich kommt, kann natürlich auch sein, dass bestimmte Leute endlich zur Vernunft kommen werden).
jetzt antwortenKommentar meldenDas ist traurig,mir stockt der Atem.Muß mich erst mal sammeln und mein Komentar folgt.
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