Elf Minuten hat es nach dem Notruf gedauert, bis der Amokläufer von Ansbach gestellt war. Der 18-Jährige hatte zwei Molotowcocktails an seiner Schule gezündet und dabei acht Mitschüler verletzt. Er selbst wurde von der Polizei angeschossen.
Um 8.35 Uhr griff ein Schüler der 13. Klasse zum Telefon und alarmierte die Polizei, weil er Rauchentwicklung und Lärm im dritten Stock des Ansbacher Carolinengymnasiums bemerkte. «Bereits 8.46 Uhr wurde der Täter, der mit einem weiteren Molotowcocktail und einer Axt bewaffnet war, festgenommen», sagt der bayerische Innenminister, Joachim Herrmann (CSU), bei einer Pressekonferenz und lobt den schnellen Einsatz der Polizei.
Entscheidend seien hier die Einsatzkonzepte, die nach dem Amoklauf vor sechs Monaten in Winnenden grundlegend geändert wurden. «Wir reagieren jetzt sofort und warten nicht erst auf das Sondereinsatzkommando», sagt der Innenminister. Damit soll Schlimmeres verhindert werden. Als vorbildlich bezeichnete er das Eingreifen der beiden Beamten, die als erste vor Ort waren.
Sie hätten den Täter im dritten Stock des Gymnasiums gestellt und aufgefordert, sich zu ergeben. «Er ist dann auf die Polizisten zugegangen», schildert Polizeioberrat Udo Dreher die Situation. «Sie haben dann mit einer Maschinenpistole auf ihn geschossen und fünfmal getroffen.»
Vorher hatte der Täter zwei Molotowcocktails in die Räume einer 9. und 11. Klasse geworfen und sei mit einer Axt auf Schüler losgegangen. Außerdem war er mit zwei Messern bewaffnet. Zwei Schülerinnen wurden bei der Attacke schwer verletzt, eine von ihnen erlitt «massive Verletzungen am Schädel» und schwebe in Lebensgefahr, sagt Udo Dreher. Das zweite Mädchen habe Brandverletzungen. Der Amokläufer selbst sei außer Lebensgefahr, jedoch noch nicht vernehmungsfähig. Es wurde Haftbefehl wegen versuchten Mordes gegen den 18-Jährigen beantragt. Die ersten Zeugenvernehmungen beginnen laut Dreher zur Stunde. Sechs weitere Schüler und ein Lehrer wurden leicht verletzt.
Auch der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle zeigte sich tief betroffen von dem Amoklauf. «So schrecklich die Tat ist, es hat sich bewährt, dass Schule und Polizei auf eine solche Lage ordentlich vorbereitet waren», meint der Minister. «Die Notfallpläne wurden landesweit aktualisiert und da gerade Schuljahresbeginn war, wurden die Notfall- und Feuerübungen bereits durchgeführt.»
Die Polizei war den Angaben zufolge durch einen anderen Schüler der 13. Jahrgangsstufe über den Amoklauf informiert worden. Der junge Mann, der bei der freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, habe anschließend selbst gelöscht. Nach Angaben von Schulleiter Franz Stark verlief die Evakuierung des Schulgebäudes reibungslos. Die knapp 700 Schüler hätten angesichts des erst dritten Tages im neuen Schuljahr offenbar gedacht, dass es sich bei dem Alarm um eine Übung handelte. Lehrer trugen einige der verletzten Kinder nach draußen, wo sie von Rettungskräften versorgt wurden. Spaenle lobte die «Besonnenheit» aller Beteiligten.
Die Schüler und zahlreiche besorgte Eltern, die zum Tatort geeilt waren, wurden von Notfallseelsorgern betreut. Sie wurden zum Teil in Räumen der örtlichen Agentur für Arbeit untergebracht. Für Freitag wurde der Unterricht bereits abgesagt.
Der 18-jährige Täter sei nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei noch nicht bekannt, sein Motiv völlig im Dunkeln. Er selbst sei Schüler einer 13. Klasse des Carolinengymnasiums und nach bisherigen Erkenntnissen besuchen auch Geschwister von ihm diese Schule. Wann normaler Unterricht in Ansbach wieder stattfindet ist, sei bisher unklar.
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