Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Mit dem Rad an der Donau entlang, das ist für viele längst eine Alternative zum Wanderurlaub. Jetzt wird Radwandern in Deutschland auch von ganz oben gefördert. Und sein Navigationsgerät aus dem Auto muss auch niemand mehr vermissen.
Der D3 führt von Aachen bis Frankfurt an der Oder. Er bekommt einen wunderschön glatten Asphalt zum Drüberschnurren und gut lesbare Schilder. Damit wird der D3 der erste optimal angelegte Radwanderweg durch ganz Deutschland sein.
Radwandern ist nichts Neues. Donau, Mosel, Elbe oder Rhein, die Klassiker unter den Radwegen führen auch an den Klassikern unter den Flüssen entlang. Insgesamt gibt es rund 200 Radfernwege in Deutschland, also Routen, die länger als 100 Kilometer sind. 150.000 Kilometer weit können wir uns hierzulande auf ausgewiesenen Radwanderwegen abstrampeln.
Auch die 960 Kilometer von der niederländischen bis an die polnische Grenze, die den D3 bilden, kann man längst radeln, auf dem Europaradweg R1. Dennoch ist D3 ein Pilotprojekt: Denn bisher war Radfahren vor allem Ländersache, und jedes Bundesland hatte seine eigenen Schilder, Logos und Konzepte. Nun hat der Bund die Sache in die Hand genommen und plant ein Netz aus zwölf Radwegen quer durchs Land. «D» steht also für Deutschland. Seit Oktober 2008 ist D3 nun in Planung, 900.000 Euro darf er kosten und 2011 soll er fertig sein.
Nicht nur der Belag soll stimmen, sondern auch das Drumherum. Radlerfreundliche Pausen- und Übernachtungsmöglichkeiten werden die D-Radwege säumen. Auch das ist kein Novum, sondern soll nur flächendeckend organisiert werden. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub ADFC vergibt die «Bett & Bike»-Plakette an Übernachtungsangebote, die sich auf die Radtouristen einstellen: Sichere und geschützte Parkplätze anbieten, einen Werkzeugkasten bereitstehen haben und einen Trockenraum für die verschwitzten Klamotten. Außerdem sollten sie ein reichhaltiges Frühstück servieren und Kartenmaterial der Region da haben.
Die wichtigste Voraussetzung für ein «Bett & Bike»-Etablissement ist aber eine andere: «Viele Hotels möchten nicht, dass die Leute nur eine Nacht bleiben. Das ist hier problemlos möglich», erklärt ADFC-Sprecherin Bettina Cibulski. Rund 5000 Betriebe dürfen sich derzeit die Plakette anheften. Der ADFC kontrolliert jährlich, ob die Bedingungen noch erfüllt werden und stellt im Internet eine Suchfunktion für die Unterkünfte zur Verfügung.
Der frischste Trend macht es den Radwanderern inzwischen noch leichter: Auf unzähligen Internetseiten stehen inzwischen GPS-gesteuerte Routen zum teilweise kostenlosen Download bereit. Pionier ist hier Uli Stanciu. Mehr als 10.000 Kilometer hat der Gründer des Bike-Magazins im Alpenraum vermessen, also mit GPS-Koordinaten versehen.
Auch Philipp Heinrich war am Vormittag wieder mit seinem GPS-Gerät am Lenker unterwegs. Der Fahrradfreak aus dem Erzgebirge arbeitet deutschlandweit mit Touristikorganisationen zusammen und bereitet Radwege für Navigationsgeräte auf. Anders als viele Radfahrer, die als Hobby die GPS-Daten einer Route online stellen, hat er die Touren professionalisiert. Heinrich spickt seine Routen mit rund 100 verschiedenen Symbolen. Weggabelungen, Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte, Infrastruktur und auch so nützliche Details wie die Bodenbeschaffenheit der Route liefert er mit – damit sich niemand mit seinem Treckingrad auf einer Wurzelpassage wiederfindet.
Auf seiner Homepage kann sich jeder die vorhandenen Routen mit Höhenprofil und Bodenbeschaffenheit ansehen und die GPS-Karte kostenlos herunterladen. Zusätzlich gibt es kompakte Karten, auf denen die Tour noch einmal im Überblick zu sehen ist. «Für jemanden, der in eine Region fährt, wo er sich nicht auskennt und das Gerät fachmännisch erklärt bekommt, gibt es nichts besseres», findet Philipp Heinrich. «Wenn ich in die Alpen fahre, schaue ich im Vorfeld, was ich an Tracks bekomme und fahre einfach los.» Nur eins kann die Fahrradnavigation noch nicht: sprechen. Aber auch dafür arbeitet Heinrich schon an einer Software fürs Handy.
iwe/news.de