Kleine und große Gefälligkeiten unter Freunden wurden heute im Prozess gegen Ulrich Schumacher verhandelt. Der ehemalige Chef des Chipherstellers Infineon gab an, auch seine Kinder in dubiose Deals verwickelt zu haben.
Mit weiteren Fragen zu Auto- und Sponsoringgeschäften ist der Strafprozess gegen den früheren Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Mittwoch vor dem Landgericht München fortgesetzt worden (zur Infineon-Aktie). Laut Anklage soll Schumacher in den Jahren 2000 bis 2003 von seinem früheren Freund und Geschäftspartner Udo Schneider Geld angenommen haben, um an Rennsport-Veranstaltungen teilzunehmen. Die Anklage gegen den Manager lautet auf Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, Untreue, versuchten Betrug und Steuerhinterziehung. Zum Auftakt hatte Schumacher die Vorwürfe von sich gewiesen und erklärt, nie käuflich gewesen zu sein.
Am zweiten Verhandlungstag schilderte der 51-Jährige eines der Autogeschäfte, die er mit Schneider tätigte. Weil sein früherer Freund Geld gebraucht habe, habe er einen der gemeinsam erworbenen Oldtimer verkauft. Dafür habe ihm der Käufer 295.000 Euro in bar in einer Tüte ausgehändigt. Ursprünglich habe er selbst mit dem Geld ins Flugzeug steigen und es Schneider bringen wollen, doch kamen ihm dann Bedenken, sagte Schumacher: «Mit 295.000 Euro Bargeld in der Sicherheitskontrolle aufzufallen, hat mir Angst gemacht.» Deshalb habe ein Bekannter das Geld an Schumachers Bruder in Köln übergeben, der es wiederum an Schneider weitergereicht habe.
Zur Sprache kam aber auch das mit Puma (zur Aktie) vereinbarte Sponsoring-Engagement bei Autorennen. Schneider habe ihm damals erzählt, dass Puma als Co-Sponsor Werbeflächen auf den von Infineon gesponserten Wagen anmieten wolle, sagte Schumacher. Von Schneider habe er auch einen Puma-Katalog erhalten, aus dem er Kleidung für sich und seine Kinder bestellen sollte. Dabei habe Schneider gesagt: «Die wollen, dass Du die Kleidung auch trägst, und keine Konkurrenzprodukte.» Mit Blick auf seine drei Kinder erklärte Schumacher: «Die Aussage war, dass die Kinder an den Schulen ein Verstärkungsfaktor sind, weil Kinder voneinander abkupfern.» Aus heutiger Sicht könne man das «sicher in Frage stellen».
Auf der Bestell-Liste fanden sich später Schuhe, Jacken, Hosen und andere Artikel. Tatsächlich sei dann aber nur gut die Hälfte der georderten Artikel geliefert worden, sagte Schumacher, ihren Wert schätzte er auf rund 800 Euro. Die Kleidung soll Schumacher nicht bezahlt haben.
Bereits am ersten Prozesstag hatte der Hightech-Manager über gegenseitige Autoverkäufe zwischen ihm und Schneider berichtet. Bestechungsgelder habe er aber nie entgegengenommen oder verlangt. Schneider hatte in seinem eigenen Prozess im Jahr 2006 Zahlungen eingeräumt und war dafür zu vier Jahren Haft verurteilt worden. An diesem Donnerstag soll der Geschäftsmann als Zeuge in dem Prozess gegen Schumacher gehört werden.
ruk/mat/news.de/dpa