Fr., 25.05.12

Hommage an «Draußen nur Kännchen» 27.09.2009 Der Slogan des Kleinbürgertums

Kaffekännchen (Foto)
«Draußen nur Kännchen» hört man heute nur noch selten. Bild: news.de/ istockphoto (Montage)

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: «Draußen nur Kännchen».

Es gibt in der Leipziger Innenstadt ein altmodisches Kaffeehaus mit zwei lebensgroßen Elefantenköpfen rechts und links der Tür - eine Oase für die leidgeprüfte Kaffeehausgängerseele. Frolleins mit gestärkten Schürzen und gespitzten Lippen gibt es dort, Käsekuchen und Sachertorte und Kaffeegetränke mit Namen wie Einspänner oder Pharisäer, so nostalgisch, dass einem beim Bestellen ein Seufzer herauszurutschen droht. Nur eines gibt es dort nicht: den Satz «Draußen nur Kännchen».

Es habe ihn im Übrigen, so versicherte mir eines der beschürzten Frolleins kürzlich, auch nie gegeben. Und sie würde ihn auch gar nicht verstehen. Das mag man schade finden, und auch ich muss etwas unglücklich dreingeschaut haben, denn sie schickte sogleich tröstend hinterher, Kännchen hätten sie natürlich noch, und die würden auch immer gerne genommen. Vor allem am Wochenende.

Ein Journalist der Zeit fordert den Ethnologen Prinz Asfa-Wossen Asserate einmal auf, einen hässlichen Satz zu sagen, den es nur im Deutschen gebe. Und Asserate antwortete: «Draußen nur Kännchen.» Die ablehnende Haltung gegenüber diesem Slogan des Kleinbürgertums mag auch daran liegen, dass er meist recht barsch daherkommt, was sich, über die Jahre, als geschäftsschädigend herausgestellt haben könnte. Für einen Rheinländer aber ist er leicht zu ertragen. Zwischen Bonn und Düsseldorf regiert in den Kneipen der Köbes, wie sich die Kellner dort nennen, und bei den besten von ihnen könnten selbst Wiener Kaffeehaus-Ober noch etwas lernen in Sachen Rotzigkeit.

Man muss den Zwang zum Kännchen im Freien nicht begreifen, manche sagen, er sei eingeführt worden, damit die Bedienung nicht so viel rennen muss, manche sagen, die Gastronomie wolle damit Kasse machen. Die wirklich guten Argumente dafür, Kaffee an der frischen Luft nicht aus der Tasse zu genießen, aber finden sich nur aus Sicht des Gastes. Lästiges Geschmeiß etwa oder die Trinktemperatur, die laut Fraunhofer-Institut übrigens bei 58 Grad Celsius liegen sollte. Und da die meisten Gaststätten die Fraunhofer-Tasse, die diese Temperatur garantiert, wohl nicht im Schrank stehen haben, bietet sich das klassische Kännchen durchaus an, um den Kaffee ein wenig länger heiß zu halten.

Und klassisch meint in diesem Fall auch wirklich klassisch. Einige Jahre musste ich, um überhaupt noch Kaffee aus einer Kanne trinken zu können, meine Eltern besuchen. Dort, auf Terasse oder Balkon, aus geblümtem oder weinberanktem Porzellan, gab es sie noch, die Kanne. Sie verströmt Charme, Gemütlichkeit und ein gewisses altmodisches Flair, vermittelt das Gefühl, den vor sich hin eilenden Fortschritt etwas besser ertragen zu können. Vor allem, da der auch den Kaffee längst erreicht hat, da könnte man das Lamentieren beim Instantkaffee beginnen und Stunden später beim Pappbecher enden.

Es ist einem traurigen Ereignis zu verdanken, dass wir seit kurzem auch im Besitz einer Kaffeekanne sind - es handelt sich um ein Erbstück. Etwa einen halben Liter fasst es, anders als die «Draußen-nur-Kännchen»-Kännchen, in die exakt 0,35 Liter passen. Unser Stück ist dunkelbraun lasiert, schlicht, ein Designklassiker vor dem Herrn, eines, das war mir beim ersten Anblick klar, das mir ans Herz wachsen wird. Mit dem Kännchen draußen aber wird es auch damit nichts werden. Dazu fehlt uns der Balkon.

bjm/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Minie
  • Kommentar 1
  • 27.09.2009 17:40
 

Das ist schon Richtig eine schöne Kanne vermittelt Gemütlichkeit. Dann noch ein Stövchen wo man die Kerze sehen kann das machts .

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