«Wir leben fast im Paradies»
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Er spricht lieber über den kulturellen Impuls: Wie wäre es, wenn ich mein Leben selbst in die Hand nähme? «Es ist notwendig und zeitgemäß. Es geht nicht anders, sonst wird die Situation immer prekärer. Wir müssen uns weiterentwickeln», findet er. Vor 200 Jahren, da sei die Verbindung von Arbeit und Einkommen vielleicht einmal angemessen gewesen. «Damals musste jeder arbeiten, damit die Gesellschaft funktioniert. Alles wurde mit der Hand gemacht: Der Tisch, die Kerze und das Messer», sagt er und blickt über seinen Küchentisch. «Heute überwacht einer einen Computer, und es kommen 20.000 Messer heraus.»
Dafür gebe man sich größte Mühe, neue Arbeit zu erfinden – dabei wüssten schon Kinder, die eine Baumbude bauen, dass man sich am besten möglichst wenig Arbeit macht, um schnell Spaß mit der Bude haben zu können. «Wir haben das geschafft. Es gibt nur noch sehr wenig Arbeit in der Produktion, wir sollten glücklich sein, leben fast im Paradies», sagt er lächelnd.
Könnten wir zumindest. Aber um den Lebensunterhalt zu verdienen, nähmen die Menschen vieles in Kauf und arbeiteten in unwürdigen Zuständen. Menschen würden stigmatisiert und ließen sich versklaven. Warum nun aber so viele Leute mit Grundeinkommen assoziieren, gar nicht mehr zu arbeiten, kann er überhaupt nicht nachvollziehen. «Es geht dann nur nicht mehr ums Geldverdienen, sondern um die Schönheit des Jobs. Viele Arbeiten wären anders, viele würden auch wegfallen.» Und die Drecksarbeit, die nicht automatisierbar ist? «Die müsste sehr gut entlohnt und attraktiv gestaltet werden.»
Ob er das Grundeinkommen selbst erleben wird? «Ja, denn die Vorstellung, dass nicht, ist noch krasser: Wenn der Trend so weitergeht und die Arbeitsbedingungen noch unwürdiger werden...» Immerhin, ein paar Anker hat das Grundeinkommen in Deutschland schon geworfen. Unter anderem die Petition von Susanne Wiest, die 53.000 Menschen unterschrieben haben. Nach der Wahl wird der Bundestag entscheiden, ob er das Thema verhandelt.
Oder Götz Werner, der Chef der Drogeriekette dm. Er ist der erste gewichtige Fürsprecher eines Grundeinkommens, verficht seine 1982 entwickelte These seit vier Jahren öffentlich. Und er lässt seine Angestellten selbst über Sortiment, Dienstpläne, Vorgesetzte und Gehälter entscheiden. «Auch die Grünen und die Linken sind dafür, und viele kleine Parteien und Direktkandidaten», zählt Peterschun auf.
Und auch er wird jetzt aktiv. Thomas Peterschun hat in Leipzig ein paar Gleichgesinnte gefunden für die Initiative Grundeinkommen und wünscht sich, dass die Gruppe wächst. Vor kurzem haben sie in der Fußgängerzone Passanten Pappkronen aufgesetzt, als Teil der bundesweiten Krönungstournee. Um zu zeigen, dass jeder sein eigener König ist.
mat/iwe/news.de
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Wir leben bereits im Paradies nur, wir können es vor lauter gier nicht erfassen.
jetzt antwortenKommentar meldenMenschen, die sich über Geld definieren haben ein arges Problem mit dem Selbstwertgefühl und Menschen, die ihren Mitmenschen nicht die Butter aufs Brot gönnen - haben ein noch größeres Problem mit dem Selbstwertgefühl. Die Menschenwürde ist nicht bezahlbar und mit Geld nicht abrechenbar. Wer mehr als seinen Bedarf als sein Einkommen verbucht ist eh ein Betrüger weil der dieses "mehr" anderen Menschen wegnimmt. Wäre das Existenzminimum gedeckt - hatte das Volk mehr Kunst und Kultur
jetzt antwortenKommentar meldenEin kluger Mensch (wie viele andere auch). Grundeinkommen und sinnvolles Leben ist machbar! Wir müssen es nur wollen! Oder brauchen wir diese "leistungsbezogenen" Unterschiede, um unserem Ego zu schmeicheln?
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