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Geld verdient haben, ohne zu arbeiten (Bild 1/ 12)
Krönungswelle (Foto)
Foto: Benjamin Hohlmann
15.09.2009

«Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?» Diese Frage hat die Initiative Grundeinkommen in vielen Städten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz die Leute gefragt...

Woche des Grundeinkommens

«Wir leben fast im Paradies»

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Was er arbeiten würde, wenn für sein Einkommen gesorgt wäre? Dem Leipziger Thomas Peterschun fällt die Antwort nicht schwer. Seit er sich gegen die Universität entschieden hat, ist er kreativ geworden. Und er kämpft für das Grundeinkommen.

Der Verfechter des Grundeinkommens ist zuhause. Er kommt persönlich zur Tür des einzigen unsanierten Gründerzeitbaus in der Straße, statt den Summer zu betätigen. Thomas Peterschun hat Zeit, solche Dinge zu tun. Deshalb sitzt er auch am Montagmittag in seiner WG-Küche und hat Plätzchen im Ofen. Mit 28 Jahren könnte er gerade genauso gut in einer Abschlussprüfung für sein Medizinstudium hocken oder von einem Patienten zum nächsten hetzen.

Aber Thomas Peterschun hat beschlossen, sich Zeit zu nehmen. Was nicht heißt, dass er den Plätzchen beim Bräunen zusieht. Noten liegen auf dem Tisch, und Peterschun studiert auch Medizin – auf seine Weise. «Alternativ könnte man es nennen, wenn man das etablierte System als Basis ansieht», wägt er ab. Denn das medizinische System derzeit sei völlig untragbar. Auf seine ganz ruhige, bescheidene Art skizziert er Gedanken, um sie schließlich doch noch auf einen Punkt zu bringen. Die fünf biologischen Naturgesetze sind die Basis seiner freien Medizinstudien. Ob er damit irgendwann einmal Arzt sein kann? Er wünscht sich das.

Die Institution Universität jedenfalls hat er nach einem Semester Kommunikationspsychologie entlarvt: ständige Vorgaben, kein individueller Zuschnitt. Er wünscht sich ein demokratisches Lernen, wo jeder selbst bestimmen kann, was er wissen möchte. Mit dem Abbruch sei sein Antrieb gewachsen. «Ich wurde kreativ, habe angefangen, Musik zu machen. Das hat sich sehr frei angefühlt», beschreibt er den Ausstieg aus der Uni. Und sein Einkommen? «Das bestreite ich mit dem an Bedingungen geknüpften Grundeinkommen», sagt Peterschun.

Seine große Frage, «Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?», kann er für sich selbst also schon beantworten. Diese Worte hängen bei ihm im Erdgeschossfenster über den bunt bemalten Blumenkästen, jeder kann sie von der Straße aus lesen und im Weitergehen eine Antwort suchen. Für Thomas Peterschun ist das Grundeinkommen mehr als diese 1000 Euro im Monat für jeden und ohne Bedingungen, die in der Debatte immer wieder durch den Raum schweben. Er rechnet keine Zahlen gegeneinander auf.

Er geht lieber durch die Stadt und sieht, was möglich ist. Dass wir in einer hoch technologisierten Welt leben und im absoluten Wohlstand. Dass es Menschen gibt, die aus dem Müll leben - «sogar das ist einkalkuliert». Wie man das Grundeinkommen finanzieren soll? «Es ist genug für alle da, sogar noch mehr. Es wird einfach gerechter aufgeteilt werden.»

Von wem? Noch so ein großes Thema, das vierte inzwischen. «Vom Rechtsstaat, der tatsächlich aus den Bürgern besteht. Das ist heute nicht der Fall.» Einfach so einführen werde deshalb wohl niemand das Grundeinkommen. Da bräuchte es doch eine Revolution, auch wenn Peterschun das Wort nicht benutzt. Revolution von unten natürlich.

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