«Um Straßenkehrer müssten Arbeitgeber werben»
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Und die Sorge, dass dann niemand mehr arbeiten will, ist unberechtigt?
Steinheuer: Wenn ich mit Leuten spreche, sagen sie immer, nee, mir würde das nicht reichen. Und wem es reicht, reicht es halt. Dadurch ist genug Arbeit da, und die Leute, die arbeiten möchten, können das machen, was sie wollen, weil das Angebot da ist.
Kommen wir zur Frage der Fragen: Wer soll das bezahlen?
Steinheuer: Jedes Jahr werden etwa 700 Milliarden Euro an Transferleistungen bezahlt. Das macht circa 700 Euro pro Monat und Nase aus, also wäre eine Basis für Grundeinkommen schon vorhanden. Und es heißt, man könne 20 Milliarden Euro einsparen, wenn man den ganzen Verwaltungsapparat darum herum abschafft.
Darüber hinaus existieren verschiedene Modelle. Wie bewerten Sie die?
Steinheuer: Es gibt zwei Ansätze. Der eine besteuert Einkommen und Kapital: Die, die am meisten haben, sollen auch am meisten bezahlen. Das hat auf den ersten Blick den Anschein von größter Gerechtigkeit und berücksichtigt, dass wir derzeit ein Sozialsystem haben, das nur von der Mittelschicht getragen wird. Hier sollen höher Verdienende auch mehr dazu beitragen. Das andere funktioniert über eine Konsumsteuer: Es soll Schluss damit sein, Arbeit zu besteuern, sondern nur der Konsum besteuert werden. Das ist bestechend, denn wenn bei der Möglichkeit zu arbeiten gleich steuerliche Hindernisse aufgebaut werden, stört das die eigene Entfaltung. Ich denke, man wird sich in der Mitte treffen müssen. Letztlich müssen wir uns das gegenseitig zahlen, die Goldtaler fallen nicht vom Himmel.
Sehen Sie die Gefahr, dass durch die verschiedenen Modelle die Bewegung Grundeinkommen gespalten wird?
Steinheuer: Die Angst habe ich manchmal, weil viel Politik in die Bewegung hineinspielt. Die Frage nach dem Mindestlohn wird viel diskutiert, dabei brauchen wir bei einem Grundeinkommen doch keinen Mindestlohn. Aber für Gewerkschaftler, Linke und SPDler ist das eine heilige Kuh. In den regionalen Initiativen besteht dieser Disput allerdings nicht so sehr. Dort geht es eher darum, den Gedanken in die Welt zu tragen: Dann diskutieren wir mal über Finanzierung, aber im Grunde geht es uns um das Menschenbild.
Haben Sie keine Sorge, dass Sie von der Politik abgespeist werden?
Steinheuer: Ich sehe schon die Gefahr, dass wir als Offenbarungseid der Politik ein Grundeinkommen von 500 Euro bekommen. Aber das Grundeinkommen darf auf keinen Fall weniger als 800 Euro sein, besser 1000.
Martina Steinheuer ist in der Initiative Grundeinkommen in Bonn aktiv, Mitglied im Rat des Netzwerks Grundeinkommen und koordiniert die Woche des Grundeinkommens (vom 14. bis 20. September). Sie arbeitet als EDV-Angestellte in Bonn im öffentlichen Dienst. Gesellschaftlich aktiv ist sie seit den 1980er Jahren, als sie Friedensdemos mitorganisierte. Später war sie lange bei den Grünen, schließlich aber frustriert von den engen Möglichkeiten, wirklich etwas zu erreichen. Sie engagiert sich für das Grundeinkommen, weil sie gemerkt hat, dass die Visionen und Perspektiven fehlen. Das Grundeinkommen ist für sie die Antwort auf den Wachstumszwang, der ihrer Meinung nach an sein Ende gekommen ist.
Lesen Sie morgen bei news.de, warum der Leipziger Thomas Peterschun sich an seinem Fenster zur Straße als Verfechter des Grundeinkommens outet.
mat/news.de
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Es ist unglaublich gerade die, die eh schon Millarden verdienen sind der Meinung das Mittelständige oder HartzIVer mehr Geld als Grundeinkommen haben sollen. Aber die sind es doch, die die Arbeiter ausnehmen. Die sich immer wieder in Krisenzeiten die Löhne der Arbeiter stehlen und kündigen, um sich dann weiterhin das Gehalt bezahlen zu können. Und selbst wenn die Krise wieder vorbei ist, bleiben die Löhne gedrückt, obwohl der Chef sein Geld weiterhin bekommt und es der Firma wieder gut geht. Sowas ist ein Skandal und darf in Deutschland normalweise nicht funktionieren. Reich= weniger bezahlen
jetzt antwortenKommentar meldenLeider weiss ich nicht, wie viel Geld ein HartzIV Empfänger etwa bekommt, da ja neben dem Geldbezug die Miete, Strom etc. bezahlt werden. Nehmen wir je etwa 400 Euro Miete an, 250 Euro für alle möglichen Sachen sowie Strom, Wasser etc. wird man wohl nicht auf über etwa 800 Euro kommen. Würde also das einheitliche Grundeinkommen pauschal nur 800 Euro betragen, dann würde das tatsächlich zur Verfügung stehende Geld deutlich von den (regional differierenden) monatlichen Ausgaben des Einzelnen abhängen, wodurch ein HartzIV Empfänger schon fast besser dastehen würde.
jetzt antwortenKommentar meldenIch bin nur ein einfacher Mensch und versteh nichts von Wirtschaft, aber es leuchtet mir nicht ein, warum etwa 1000 € für die Menschen ohne Arbeit gezahlt werden soll, damit es allen besser gehe. Als der € eingeführt wurde, wurden die Vorteile sehr gelobt, doch effektiv hatte ich z.B deutlich weniger Geld zur Verfügung als vorher. Ich will nicht mißverstanden werden, ich find die gemeinsame Währung unkompliziert. Wichtiger ist doch die gerechte Verteilung von Löhnen und Gehältern, nicht deren Höhe, auch wenn ich gern mehr als 1500 € hätte. Ich verdiene gut, aber komme nur schwer über die Runde
jetzt antwortenKommentar melden(Zitat) "Um Straßenkehrer müssten Arbeitgeber werben" Ich glaube nicht mal, dass vermeintliche "Drecksarbeit" unbedingt attraktiver gestaltet werden müsste. Der Denkfehler vieler Menschen ist der, dass sie von sich auf andere schließen; also das was sie selbst als "unzumutbare" Arbeit definieren, beziehen sie dann auf den Rest der Gesellschaft. In Wirktlichkeit gibt es viele Straßenkehrer und Müllmänner, die ihren Job lieber machen, als so manch anderer einen stressigen Bürojob. LG
jetzt antwortenKommentar melden...es hat sich leider ein Übertragungsfehler (im zweiten Teil) eingeschlichen: Rund 700 Mrd Euro betragen die jährlichen Transferleistungen derzeit, welches grob überschlagen 700 Euro pro Bürger pro Monat (und nicht pro Jahr) ausmacht.
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