Wie kann man verhindern, dass jemand wegen seiner Zivilcourage getötet wird? Das bayerische Kabinett will sich nach der tödlichen S-Bahn-Attacke in München mit dieser Frage befassen. Derweil hat sich einer der Täter entschuldigt.
Ministerpräsident Horst Seehofer sagte in München, er habe Justizministerin Beate Merk und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gebeten, Vorschläge zu möglichen Konsequenzen aus der Gewalttat vorzulegen. Am Mittwoch wird das Kabinett darüber beraten.
Man müsse überlegen, wie man Menschen stärker schützen könne, die in bewundernswerter Weise Zivilcourage aufbringen, sagte Seehofer: «Das, glaube ich, sind wir auch dem Opfer schuldig.»
Bei dem von zwei jungen Schlägern getöteten S-Bahn-Fahrgast handelt es sich Medienberichten zufolge um den Geschäftsmann Dominik B. aus dem niederbayerischen Ergoldsbach. Der 50-Jährige war laut Angaben des Bayerischen Rundfunks und der Bild-Zeitung Vorstand des Dachziegelunternehmens Erlus AG mit rund 600 Mitarbeitern. Offenbar war B. am Samstag auf dem Weg zu seiner Freundin, als er von den Gewalttätern am Bahnhof Solln totgeprügelt wurde.
Der Mann hatte sich schützend vor vier Kinder im Alter zwischen 13 und 15 Jahren gestellt, die von den Schlägern bedroht und attackiert worden waren. Der Geschäftsmann bekam dann selbst die Schläge und Tritt der 17- und 18-jährigen Täter ab. Wenig später erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. Gegen die mutmaßlichen Täter wurde noch am Sonntag Haftbefehl erlassen.
Nun hat sich der ältere der beiden Schläger bei der Familie des Opfers entschuldigt. Er bedauere seine Tat zutiefst und könne sich nicht erklären, wie es zu diesem Blackout kommen konnte, sagte sein Anwalt Gregor Rose der Münchner tz. «Ich wollte nicht, dass der Mann stirbt», zitiert der Anwalt seinen Mandanten. Der 18-Jährige sitzt in der Haftanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft. Der Staatsanwalt strebt eine Anklage wegen Mordes an, der Anwalt plädiert auf Körperverletzung mit Todesfolge. Zunächst solle aber ein psychologisches Gutachten erstellt werden, sagte der Anwalt.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann forderte die Deutsche Bahn auf, mehr für die Sicherheit auf den Bahnhöfen zu tun. Der CSU-Politiker sagte im rbb-Inforadio: «Ich fordere von der Deutschen Bahn klipp und klar, dass alle S-Bahn-Stationen ebenso wie die U-Bahnhöfe mit Video-Überwachungseinrichtungen ausgestattet werden.»
Herrmann sagte, nach der flächendeckenden Einführung der Videoüberwachung auf Münchener U-Bahnhöfen sei dort die Zahl der Straftaten deutlich zurückgegangen. Von der Bundespolizei als Nachfolgerin der Bahnpolizei forderte der Innenminister eine konsequente Beteiligung an der Überwachung.
Der CSU-Politiker plädierte zudem dafür, im Regelfall bereits für 18-Jährige das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. «Für so brutale Straftaten wie diesen Mord muss es auch eine höhere Höchststrafe für Jugendliche geben, nämlich fünfzehn statt zehn Jahre», sagte Herrmann dem Sender. Bei dem 18-jährigen Gewalttäter muss noch entschieden werden, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird.
Das Bundesjustizminsterium wies die Forderung nach Verschärfung des Jugendstrafrechts jedoch zurück. Schon jetzt könne der Richter bei Heranwachsenden höhere Strafen verhängen, sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Die schon öfter erhobene Forderung nach genereller Anwendung des Erwachsenenstrafrechts sei im Übrigen von den Justizministern der Länder mehrheitlich als nicht sachgerecht verworfen worden.
Auch der SPD-Politiker Thomas Oppermann will Bahnhöfe besser überwacht sehen. Er forderte zudem schnellere Strafverfahren. Hermanns Ruf nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts stempelte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD im Bundestag als einen Ausdruck von Hilflosigkeit ab.
«Wir wollen hart gegen die Straftäter und hart gegen die Ursachen vorgehen», sagte Oppermann. Einen jugendlichen Intensivtäter schrecke es aber nicht ab, wenn er statt 10 Jahren 15 Jahre Haft zu erwarten habe. «Nur Polizeipräsenz und die Gewissheit, dass Strafverfahren und Strafe der Tat auf dem Fuße folgen, kann Gewalttäter abschrecken», erklärte der SPD-Politiker. Straffällig gewordene Jugendliche müssten durch enge Zusammenarbeit zwischen den Jugendgerichten und der Jugendhilfe im Blick behalten werden.
Zugleich forderte Oppermann «eine Kultur des Hinschauens und mehr Zivilcourage bei allen Bürgern». «Es ist beschämend, dass in einer mit vielen Fahrgästen besetzten S-Bahn nur ein Fahrgast den Mut und die Zivilcourage aufbrachte, bedrängten Kindern zu helfen», sagte er.
Nun hat die Staatsanwaltschaft auch für einen dritten Jugendlichen Haftbefehl beantragt. Der 17-Jährige habe von vier Kindern Geld verlangt und zweien von ihnen mit Fäusten ins Gesicht und auf den Rücken geschlagen, sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger. Ihm wird deshalb räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. An der Tötung des 50-Jährigen, der sich in der S-Bahn und auf dem S-Bahnsteig in Solln schützend zwischen die beiden anderen Schläger und die vier Kinder gestellt hatte, war der dritte Jugendliche nicht beteiligt.
iwi/ham/news.de/ap/ddp
Einfach abartig das sowas in Deutschland passiert. Mildere Strafe wegen des Alters?! Das ist der Größte SCHEISS den ich jeh gehört hab. Im umfang des Mordes gleiches Strafmaß für jeden: Lebenslänglig, am besten danach schöne Sicherheitsverwahrung und sowas gar nicht erst wieder auf die Gesellschaft los lassen. Wer tötet verdient keine gnade vor gericht egal wie alt er oder sie ist. Ich seh den Toten als Helden, der einzigste der sich was traute, die anderen sollten sich verdammtnochmal was schämen den armen Mann sterben zu lassen, schande über sie.
jetzt antwortenKommentar melden........wie wäre es denn mit "Strafgefangenen-Lager" speziell für Jugendliche ???? In USA gibt es sowas!!! I have a Dream !!!!!
jetzt antwortenKommentar meldenwer sich den sicherheitsdienst in der münchner S-B od. U-Bahn anschaut na ja die haben ja selber angst, stehen nachts im letzten wagen beisammen und ratschen, durchgehen fehlanzeige! wen wunderts das die beschädigungen und belästigungen überhandnehmen. faßt man mal einen der schläger die milde der justiz ist im gewiss
jetzt antwortenKommentar meldenWird Zeit das Gysi und Lafontaine an die Macht kommen . In der Stasi Zeit wäre das nicht passiert. Da kamen solche gleich nach Sibirien .
jetzt antwortenKommentar meldenIch mache schon einpssr Jahre land Judo-Karate und die Töchter meiner Schwester 6-12 Jahre alt, haben sich schon ein paar Pokale in Judo gaholt. Kann ich jedem entfehlen. Kampfsportarten werden auch für Ältere Menschen angeboten. Was in Deutschland abgeht ist schon peinlich. Bei der Polizei wird gespart. Da ruft man lieber die Menschen zu "Zivielcourage" auf. Was dabei raus kommt, ist dieser Mord und andere.
jetzt antwortenKommentar meldenDas haben wir im Heim so gelernt. Bei Kannenberg und anderen Pädagogen. Menschen sind nicht Wert und alle die das Maul aufmachen werden niedergetreten. Der Staat (Anwalt und Gerichte) macht es mit Unterlassungserklärungen doch vor. Wer das Maul aufmacht wird Mundtot gemacht. So ist diese Gesellschaft
jetzt antwortenKommentar meldenJa, ja und die Täter kommen wieder mit ein paar Sozialstunden davon.
jetzt antwortenKommentar meldenPolizei? Die gehen Gewalttätern gern aus dem Weg, was man bei deren Bezahlung und Ausrüstung auch gut verstehen kann. Sie stehen lieber an gut ausgebauten Autobahnen und Bundesstraßen mit Tempo 100 oder 70 Schildern und blitzen, oder schreiben uns böse Park- und Haltesünder auf. Gern wird auch ein "Scheinchen kassiert, wenn man mal den Führer- oder Fahrzeugschein vergessen hat. Der Bahnbetreiber sollte auch für die Sicherheit seiner Fahrgäste haften. Und das viele Menschen bei Verbrechen und Gewalttaten einfach wegschauen kennen wir ja auch schon. Hoffentlich sind diese Wegschauer nicht auch mal auf Hilfe Dritter angewiesen. Jetzt herscht kurze Aufregung und in ein paar Wochen ist alles Vergessen.
jetzt antwortenKommentar meldenAlle Schuldigen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Täter, Gaffer (Nichthelfer), Polizei, Bahn usw.
jetzt antwortenKommentar meldenDie Polizei schreibt halt lieber Parksünder auf, die sind ungefährlich und bringen Geld in die Kasse. Außerdem haben viele Polizisten eine Figur, mit der man kaum 10 Meter am Stück laufen kann. Viele sind eigentlich durch Übergewicht dienstunfähig.
jetzt antwortenKommentar meldenFür diese Verbrecher - die volle Härte des Gesetzes! Keine Ausreden, wie schlimme Kindheit, keine Perspektiven oder ähnlichen Mist. Was ist mit den Gaffern, die nicht einschreiten? Unterlassene Hilfeleistung? Warum war die Polizei nicht da?
jetzt antwortenKommentar meldenWo war eigentlich die Polizei? Der Getötete hatte doch aus dem Zug die Polizei verständigt. Man sagte ihm er solle bis zur Haltestelle Solln fahren, dort würde die Polizei hinkommen. Als er mit den Kindern, die er schützen wollte dort ausstieg, war keine Polizei da! Das war die Gelegenheit für die Mörder. Erst als es zu spät war trudelte die Polizei ein... Wie kann das passieren? Hat die Polizei die Sache nicht ernst genommen?
jetzt antwortenKommentar meldenBin ja eigentlich eher ein ruhiger Zeitgenosse. Und, ja, die Täter werden sicherlich bzw. hoffentlich nach angemessener Haftstrafe rehabilitiert sein und den Mord ihr Leben lang bitter bereuen und sollten die Chance bekommen etwas aus ihrem Leben zu machen. Aaaaaaaber. Wenn man sowas liesst denkt man als erstes: solche Leute gehören ohne wenn und aber sofort erschossen. Pardon. Wo sind wir gelandet wenn Zivilcourage mit dem Leben bezahlt werden muß? Fürchterlich.
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