Von Tatjana Bojic
Nach einem GAU wie dem Amoklauf in Winnenden erwartet die Gesellschaft Konsequenzen. «Wie können wir solche Bluttaten verhindern?», diese Frage untersucht der Expertenkreis Amok. Bislang sind Schulen nicht ausreichend geschützt.
Vor genau sechs Monaten spazierte Tim K. in seine ehemalige Schule in Winnenden und erschoss acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen. Auf seiner Flucht tötete er drei Menschen und sich selbst. Solchen Wahnsinnstaten vorbeugen - geht das überhaupt?
Mit Amokalarmsignalen, Sprechanlagen und besseren Türsicherungen könnten sich Schulen nach Ansicht von Experten gegen Amokläufer schützen. Doch viele Schulen sind nach Ansicht des Waiblinger Oberbürgermeisters Andreas Hesky noch nicht ausreichend gesichert. «Es muss etwas passieren, auch wenn es viel Geld kostet», sagte Hesky, der für den Städtetag im baden-württembergischen Expertenkreis Amok mitarbeitet.
Alarmsignale und Sprechanlagen habe es früher an einigen Schulen gegeben, sagte Hesky. «Sie wurden aber abgebaut, aus Kostengründen. Die Übermittlung lief über ein Radiosignal, und deswegen mussten Rundfunkgebühren bezahlt werden.» Als Maßnahmen zur Verhinderung von Amokläufen nannte Hesky auch Türspione und Türknäufe: «Wer später kommt, muss klopfen.»
Der Einbau schusssicherer Türen sei möglicherweise nicht für jede Schule der richtige Weg, da dies dem Klima einer Schule schaden könnte. «Die Schulen müssen über solche Maßnahmen aber in eine Diskussion treten, ohne dass die Schule als Festung ausgebaut wird, sondern weiter als Lebens- und Wohlfühlraum wahrgenommen wird», sagte Hesky.
Sechs Monate nach dem Amoklauf von Winnenden gab sich der Oberbürgermeister sicher, dass die Expertenkommission mehr als nur Absichtserklärungen erreichen wird. Die Gesellschaft komme nicht umhin zu erkennen, «dass wir professionelle Hilfe brauchen und suchen müssen. Konkret heißt das, dass die Schulsozialarbeit intensiviert, mehr Fortbildungen gemacht und mehr Schulpsychologen in Anspruch genommen werden müssen.» Der Expertenkreis Amok will seine Empfehlungen in wenigen Wochen fertigstellen.