Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Je weniger Ziffern im Hochzeitsdatum vorkommen, desto hipper. Doch eigentlich sind Schnapszahl-Heirater nur ordinäre Sparfüchse: Sie wollen möglichst wenige Gäste bewirten und sich möglichst wenig merken müssen. Die Rache kommt im November.
Hochzeiten an Schnapszahlen sind praktisch. Man kann davon ausgehen, dass höchstens die Hälfte der Gäste kommt: Der Rest wird eine andere Eheschließung vorziehen, denn die Auswahl ist an solchen Tagen groß. Weniger Gäste, weniger Essen, weniger Geld ausgegeben. Schnapszahlen sind was für Sparer. In jeder Hinsicht.
Denn statt einer komplexen Zahlenkombination aus sechs bis acht Ziffern muss der Schnapszahl-Heirater sich nur noch eine merken, um den Hochzeitstag nicht zu vergessen. Und kann die eingesparten Hirnkapazitäten für andere Nummernspiele nutzen. Telefonnummern von interessanten Ausweichpartnern zum Beispiel. Denn die Statistik belegt schließlich: Schnapszahl-Ehen halten auch nicht länger.
Der Begriff Schnapszahl kommt aus der Kneipenkultur. Nicht hunderprozentig geklärt ist jedoch, ob sie lediglich das Doppelt- oder Dreifachsehen des Zechenden wiederspiegelt oder, ob sie auf die reiche Welt der Stammtischspielchen zurückzuführen ist. Das Würfeln zum Beispiel: beim Pasch wird einer gehoben. Oder die Karten: gibt’s im Punktestand eine Schnapszahl, wird einer gezischt. Sparsam wird hier vor allem mit den Hirnaktivitäten umgegangen.
Unbestritten ist, die Schnapszahl kommt vom Stammtisch, und da gehört sie auch hin. Wie peinlich ist das denn, unbedingt diesen lebenswichtigen Tag mit lauter anderen phantasielosen Mitläufern rund um den Globus teilen zu wollen? Wenn man (oder vielleicht auch mal frau) tatsächlich so große Probleme mit dem Abspeichern von Daten hat, dann gibt es heutzutage wirklich genug Möglichkeiten außerhalb des menschlichen Hirns, sich erinnern zu lassen.
Im äußersten Notfall hilft eine kleine Bewegung mit zwei Fingern: Ehering abnehmen, reinschauen: Dort ist das Datum eingraviert. Wenn die Hand in vielen Ehejahren zu stark angeschwollen ist, wirkt Spüli beim Abstreifen Wunder.
Doch der Schnapszahlen-Wahn wird vermutlich ganz von allein versiegen, so wie es auch der Schnaps an sich hat. 9. September, da ist zumindest kalendarisch noch Sommer. Aber 10.10., 11.11. oder gar 12.12. - was für unheimliche Hochzeitstermine. Die Frisur sieht aus wie ein gepeitschter Bonsai, die weißen Schuhe bekommen Feuchtigkeitsränder, die Haut der Braut ist weißer als ihr Kleid und die paar Gäste, die trotzdem gekommen sind, ärgern sich darüber. Über die Katerhochzeit, die am 1.1. droht, sprechen wir lieber gar nicht.
Also, wenn schon Zahlenspielchen, dann wenigstens mit Phantasie: Die Quersumme des eigenen Geburtstags plus die des Partners. Oder die Wurzel aus dem Kennenlerndatum multipliziert mit dem Alter der Schwiegermutter. Denn die kommt bestimmt.
nak/news.de