Die Kultur-Hopper
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Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Artikel vom 09.09.2009
Zuerst war Rock´n´Roll, dann kamen Punk, Pop und die Hippies. Und heute? Jugendkulturen spenden keine dauerhafte Identität mehr - aber sie leben, mischen sich, erfinden sich neu. In Berlin beschäftigt sich ein Kongress mit Mode und Jugend.
HipHop. Die dominierende Jugendkultur in Deutschland ist derzeit HipHop. Wer hätte das gedacht. Sind doch Rap und der dazugehörige Tanz der originäre Ausdruck der Afroamerikaner: ihr Straßenkampf, ins Wort übertragen. «Sprechgesang ist nicht jedermanns Sache» singsangte irgendwann einmal Smudo. Sprach es und machte mit seinen Bandkollegen von den Fantastischen Vier den Anfang, ihn zu jedermanns Sache zu befördern, auch in Deutschland.
Das ist 17 Jahre her, und es ist einiges passiert. Nicht nur im HipHop, sondern auch bei Jugendkulturen im Allgemeinen. Denn es geht nicht mehr um die eine, die reine, die Identifikation fürs Leben. «Das typische Zeichen der Jugendkulturen ist heute die Vielfalt. Mischungen, Crossover», sagt Klaus Farin, Leiter des Archivs der Jugendkulturen in Berlin. Er nimmt Teil an dem Kongress fashion@society: Die Bundeszentrale für politische Bildung interessiert sich für den Zusammenhang zwischen Mode und Jugendkulturen und hat zum Symposium nach Berlin geladen.
Mode als Symbol der Identität, das gilt in Deutschland seit den 1950er Jahren. «Damals ging es den Halbstarken im Wesentlichen darum, eine Jeans zu haben. Der Teenager als Objekt der Industrie und Jugendmode überhaupt gibt es in Deutschland erst seitdem», sagt Farin. Inspiriert aus den USA, das zumindest ist eine Kontinuität, die bis heute anhält. Denn originär deutsche Jugendbewegungen gibt es nicht. Was schon daran liegt, dass die Medien viel schneller die neuen Trends aus USA oder UK herübergebracht haben, als dass sich hierzulande ein Stil bilden könnte.
Amerika hat die Vorreiterrolle. Ein riesiges Land, viele Menschen, unzählige Szenen – schon als in Deutschland in den 1930er Jahren «die Lichter ausgingen», wie Klaus Farin es ausdrückt, ging der Blues dort seine ersten Schritte in Richtung Rock und Pop. Und prägte Klamotten und Stil der Jugendlichen. Und England verdankt seiner Sprache ebenfalls einen Standortvorteil gegenüber Ländern mit eingeschränkter sprachlicher Ausbreitung. «Deutschland hatte ohnehin Nachteile durch Faschismus und DDR», erläutert Farin. Nicht umsonst zeichnete sich der urdeutsche Biedermann vor allem durch brave Charakterlosigkeit aus.
Aber spätestens seit den 1970ern ist man dabei. Wer sich damals für eine Jugendkultur entschied, sei es Rock, Punk oder Hippie, legte sich fest fürs Leben. Oder zumindest für die Jugend. «Heute kann man sich ändern. Die 13- bis 18-Jährigen wechseln vier bis sechsmal die Szene. Sie reden zwar vom way of life, aber der Lebensweg dauert eher eine Saison», spitzt Klaus Farin den aktuellen Trend zu.
Er und seine Kollegen beim Archiv der Jugendkulturen finden deshalb aber nicht, dass die Bewegungen ausgedient haben. Im Gegenteil: «Es ist spannender», sagt Farin. «Wir haben lernen müssen, dass es den starren Begriff von Identität, die ein ganzes Leben umfasst, nicht mehr gibt. Er kann zusammengesetzt sein und sich verändern, das ist ja auch bei Erwachsenen so, durch neue Jobs und Umzüge bedingt. Man ist nicht mehr einmal vom Dorf, immer vom Dorf. Jeder, der vom Dorf in die Großstadt kommt, kennt das Gefühl, plötzlich nicht mehr auf eine Rolle festgelegt zu sein.»
Die neue Unstetigkeit ist schlicht ein Zeichen größerer Freiheit. Die macht sich schon beim Beschaffen der nötigen Style-Accessoires bemerkbar: «Punks erzählen, wie schwierig es früher war, Doc Martens zu bekommen. Heute kann man alles kaufen, sämtliche Moden übers Netz organisieren», erklärt Klaus Farin. Jugendkulturen sind weniger Kampf und mehr Spaß geworden. Weniger Rebellion, mehr eigener persönlicher Ausdruck.
Die Modemacher ziehen mit, da ist man sich bei fashion@society einig. Der Einfluss der Straße dominiert, die Designer sitzen nicht mehr in Wolkenkuckucksheim und denken sich abgefahrene Kreationen aus. Und die Modewelt liest nicht mehr unbedingt die Vogue, sondern funktionert übers Netz, in Modeblogs wie Stil in Berlin, Lesmads oder Fashionize-me.
Letztendlich geht es bei Jugendkultur darum, sich wohlzufühlen. Mit der Musik, mit den Klamotten, mit den Leuten. Es geht darum, sich ein Selbstbewusstsein aufzubauen. Schon Smudo rappte einst: «Sprachliches Selbstbewusstsein, das ist das Prinzip, mach dich frei von Vorurteilen, und genieße diese: HipHop Musik!»
iwe/news.de
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Hallo! Vielen Dank für die Reihenfolge der US music-scene. Hippies 60er, Twist Chubby Checker usw. Rock50+60Jahre läuft heute noch. Ein Hinweis von dem kapitalistischen Klassenfeind. Es gab aber auch eine deutsche Hitparade und eine selbstge- strickte BRAVO-Hitparade. Diese Songs waren aber in den amerikanischen Medien relativ unbekannt!
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