Die Berliner S-Bahn galt einst als wegweisendes Verkehrsmittel. Davon ist nicht viel geblieben: Schon wieder fallen in der Hauptstadt die meisten Züge aus. Grund sind kaputte Bremszylinder - offenbar waren sie nicht richtig gewartet worden.
Zehntausende Pendler in Berlin und aus dem brandenburgischen Umland müssen sich heute auf massive Behinderungen einstellen. Die Berliner S-Bahn kann wegen neuer Sicherheitsprobleme mit Zugbremsen nur noch ein Viertel ihrer Flotte für ein Rumpfangebot einsetzen.
Nach Bahnangaben bilden die beiden Ringbahnlinien und die drei Nord-Süd-Linien das Basisangebot der S-Bahn. Dort verkehrten die Züge am Morgen jedoch noch unregelmäßig und mit großen zeitlichen Abständen. Auf der Ost-West-Stadtbahn fahren keine Züge zwischen Alexanderplatz und Westkreuz sowie bis Wannsee und nach Spandau. Nach Potsdam stehen als Ersatz vier Regionalzüge pro Stunde und Richtung zur Verfügung. In Richtung Spandau verkehren ebenfalls Regionalbahnen.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen bestimmte Routen ihrer U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen verstärken, um die Folgen zu mildern. Senat und Grüne kritisierten die Zustände bei der S-Bahn scharf.
Grund der neuen Schwierigkeiten ist, dass bei Bremsversuchen vier kaputte Bremszylinder entdeckt wurden. Zur Sicherheit sollen nun alle Zylinder mit einer bestimmten Laufleistung ausgetauscht werden. Der Schaden sei kein Problem der Konstruktion, sondern der Wartung, sagte Bahn-Personenverkehrschef Ulrich Homburg. Bei der turnusmäßigen Aufarbeitung der Zylinder sei eine Schraube nicht wie vorgeschrieben erneuert worden.
Schon seit Wochen hat die Hauptstadt-S-Bahn nur ein eingeschränktes Angebot. Grund sind zusätzliche Rad-Überprüfungen. Wegen der Wartungs- und Betriebsprobleme bei der S-Bahn war am 2. Juli das vierköpfige Führungsteam um S-Bahn-Chef Tobias Heinemann durch eine neue Mannschaft ersetzt worden. Nach chaotischen Wochen im Sommer hatte die S-Bahn zuletzt wieder 60 Prozent der für einen Normalbetrieb nötigen Züge einsatzbereit.
che/news.de/dpa/ddp