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Wie wäre es mal mit Rollgardina? (Bild 1/10)
Pippi Langstrumpf (Foto)
Foto: dpa
02.09.2009

Astrid Lindgrens kleine Helden haben die Namensexperten lange Zeit auf Trab gehalten. «Pippi» als Vorname ist möglich, auch «Pfefferminza» als Ableitung des Pflanzennamens findet die Gesellschaft für Deutsche Sprache akzeptabel. «Nur nach ‹Rollgadina› hat uns bislang noch keiner gefragt», sagt sprachwissenschaftler Gerhard Müller.

Vornamen

«Djehad steht in jedem arabischen Vornamenbuch»

Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier

Wer nicht sicher ist, ob er sein Kind nach Star-Wars-Helden benennen darf, kann bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache ein Namensgutachten in Auftrag geben. Gerhard Müller erklärt news.de, was es mit dem arabischen Namen «Djehad» auf sich hat.

Was sagen Sie zu dem Namen «Djehad»?

Müller: Der Name erscheint in unserem Verzeichnis: Er wurde also von verschiedenen Standesämtern akzeptiert, 2003 in Frankfurt, zweimal in Freiburg und auch in Saarbrücken. Er steht in jedem arabischen Vornamenbuch, ein uralter Name, den man im Christentum mit Moses oder Abraham vergleichen könnte.

Dennoch ist das Wort «Dschihad» bei uns vor allem mit der Bedeutung «Heiliger Krieg» konnotiert.

Müller: Der Name ist nur vor der aktuellen politischen Diskussion problematisch. Aber die Grundbedeutung ist Anstrengung, Einsatz, auch Kampf. Religionen waren oft kriegerisch, die Christen auch. «Djehad», das man auch «Jihad» oder «Dschihad» schreiben kann, wird nach dem 11. September auf terroristische islamische Anspielungen fokussiert. Wir als Namensberater sagen jedoch nur, ja, es ist ein arabischer Name, er ist mehrfach standesamtlich bekundet und damit grundsätzlich möglich. Das andere ist die rechtliche Ebene.

Das Berliner Standesamt hatte den Namen zunächst abgelehnt, weil das Kindeswohl gefährdet sei.

Müller: Die Entscheidung treffen letztlich Standesämter oder gegebenenfalls Richter nach drei Kriterien: Es muss sich um einen regulären Vornamen handeln, das Geschlecht muss eindeutig erkennbar sein, und das Kindeswohl darf nicht gefährdet werden. Aber wer will das beurteilen? Hier wird auch von Gerichten nicht einheitlich entschieden. Ich denke, nur eine Minderheit der Muslime denkt bei Djehad an al-Qaida.

Theoretisch kann man seinen Namen aber doch irgendwann auch ändern.

Müller: Das Recht steht allen zu, aber es muss gut begründet sein und kostet zwischen 50 und 500 Euro. Zum Beispiel bei Verspottung oder auch religiösen Gründen. Manchmal ist ein psychiatrisches Gutachten nötig.

Welche Aspekte entscheiden für Sie als Namensgutachter, ob ein Name geht oder nicht?

Müller: Wir haben natürlich die Dienstanweisung an die Standesbeamten auch im Kopf. Zunächst schauen wir, ob der Name schon bei irgendeinem Standesamt anerkannt wurde. In der Namenskunde geht es darum, ob der Name eine Tradition hat und als Vorname lebt, ob er aufzufinden ist. Wir haben eine Spezialbibliothek mit 300 ausländischen Vornamensbüchern und prüfen die Namen akribisch. Für viele Eltern hängt ihr Glück davon ab.

Wie ist es mit Namen, die es noch nicht gibt?

Müller: Da schauen wir, ob sie sich in den Vornamenvorrat eingliedern. Kürzlich hatten wir «Enalia». Das haben wir nicht gefunden, aber es gibt «Ena», und die Endung -alia ist eine formal berechtigte Erweiterung. Auch literarische Namen, die sich etabliert haben, gehen, wie Legolas oder Arwen von Tolkien. Selbst Raumschiff-Enterprise-Namen sind inzwischen möglich oder Monate wie Juli oder November. Letztlich gilt: wenn es irgendwo einen Willensakt vom Standesamt gab und sie eingetragen sind. Im letzten Jahr gab es ungefähr 10.000 verschiedene Vornamen.

Bei Monaten ist aber das Geschlecht doch gar nicht mehr erkennbar?

Müller: Das stimmt, das ist auch bei den Kurznamen auf «i» so, die sehr beliebt sind, wie Kimmi, Matti, Uli oder Toni. Dann wird verlangt, dass dem Kind «ein weiterer, das Geschlecht eindeutig bezeichnender Name» gegeben wird. Aber manche Gerichte weichen inzwischen davon ab. Das kompliziert die Rechtslage. Manche Eltern wollen auch bewusst geschlechtsübergreifende Namen, damit ihre Kinder nicht auf die männliche oder weibliche Rolle festgelegt sind.

Existiert in Deutschland eigentlich ein Verzeichnis möglicher Vornamen?

Müller: Nein, es gibt weder eine Statistik noch eine Datenbank mit den Gerichtsurteilen. Wir betreiben ein eigenes Archiv, aber es fehlt ein Gesamtüberblick. Tatsächlich ist es eine eigentümliche Konstruktion hier in Deutschland, dass der Staat Namen erlaubt oder ablehnt, ohne dass es ein Gesetz gibt. Letztlich entscheiden Standesbeamte aus Glauchau oder Heide, und die Rechtssprechung bezieht sich oft nur auf das Grundgesetz, die freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Wie ist es denn in anderen Ländern?

Müller: In den USA ist es ganz frei. Der Name darf alles sein, nur nicht aus Ziffern bestehen. Man darf Namen auch abwandeln, ganze Bücher widmen sich dem, wie man Namen ummünzt, coining heißt das. In Marokko dagegen gibt es eine vom Staat vorgeschriebene Namensliste. In anderen Ländern wissen sie gar nicht, was ich meine, wenn ich nach Namensregeln frage, zum Beispiel in Kuba. Deutschland ist eher auf der strengen Seite der Skala.

Welche Namen lehnen Sie in Ihren Gutachten ab?

Müller: «Fröken», auf Schwedisch Fräulein, haben wir zum Beispiel nicht bestätigt. Oder Städtenamen wie «Dortmund» oder «Dresden». Auch typische Familiennamen wie «Svensson» oder «Nilsson», die in den USA möglich sind, gehen nicht. «Gift» haben wir nicht bestätigt, oder «Filou». «Et Omnis Sancti», zu Deutsch: «Und allen Heiligen», haben wir eigentlich auch abgelehnt. Es hat inzwischen aber einige Standesämter gegeben, die ihn als zweiten oder dritten Namen zugelassen haben. Oder der Name «Osama». Das ist ein alter Name und bedeutet Löwe. «Osama bin Laden» hat ein Kölner Gericht jedoch vor Jahren abgelehnt. Auch abseits der Politik wäre der Name unmöglich, weil er einen Familiennamen enthält.


Der Sprachwissenschaftler Gerhard Müller erstellt bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache Vornamensgutachten für Privatleute oder Standesämter.

mat/news.de
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Vornamen: «Djehad steht in jedem arabischen Vornamenbuch» » Gesellschaft » Nachrichten
URL : http://www.news.de/gesellschaft/855023282/undlaquo-djehad-steht-in-jedem-arabischen-vornamenbuchundraquo/1/
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Leserkommentare (1)
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  • Kommentar: 1
  • 02.03.2010 05:12
von
tommy

Ser Name Djihad sollte in Deutschland verboten werden. Moslems hingegen kötten ihre Kinder Kinder auf die Namen Maria und Josef taufen lassn, Stht hier auch in Vornaman Büchern

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