Von Martina Bisculm
Traumatische Erlebnisse verändern die Gehirnaktivität. Betroffene weisen andere Muster auf als Menschen ohne solche Schockerlebnisse. Das haben chinesische Forscher bei Probanden herausgefunden, die das Erdbeben in Wenchuan im Mai 2008 miterlebt hatten.
Die Wissenschaftler unterzogen die Versuchspersonen einer sogenannten Magnetresonanztomographie und entdeckten, dass besonders das Zusammenspiel zwischen den Gehirnregionen eingeschränkt ist, was die Funktion des Gehirns beeinträchtigt. Die Ergebnisse der Forscher könnten dazu beitragen, Symptome in Folge von extremem, einmaligem Stress früher zu erkennen und gezielter zu behandeln.
Die Forscher untersuchten die Gehirnaktivität von 44 gesunden Überlebenden des Erdbebens, bei dem fast 70.000 Personen den Tod fanden. Dabei fielen den Wissenschaftlern veränderte Aktivitätsmuster auf, selbst wenn die traumatisierten Menschen nicht bewusst an das Erdbeben dachten. Forscher hatten bereits herausgefunden: Werden negative wie positive Erlebnisse wiederholt durchlebt, sind jedesmal dieselben Hirnbereiche aktiv wie beim eigentlichen Ereignis. Ein massives Trauma kann jedoch laut den Wissenschaftlern offenbar auch den Grundzustand des Gehirns verändern.
Bei vergleichbaren bisherigen Studien hatten Psychologen und Hirnforscher die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse untersucht, die häufig bereits Jahre oder Jahrzehnte zurücklagen. Sie gingen immer von einer langsamen und kontinuierlichen Entwicklung von stressbedingten Veränderungen im Gehirn aus. Im Gegensatz dazu lagen bei Studie an den Erdbebenopfern nur 25 Tage zwischen Erlebnis und Untersuchung. Die Ergebnisse zeigten aber, dass das Gehirn bereits unmittelbar nach einem Schockerlebnis mit Veränderungen reagiert und nicht wie bisher angenommen erst im Laufe der folgenden Jahre.
Bei den Überlebenden des Erdbebens war ein Bereich im vorderen Teil des Gehirns, der sogenannte präfrontale Cortex hyperaktiv. Diesem Areal wird die Verarbeitung von Emotionen zugeschrieben. Es ist verantwortlich für die Bewertung von Situationen, Eindrücken und angemessenen Reaktionen darauf. Zudem war das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Hirnarealen beeinträchtigt. Ein entscheidender Teil der Gehirnaktivität betrifft nicht nur einzelne Reaktionen des Gehirns, sondern auch die Verbindungen zwischen diesen. Die Ergebnisse könnten helfen, durch posttraumatischen Stress gefährdete Menschen frühzeitig zu identifizieren.
kat/ham/news.de/ddp/Wissenschaft.de