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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 31.08.2009
Zeugnisnoten, Bewerbungsschreiben, Wissenstest - oft genug entscheiden unpersönliche Instrumente darüber, ob ein Bewerber eine Lehrstelle bekommt. Doch schlechte Noten sagen nichts über die Jobtauglichkeit. Ein Modellprojekt rückt die Persönlichkeit in den Mittelpunkt.
Mit einem Modellprojekt will die Bundesagentur für Arbeit (BA) benachteiligten Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben erleichtern. Unter dem Motto «Meine Chance - ich starte durch» beginnen 60 junge Menschen ab September bei der Deutschen Telekom ein einjähriges Praktikum.
In dem langfristig angelegten Projekt durchlaufen junge Leute alles, was zu einer Berufsausbildung gehört. Mit intensiver Betreuung und Förderung biete sich eine erfolgreiche Perspektive für den Berufseinstieg, wo die Chancen bislang schlecht standen.
Zu den Berufsfeldern, in denen die 60 Teilnehmer bei der Telekom arbeiten werden, gehören IT-Systemelektroniker, Kaufleute für Bürokommunikation und Einzelhandelskaufleute. Die Praktikanten arbeiten dabei nicht nur im Unternehmen, sondern besuchen auch eine Berufsschule.
Die Bundesagentur zahlt den Praktikanten, die im Modellprojekt arbeiten, eine Vergütung in Höhe von 212 Euro. Dieses Geld können die Ausbildungsbetriebe aufstocken. Bei Hartz-IV-Empfänger ist das jedoch problematisch, da die staatlichen Leistungen entsprechend reduziert werden.
Die Arbeitsagentur übernimmt zudem für die Dauer des Praktikums einen Betrag für die Sozialversicherung für die Dauer des Praktikums. «Für die Arbeitgeber ist das Projekt damit fast kostenneutral», sagte Ilona Mirtschin, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit gegenüber news.de.
Bei den Kandidaten handelt es sich um junge Leute, die im Vorjahr keine Lehrstelle gefunden haben und die selbst oder deren Eltern Hartz-IV-Empfänger sind. «Vielfach sind es auch junge Leute, die sich mehrfach beworben haben und immer wieder Absagen bekamen», so Mirtschin. Die Vorschläge, wer in eine solche Qualifizierung aufgenommen werden könnte, kommen von den zuständigen Berufsberatern.
Gute Erfolgsquote
Ganz neu ist die Idee des Modellprojektes nicht. «Bislang waren diese Einstiegsqualifizierungen beim Ausbildungspakt angesiedelt», so Mirtschin. Damit erhielten Schüler die Chance, sich persönlich bei den Arbeitgebern zu präsentieren, die sich nicht sicher waren, ob die Kandidaten schon für eine Ausbildung geeignet seien, weil ihre Noten eher schlecht ausgefallen waren.
Beim Modellprojekt mit der Telekom bestehe die Chance, nach dem einjährigen Praktikum eine Lehrstelle bei dem Bonner Unternehmen zu bekommen. Besonders gute Absolventen könnten direkt ins zweite Lehrjahr übernommen werden.
«Die Erfolgsquote bei den Einstiegsqualifizierungen war zuletzt recht gut. Etwa 60 Prozent der 20.000 bis 30.000 jungen Menschen, die in jedem Ausbildungsjahr einen solchen Platz hatten, erhielten anschließend einen Ausbildungsplatz», erklärte Mirtschin gegenüber news.de.
Bei Jugendlichen mit einer schwierigen Bildungshistorie sei ein Langzeitpraktikum besonders erfolgversprechend, betonte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. «Bei jungen Menschen zeigt sich oft, dass gerade im praktischen Tun und Erleben der Knoten platzt.» Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger sagte: «Mit diesem Pilotprojekt entdecken und entwickeln wir junge Talente, die ansonsten durch das bislang übliche Bewerbungsraster fallen würden.» Die Telekom ist das erste DAX-30-Unternehmen, das die sogenannte Einstiegsqualifizierung anbietet.
In der Regel werden Schulabgänger ohne Lehrstelle in Übergangslösungen - etwa einem Berufsvorbereitungsjahr - untergebracht. Dort erlernen sie praktische Arbeiten. In den vergangenen Jahren wurde es jedoch deutlich schwieriger, aus solchen Initiativen heraus ein Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden, da nicht spezialisierte Facharbeiter von den Unternehmen immer weniger nachgefragt werden.
kat/news.de/dpa
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