Richtig Niesen statt Latein
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Von Timo Lindemann
Artikel vom 31.08.2009
In den Ärmel husten statt dem Banknachbarn ins Gesicht - das ist einer der Tipps, mit denen Lateinlehrer Karsten Behnke seine Schüler im neuen Schuljahr begrüßt. Noch bevor der Stundenplan ausgeteilt wird, gibt es Schweinegrippen-Lektionen.
«Iiiihhh, wie eklig ist das denn?» Die Reaktion der Schüler auf den Schweinegrippe-Hinweis von Klassenlehrer Karsten Behnke ist deutlich: Sie sollen statt in die Hand oder in die Luft in den Ärmel husten oder niesen. Wie in Flensburg steht heute in ganz Schleswig-Holstein in der ersten Stunde des ersten Schultags nach den Sommerferien die Schweinegrippe auf der Tagesordnung - noch vor dem neuen Stundenplan und der Bücherausgabe.
Behnke macht seine 17 Schüler der Klasse 8a des Alten Gymnasiums in Flensburg mit den Schutzmaßnahmen vertraut. «Erstmal keine Panik! Aber wir müssen uns in der Schule schützen, damit sich keiner ansteckt», sagt der 37 Jahre alte Lateinlehrer. Wichtig sei, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Körperkontakt zu meiden. «Bitte trinkt auch nicht aus demselben Strohhalm. Achtet darauf, dass ihr gesund bleibt und viel lernen könnt.» Wer sich aber schlapp fühle, Kopf- und Gliederschmerzen und vielleicht sogar Fieber habe, sollte unbedingt zu Hause bleiben und die Schule informieren.
Schulleiter Claus-Peter Schmidt-Röschmann weiß, dass die Maßnahmen nur schwer umzusetzen sind. 20 Sekunden lang sollten sich die Schüler nach den Vorgaben des Kieler Bildungsministeriums regelmäßig die Hände waschen. «Wir haben 900 Schüler und 26 Waschbecken. Die Pausen reichen nicht aus, wenn sich jeder die Hände waschen will.»
Es sei dennoch wichtig, auf die Hygiene hinzuweisen - unabhängig von der Schweinegrippe. «Mir scheint, da wird viel Story gemacht.» Allerdings müssten nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer darauf achten, sich nicht zu infizieren. «Wenn 20 Lehrer krank sind, haben wir ein Problem.» Das Bildungsministerium in Kiel rät zudem, bei zunehmenden Erkrankungsfällen Türgriffe, Handläufe und Computertastaturen zu desinfizieren.
«Ich habe von der Schweinegrippe gelesen, hätte aber nicht gedacht, dass es Thema in der Schule ist», meint der 13 Jahre alte Stefan. «Die Grippe ist genauso gefährlich wie eine normale Grippe», sagt Lehrer Behnke. Dennoch seien die Vorsichtsmaßnahmen nötig, betont er und erklärt den Schülern den Unterschied zwischen einer Grippe und einem grippalen Infekt. Nach anfänglichem Murmeln in der Klasse ist es mittlerweile still geworden. Auch der zwölfjährige Leander weiß von der hohen Ansteckungsgefahr. «Ich war in Spanien im Urlaub und habe mich dort von Menschen ferngehalten, die schlecht aussahen», betonte er. Nach zwölf Minuten und zwei Nachfragen ist das Thema Schweinegrippe in der 8a abgehakt. Nun kommt der Stundenplan an die Reihe.
iwi/mat/news.de/dpa
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