Von den news.de-Redakteurinnen I. Weißbach und I. Wiedemeier
«Jeder hat 'n Hund, aber keinen zum Reden», singt Peter Fox im Lied «Schwarz zu blau». Doch durch die Wirtschaftskrise werden immer mehr Tiere in Tierheime abgeben, weil sich ihre Besitzer die Haltung nicht mehr leisten können. Tierschützer sind alarmiert.
Im Sommer werden die Tierheime voller. Die Reisen der Besitzer seien dafür verantwortlich. Das sagt Anneliese Krauß vom Tierschutzverein Dresden aus Erfahrung. Jahrzehntelang hat sie Tierheime in Dresden und einen Gnadenhof im sächsischen Pirna geleitet. Die Vierbeiner würden nur stören, so Krauß.
Auch in diesem Sommer werden Bello und Muschi abgeschoben, aber Herrchen und Frauchen bleiben zuhause. Das Geld fehlt, sowohl für Urlaub als auch für Vierbeiner. Eine repräsentative Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes belegt: «69 Prozent der Tiere im Tierheim werden mittlerweile mit der Begründung ‹finanzielle Not› abgegeben», heißt es in einer Mitteilung.
Um weniger Tiere zu Opfern der Finanzkrise werden zu lassen, fordert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, einen «Gesellschaftspakt Tierschutz» mit mehr finanziellen Mitteln vom Staat für die Tierheime und «eine Berücksichtigung der Tiere bei der Bemessung von Sozialleistungen». Hartz IV für Hunde sozusagen. Denn der Tierschutz sei neben ideellem Engagement auch auf finanzielle Mittel angewiesen.
Fast alle der 519 deutschen Tierheime seien voll, die Futterkosten dementsprechend hoch. Doch in diesem Jahr gibt es nicht nur mehr Tiere, sondern auch weniger Geld für die Tierheime, weil Spenden ausbleiben. «Das wird durch die Wirtschaftskrise verstärkt», sagt Anneliese Krauß. Für ihr Tierheim in Dresden, in dem sie keine Hunde aufnimmt, da es mitten in der Stadt liegt und die Lärmbelästigung zu groß wäre, brauche sie 2500 Euro monatlich. «Im Februar hatten wir nur 339 Euro auf dem Konto», schildert Krauß die prekäre Lage des Tierheims. Davon bezahlt sie die Miete, Nebenkosten und Verpflegung der Kaninchen, Meerschweinchen und der 80 Katzen. Ihre Kollegen arbeiten ehrenamtlich.
Auch der Tierschutzverein Dresden weiß, dass in Privathaushalten weniger Geld fürs Tier da ist. «Es kommen Hartz-IV-Empfänger zu uns, die ihr Tier sehr lieben und sagen, wir können es nicht mehr finanzieren», sagt Anneliese Krauß. «Manchmal entscheiden wir uns für Nothilfe und sagen: Geben sie die Tiere nicht ab. Hier haben sie Futter.» Denn nicht nur der Mensch, sondern auch das Tier fühle sich wohler, wenn sie nicht getrennt werden. Die Sozialleistungen in Futterform könnten helfen. Denn momentan ist die Zeile des Liedermachers Reinhard Mey Es gibt Tage, da wünschte ich, ich wäre mein Hund, für viele nur ein Wunsch.
ruk/news.de