Fr., 25.05.12

Denkmalpfleger 06.09.2009 Eine Zukunft für Relikte der Vergangenheit

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Viel denkmalpflegerische Arbeit steckt in der Erhaltung des Spiegelsaales im Schloss Versailles. Bild: dpa

Von Horst Heinz Grimm

Über einen Mangel an Geschichte muss sich Deutschland nicht beklagen. Zahlreiche Schlösser, Burgen und andere Bauten erzählen von der Vergangenheit. Sie zu erhalten, ist ein Kampf gegen die Zeit - und eine Herausforderung für Denkmalpfleger.

Die Aufgabe erfordert Experten, damit die Relikte aus der Vergangenheit eine Zukunft haben. Hagen Gundlach aus München ist begeistert von mittelalterlichen Burgen und Barockschlössern. Das brachte ihn dazu, Kunstgeschichte zu studieren - inzwischen im sechsten Semester. Das Studium gilt als Voraussetzung, um als wissenschaftlicher Denkmalpfleger arbeiten zu können. «Ich hoffe, in einer der zuständigen Behörden einen Job zu bekommen», sagt er.

Für den Denkmalschutz in Deutschland sind die Bundesländer zuständig, und so gibt es entsprechend viele Denkmalschutzgesetze und Fachbehörden. Dazu kommen Abteilungen bei den Städten und Landkreisen. Auch private Einrichtungen und Stiftungen beschäftigen diese Experten - in Thüringen etwa die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, die für ihre Objekte gesetzlich die Funktion einer Denkmalschutzbehörde erfüllt. «500 bis 550 solcher wissenschaftlich ausgebildeten Fachleute gibt es derzeit bei den zuständigen Behörden in Deutschland», schätzt Katrin Bek von der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL) in Wiesbaden.

Der Hochschulabschluss, möglichst mit Promotion, bedeutet noch lange keine Festanstellung. «Es ist auf jeden Fall ein auf zwei Jahre angesetztes wissenschaftliches Volontariat zu absolvieren, ehe eine Entscheidung fällt», erklärt Bek. «Die Vergütung in dieser Zeit ist keineswegs üppig», erklärt Hagen Gundlach. «Sie beträgt die Hälfte des Einstiegsgehalts für Akademiker beim öffentlichen Dienst - etwa 1500 Euro im Monat.» Danach kommt es darauf an, ob es bei einer mit Denkmalschutz befassten Behörde eine freie Planstelle gibt. Die Vergütung richtet sich nach dem Tarifvertrag für den höheren Dienst und liegt zwischen etwa 2800 und 4500 Euro pro Monat plus etwaiger Zuschläge.

Für ein Volontariat bei einer Denkmalschutzbehörde gibt es verbindliche Ausbildungspläne. Kunsthistoriker erfahren auch Details über die Organisation und die Aufgaben der mit dieser Thematik befassten Stellen und werden in die gesetzlichen Bestimmungen des Denkmalschutzes eingewiesen, die für die Arbeit unverzichtbar sind. Denkmalpflege hat nach wie vor einen hohen Stellenwert, wie Sibylle Putzke vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege bestätigt: «Trotz der derzeitig schwierigen wirtschaftlichen Situation gibt es keine generellen Einschnitte bei der Vergabe der Landesfördermittel dafür.»

Die Arbeit eines Denkmalschützers ist vielseitig: «Wenn er als Gebietskonservator arbeitet, muss er jeweils vor Ort sein», sagt Bek. Wer für die Inventarisierung zuständig ist, geht nach vorheriger Besichtigung der Objekte und entsprechender Recherchen ins Büro und arbeitet am Schreibtisch und Computer. Dann sind zum Beispiel Gutachten zu erstellen und Empfehlungen auszuarbeiten. Arbeit für Denkmalschützer gibt es eigentlich genug. Die Zahl der geschätzten Denkmäler in Deutschland liegt bei fast einer Million, davon erfasst sind gut 700.000. Nach der Statistik sind Bayern und Sachsen Spitzenreiter.

Denkmalschützer haben auch viel mit anderen Menschen zu tun. Beispielsweise wenn es darum geht, wie ein denkmalgeschütztes Haus renoviert werden kann. «In den Verhandlungen mit den Investoren muss oft viel Geschick eingesetzt werden, um einen Erfolg im Sinn der Erhaltung zu erzielen», erklärt Bek. Immerhin fließen bundesweit jährlich rund sechs Milliarden Euro in die Denkmalpflege. Geleistet werden die Arbeiten überwiegend von Handwerksfirmen, die sich auf Denkmalpflege spezialisiert haben. Ein Kommilitone von Gundlach sieht darin seine Zukunft. Nach dem Abitur hat er eine Tischlerlehre abgeschlossen und dann ein Kunstgeschichts-Studium begonnen. «Er will noch seinen Meister machen und dann im Denkmalschutz dort arbeiten, wo es einen Bezug zu Holz gibt», erzählt Gundlach.

ham/kat/news.de/dpa
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