Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Im Film Beim Leben meiner Schwester wird ein Kind durch künstliche Befruchtung erzeugt, um der krebskranken Schwester als Spender zu dienen. Medizinisch ist das realistisch, in Deutschland aber verboten, hier hat das Fachgebiet Reproduktionsmedizin ohnehin einen schweren Stand.
Als die Buchvorlage zum Film von der amerikanischen Autorin Jodi Picoult 2004 erschien, ging die Geschichte noch als Science-Fiction-Roman durch: Eltern, deren Tochter an Krebs erkrankt, bekommen ein weiteres Kind, das genetisch perfekt auf sein Geschwisterteil abgestimmt ist. So kann es ihm Gewebe und Organe spenden. Inzwischen ist ein ähnlich gelagerter Fall aus Großbritannien bekannt. «Das geht schon», sagt Professor Stefan Schlatt, Biologe und Direktor des Zentrums für Reproduktionsmedizin in Münster. «Man stellt eine bestimmte Anzahl Embryonen her und sucht dann die heraus, die genetisch am ähnlichsten sind.» Was dann entstehe, sei keine Kopie, jedoch ein naher Verwandter.
Was medizinisch geht, ist in Deutschland rechtlich nicht möglich. Die Präimplantationsdiagnostik (PID), bei der künstlich erzeugte Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf Erbkrankheiten oder genetische Besonderheiten untersucht werden, ist hierzulande verboten, eine Selektion von Embryonen damit nicht möglich. Auch das therapeutische Klonen, bei dem aus körpereigenen Zellen theoretisch Gewebe und ganze Organe hergestellt werden können, um kranken Menschen transplantiert zu werden, ist in Deutschland nicht erlaubt. «Da sind wir aber auch in der Forschung noch nicht so weit», sagt Dr. Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ).
Hilland, der selbst als Gynäkologe und Reproduktionsmediziner arbeitet, findet es gut, dass ein Fall, wie er im Film Beim Leben meiner Schwester dargestellt ist, in Deutschland unmöglich wäre. «Es ist eine Verzweckung des Menschen, wenn man ihn nur deswegen entstehen lässt, damit er einem anderen als Gewebe- oder Organspender dient. Ich denke, dass wir um unser selbst willen existieren», so der Mediziner. Generell wünscht er sich jedoch schon, dass PID in eng umrissenen Grenzen möglich wird. Denn den Embryo erst hinterher per pränataler Diagnostik während der Schwangerschaft zu untersuchen, ließe der Frau bei einer schwerwiegenden Erkrankung des Kindes die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches. Das bedeute quasi eine Schwangerschaft auf Probe. «Und das halte ich zumindest für fragwürdig.»
Dass eine PID überhaupt in Erwägung gezogen werden müsste, sei in der täglichen Arbeit allerdings sehr selten. Ethische Grundsatzfragen setzen schon viel eher an, sagt Hilland. «Wie betrachte ich den Embryo? Ist das nur eine Ansammlung von Zellen oder hat er bereits menschliche Würde? Damit befasst man sich natürlich.»
Im Gespräch mit dem Patienten spiele das zwar keine Rolle, für das deutsche Gesetz ist es jedoch schon relevant. Auf ethische Fragen gibt es klare Antworten. Das Embryonenschutzgesetz betrachtet die «befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle vom Zeitpunkt der Kernverschmelzung» an als menschliches Wesen. Das heißt, ab dem Zeitpunkt der Befruchtung dürfen Embryonen außerhalb der Gebärmutter keinen Maßnahmen mehr unterzogen werden, die nicht ihrer Erhaltung dienen – zumindest solange nicht, solange die Zellen fähig sind, sich zu einem Menschen zu entwickeln.
Die Reproduktionsmedizin wird in Deutschland häufig nur dann öffentlich wahrgenommen, wenn es um dieses Embryonenschutzgesetz oder Strafrechtsverfahren geht – meistens verbunden mit einer diffusen Angst vor dem, was medizinisch am Wesen des Menschen veränderbar sein kann. «Ich würde auch sagen, dass die Reproduktionsmedizin vielfach ein Negativbild in der Wahrnehmung entwickelt», bestätigt auch Hilland. «Das Fachgebiet hat seine Probleme, aber wenn wir vom klassischen Fall ausgehen, dass ein Paar sich ein Kind wünscht, dann ist die Erfüllung dessen zunächst mal das einzige Ziel und nicht irgendeine Form der Manipulation, die im Übrigen gar nicht stattfindet.»
Ein Grund für die negative Wahrnehmung seien die Begrifflichkeiten. « ‹Künstlichen Befruchtung› ist mehr als unglücklich. Dabei ist allein das Zusammenkommen von Samen- und Eizelle das künstliche. Die Befruchtung selbst läuft genauso ab, wie sie sonst auch nach Geschlechtsverkehr im Eileiter ablaufen würde. Da würde kein Arzt, kein Biologe eingreifen», so Hilland. «Noch schlimmer ist die sogenannte ‹Reagenzglasbefruchtung›. Da denkt man ja an Homunculus», sagt Hilland und meint einen künstlich erschaffenen Menschen, wie er uns aus dem Mary Shelley-Roman Frankenstein und unzähligen Filmen bekannt ist.
«Die Leute haben berechtigterweise Ängste in Deutschland, weil wir vor 60 Jahren komische Ideen hatten», fügt Biologe Schlatt hinzu. Unfruchtbaren Paaren den Kinderwunsch zu erfüllen und so die Quantität der Fortpflanzung zu steuern - dagegen habe keiner etwas. Bei der Steuerung der Qualität tut Deutschland sich jedoch schwer, meint Schlatt: «Wir wollen Menschen eben nicht nach genetischen Prinzipien selektieren. Und das ist ja auch okay.»
kat/news.de
Alles was Menschen hilft sollte erlaubt sein.Aber Deutschland wird nie auf den Stand der Länder kommen die dort schon forschen.Hier entscheiden Beamte und Politiker über das leben der Menschen. Und wenn einer dieser Politiker eine Heilung durch diese Forschung haben möchte geht er in ein solches Land wo es erlaubt ist.Nur das kann nicht jeder.
jetzt antwortenKommentar meldenHoffentlich bleibt es Verboten ! Finde es sehr schlimm Leben zu produzieren um es Anschliesend zu Töten !
jetzt antwortenKommentar meldenReproduktionsforschung/medizin!? Bin seit 2001 Nieren transplantiert und habe natürlich eine eigene Meinung darüber. Wie schön wäre es aus eigenen Stammzellen eine neue Niere herstellen zu können und ohne Dutzenden von Tabletten und Immuninsuffizienz leben zu können.
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