Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Was müssen unsere Kinder morgen wissen? Sie sollen vorbereitet sein auf die Probleme der Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und Technik. Jetzt soll die Schule auch noch Internet-Aufklärung leisten. Das Wunschkonzert kennt keine Grenzen.
Es ist ein gar frommer Wunsch, den der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) da geäußert hat. Die Sache mit dem Datenschutz und die Sorglosigkeit, mit der Jugendliche heute Informationen von sich preisgeben, ist nämlich wahrlich Besorgnis erregend.
Es liegt nahe, der Schule die Idee aufs Auge zu drücken. Immerhin ist Aufklärung ihre Aufgabe. Ob es nun um die Sache mit den Bienen und den Blumen geht, um religiöse Weltbilder oder um die ethischen Fragen der Organspende. Warum sollten die Lehrpläne in Sachen Aufklärung also nicht auch noch das Internet aufs Tapet bringen?
Auf den ersten Blick mag man sagen: Kann ja nicht schaden. Auf den zweiten Blick muss man Müller Wahlkampftaktik vorwerfen. Schließlich ist Bildung ein Reizthema und wer sich die Förderung selbiger nicht auf die Fahnen schreibt, muss bei den Wählerstimmen von vornherein Abstriche machen.
Doch kein Wort darüber zu verlieren, wie so ein Fach Internet-Aufklärung konzipiert sein soll, welche Inhalte es haben könnte und wie man das an Schulen integriert -, ob nun schon an Grundschulen, erst im Sekundarbereich oder gar an den Gymnasien - ist mächtig gewagt. Erweckt es doch den Anschein, dass da jemand punkten will, der keine Ahnung vom Metier hat.
Im Bildungslichte betrachtet, ist der Vorstoß ein Schuss in den Ofen. Denn Schulen haben längst die Möglichkeit, ihre Schüler über die Risiken des Internets aufzuklären. Dafür gibt es die gesellschaftlich betonten wie auch die technisch versierten Fächer. Statt Internet-Aufklärung einzuführen, wäre es tatsächlich sinnvoll, die entsprechenden Fachlehrer für die Problematik zu sensibilisieren, ihnen Weiterbildungen und didaktische Stützen zu bieten und dafür auch die nötigen Mittel bereitzustellen.
Das aber lässt sich nicht gut in einen knackigen Wahlkampfslogan verpacken.
mik/news.de