Fragwürdiger Vorschlag für die Bildung
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 25.08.2009
Schule heute setzt längst nicht mehr nur auf Fächer wie Mathe oder Deutsch. Dennoch kommen gesellschaftliche Probleme scheinbar zu kurz - etwa die Gefahren des Internets. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller will das ändern.
«Wir brauchen Internet-Aufklärung als zeitlich befristetes Unterrichtsfach. Schon Kinder müssen in der Schule lernen, was mit ihren Daten dort alles passieren kann», sagte Peter Müller (CDU) gegenüber bild.de. Doch was genau Müller unter befristet versteht oder wie ein solches Fach inhaltlich aussehen soll, dazu wollte sich die Staatskanzlei auf Nachfrage von news.de nicht äußern.
In Sachsen-Anhalt hält man ein Fach Internet-Aufklärung nicht für nötig. «Der Gebrauch des Internets ist Bestandteil der Lehrpläne. Zudem werden die Schüler bei uns im Fach Technik, zu dem auch Informatik gehört, bereits mit Schutzbestimmungen, Zielen und Gefahren vertraut gemacht», sagt Gernot Ochs, Schulfachlicher Referent des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt.
Auch Jan Vahrenhold, Professor für Informatik an der Technischen Universität Dortmund, sieht das saarländische Anliegen skeptisch: «Solange ein solches fachübergreifend konzipiertes Schulfach nicht zusätzlich zum Fach Informatik, sondern als Ersatz für dieses Fach unterrichtet wird, fehlen die fachlichen Grundlagen, um ein Verständnis für die Aufklärung zu erreichen. Ein bloßes Anwenden von Verhaltensmustern, ohne deren Hintergründe zu verstehen, geht an der Zielsetzung der meisten weiterführenden Schulformen vorbei.»
Zudem habe noch nicht einmal das Fach Informatik in allen Bundesländern einen festen Platz in den Stundentafeln. In Sachsen-Anhalt etwa ist es in der Sekundarstufe Teil des Faches Technik oder freiwilliges Wahlfach. In anderen Bundesländern wird Informatik erst in der gymnasialen Oberstufe thematisiert.
In Bayern dagegen ist Inforamtik an Gymnasien, insbesondere mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung, Pflicht. Hier lernen die Schüler nicht nur, wie Computer funktionieren, Software entwickelt oder Informationen anhand von Grafik- und Textprogrammen verarbeiten werden. Teil des Lehrplans ist es, den Schülern beizubringen, wie sie sorgfältig mit den Möglichkeiten, die Computer bieten, arbeiten und wie sie Chancen und Risiken einschätzen.
Doch egal in welchem Bundesland, ein neues Unterrichtsfach bringt infrastrukturelle Herausforderungen mit. «Zunächst einmal würde es die Stundentafel der Schüler beeinflussen. Entweder es gäbe zusätzliche Unterrichtsstunden zum ohnehin vorhandenen Pensum, oder bei anderen Fächern müsste gekürzt werden. Wobei ich keinen Spielraum sehe, wo man das könnte oder dürfte», sagt Gernot Ochs.
In Konkurrenz zu anderen gesellschaftlich und volkswirtschaftlich legitimierten Ergänzungsfächern wie Sportförderunterricht oder Ernährungswissenschaft hätte es Internet-Aufklärung vermutlich schwer, ein Stundendeputat zu erhalten, fürchtet Vahrenhold. «In einer idealen Welt, die wir aber nicht haben, könnte man sicherlich über ein solches Ergänzungsfach nachdenken.» In der wachsenden Bildungslandschaft, und deren zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen an die Schüler, sei es wenig aussichtsreich, den Vorschlag des Ministerpräsidenten umzusetzen.
Das rührt nicht zuletzt auch von der Qualifizierung entsprechender Fachlehrer her. An den Hochschulen müssten im Vorfeld die Studienpläne überarbeitet und kompetente Hochschullehrer angestellt werden. Bislang konzentriert sich die Ausbildung in den Lehrämtern in einzelnen Bundesländern stark auf theoretische und technische Aspekte und deren didaktische Vermittlung. «Im Lehramtsstudium Informatik an der TU Dortmund sind das unter anderem die fachwissenschaftlichen Grundlagen des Themenbereichs Netzwerke», klärt Vahrenhold auf.
Um über persönliche Risiken und deren Folgen aufzuklären, die auf zu freizügig mit ihren eigenen Daten umgehende Schüler zukommen, hält Gernot Ochs fächerübergreifenden Unterricht etwa mit den Fachbereich Sozialkunde/Ethik für sinnvoller und auch notwendig. «Mir stehen die Haare zu Berge, was mir Eltern an Material aus Schülerportalen vorlegen, deren Kinder etwa von Mobbing betroffen sind.»
Ochs habe den Eindruck, die Jugend sei ethisch heute nur schlecht darauf vorbereitet, mit dem Kommunikationsmedium Internet umzugehen. «Viele betrachten das Netz als Spaßfaktor oder lassen sich von der Vielfalt überfluten. Damit umzugehen, haben viele Schüler bislang nicht gelernt, geschweige denn, das Internet zum gezielten Wissenserwerb einzusetzen.» Bildung und Erziehung darauf stärker auszurichten, sei deshalb nötig.
kat/news.de
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