Von news.de-Redakteurin Katharina Peter
Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: die Fensterbank.
Die Sonne scheint durchs Fenster. Eine dicke Dame schimpft auf der Straße mit ihrem Hund, während zwei junge Mädchen kichernd vorbei huschen. Ich ziehe mein Knie näher zum Körper und genieße die Aussicht von meinem Fensterbrett.
Diese kleine Ecke meiner Wohnung bietet mir den besten Ausguck. Von dort aus kann ich meine Neugierde stillen. Glücklich verliebte Pärchen, eine kleine Gruppe von IG Metall, die trillerpfeifend tapfer regelmäßig an unserem Haus vorbei zieht oder die Fußballfans sich mit Schlachtrufen auf dem Weg zum Stadion warm machen.
Aber die Fensterbank im Erker ist nicht nur geschützter Ausblick auf das kunterbunte Treiben da draußen. Sie bietet auch Raum zum Tagträumen. Dort habe ich schon die spannendsten Romane gelesen und bin in aufregende Welte mit Vampiren, Zwergen, Drachen oder ganz durchschnittlichen Menschen entflohen.
Dort tanke ich meine Dosis Sonne, wenn ich zu faul bin, nach draußen zu gehen. Dort schmeckt die Tasse Kaffee am besten. Denn wenn ich erstmal auf der Fensterbank sitze, dann nehme ich mir Zeit und stürze den Kaffee nicht wie am Küchentisch hektisch in mich rein, weil ich gleich losstürmen muss. Fensterbank bedeutet Ruhe. Zeit für mich.
Aber dieser Ort schenkt mir nicht nur immer wieder neue Kraft. Er wird zum Zuhause der Pflanze, die ich mit meinem völlig ungrünen Daumen noch nicht umgebracht habe. Und manchmal wird er auch zu einer kleinen Ausstellungsfläche, auf der Erinnerungsstücke, Objekte mit einer Geschichte in meinem Leben, ihren Platz finden. Wie etwa der völlig zerfledderte Teddybär, den ich schon als Zweijährige ständig mit mir herumgeschleift habe. Oder der kleine Holzelefant, den mir eine Freundin aus Indien mitgebracht hat.
Aus reiner Bequemlichkeit landen dort aber auch ab und zu ein Block, ein Buch, das Staubtuch, das man vergessen hat, wieder wegzuräumen, weil man ja auch eigentlich noch gar nicht fertig war mit Putzen, oder der Schlüsselbund, den man überall in der Wohnung verzweifelt sucht, aber nie auf der Fensterbank vermuten würde.
bjm/news.de