Fr., 25.05.12

Fundbüro beim Festival 23.07.2009 Tränen und Trickser

Fundbüro (Foto)
Wer seine Schüssel auf einem Festival verliert, kann aufs Fundbüro hoffen. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Kraft, Ferropolis

Man kann bei einem Festival eine Menge verlieren: seine Unschuld, seinen guten Ruf, ein paar Tausend Hirnzellen. All das ist unwiederbringlich fort, auf ewig. Doch für alles andere gibt es Hoffnung.

Das kleine Zelt ist ein wenig unscheinbar. Die dezenten Farben wirken zwischen Imbissstand und mobiler Cocktailbar beim Melt-Festival fast so, als solle man es nicht bemerken.

Trotzdem ist hier viel los. Denn der Stand vom Festivalguide ist der Anlaufpunkt für alle, die ganz genau wissen wollen, welche Künstler wann wo auftreten. Wann der letzte Bus nach Hause fährt. Oder dringend ein Überlebenspaket kaufen müssen, mit Kondomen, Sonnenbrille, Zahncreme und vielem anderen, was das Festival für einen selbst und die anderen Besucher angenehmer macht.

Für manche ist dieser Stand sogar die letzte Hoffnung. Denn hier landen alle Fundsachen, die vor den Bühnen, auf den Tanzflächen und auf den Campingplätzen verloren gehen. Und das ist bei 20.000 Besuchern, die drei Tage lang Party machen, eine Menge.

Auf ihre Besitzer warten jede Menge Telefone, Schlüssel und Geldbeutel. Einige Festival-Fans schaffen es sogar, Schlafsäcke, komplett gepackte Reisetaschen oder polnische Führerscheine zu verlieren.

Meist werden die herrenlosen Utensilien bei den Security-Leuten abgegeben, die bringen die Sachen dann zum Fundbüro. Doch die Nachfrage hält sich zur Festival-Halbzeit am Samstagabend in Grenzen: «Erst zwei Sachen wurden abgeholt. Die meisten sind wohl noch zu betrunken und haben noch gar nicht gemerkt, was ihnen fehlt», sagt Raphael Schmidt, der im Fundbüro arbeitet.

Dafür kann er viele Gäste, die es bis zu ihm schaffen, glücklich machen: «Wer sein Handy oder seinen Autoschlüssel verloren hat, kam hier meistens völlig aufgelöst an und ist den Tränen nah. Entsprechend froh sind die Leute dann, wenn wir ihnen helfen können.» Doch es gebe auch Trickser, die sich nach dem Motto: «Ich habe mein nagelneues iPhone verloren. Ist es vielleicht hier abgegeben worden?» ein paar Fundsachen erschleichen wollen. Doch wer nicht genau beschreiben kann, was er verloren hat, bekommt nichts.

Nach dem Festival landen die nicht abgeholten Sachen beim Fundbüro der Stadt Gräfenhainichen. Auf der Homepage des Festivals gibt es dann eine Liste aller Fundstücke. Wer vor Ort noch zu betrunken war, hat dann noch eine Chance, per Mail oder telefonisch nach seinen Sachen zu fahnden.

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