Fr., 25.05.12

Erdbeben 13.07.2009 Sicher bauen ist nicht teurer

Erdbeben Aachener Dom (Foto)
Im Aachener Dom wurden kürzlich tiefe Risse entdeckt, die vermutlich durch ein Beben entstanden sind. Bild: dpa

In Istanbul haben internationale Fachleute in den letzten Tagen über erdbebensicheres Bauen diskutiert. Auch wenn in Deutschland die Erde selten wackelt, gibt es hier Normen für den Bau. Und Bauingenieure, die an neuen Technologien arbeiten.

Erdbeben sind in Deutschland nur dann ein Thema, wenn mal wieder irgendwo die Erde wackelt und man sich fragt: Kann das bei uns auch passieren? Dass es kann, wissen vor allem die Bewohner der deutschen Erdbebenzonen: Die Rheinische Bucht gehört dazu, das südliche Baden-Württemberg, vor allem auf der Schwäbischen Alb, und die Gegend um Aachen.

Schuld ist der Oberrheingraben. Hier wurde die Erdkruste durch den Druck der afrikanischen Platte auf die europäische gedehnt und ist schließlich aufgerissen und abgesackt. An solchen Brüchen der Kruste kommt es zu Beben, wenn sich die Krustenplatten gegeneinander bewegen, dabei verhaken und schließlich ruckartig lösen. Die meisten Beben jedoch sind schwach und richten kaum Schäden an.

Tatsächlich sei das Bewusstsein der Deutschen für das bestehende Erdbebenrisiko gering, meint Christoph Butenweg vom Lehrstuhl für Baustatik und Baudynamik in Aachen. Ganz anders in der Türkei, wo das Erdbebenrisiko wesentlich höher ist. Seit Montag haben sich in Istanbul Experten über erdbebensicheres Bauen ausgetauscht. Mit dabei auch Konstantin Meskouris, Leiter des Aachener Lehrstuhls. Seit 15 Jahren forscht Aachen in Sachen erdbebensicheres Bauen.

In Deutschland richtet sich dies nach der Norm Din 4149, die in den Risikoregionen Vorschrift ist – allerdings nur für Neubauten. «Wichtig ist bei einem normalen Wohnhaus, dass es über alle Stockwerke durchgehende Wände gibt und die Fenster regelmäßig angeordnet sind, um die Kräfte gleichmäßig zu verteilen», erklärt Butenweg einen Grundsatz.

Wenn man richtig plane, müsse das nicht teurer sein als ein normales Haus, betont er. Zum Beispiel sei ein rechteckiges Haus stabiler als ein T-förmiges, weil dort die beim Beben erzeugten horizontalen Schwingungen gleichmäßig in beide Richtungen ausschlagen können. Außerdem müsse zum Beispiel zwischen Reihenhäusern, die scheinbar eine einheitliche Fassade haben, immer eine ausreichend breite Fuge bleiben, damit die Gebäude nicht aneinanderstoßen.

So ein sicherer Neubau sei nur um zwei bis drei Prozent teurer, sagt auch der türkische Professor Tugrul Tankut, Organisator des Treffens in Istanbul. Teuer hingegen wird es, wenn Gebäude nachträglich verstärkt werden müssen. In Deutschland zum Beispiel gibt es bislang für Altbauten noch keine entsprechende Norm. Doch hierzulande wird viel geforscht. Der Bauingenieur Moritz Urban promoviert am Institut für Massivbau und Baustofftechnologie in Karlsruhe zu einem neuen Verfahren, Gebäude gegen Erdstöße zu sichern, die noch vor der Din 4149 von 1981 entstanden sind.

Er klebt Glaswassergewebe auf Putz, um damit Wände zu verstärken. «Mauerwerk ist sehr spröde und steif. Je steifer, desto höher ist die Eigenfrequenz der Wand», erklärt er. Seine Entwicklung gebe der Wand eine größere Weichheit. Nun muss die Idee auf dem Rütteltisch getestet werden, wo sie auf Modellhäuser aufgebracht und in Erdbeben ähnliches Gewackel versetzt wird. Vor allem in der Türkei, wo die Erde häufig bebt, sieht er einen Absatzmarkt für die neue Technologie.

Das letzte große Beben in Deutschland liegt inzwischen 31 Jahre zurück. Die Albstädter jedoch erinnern sich noch recht gut daran. Deshalb ist die Versicherungsdichte in der Region Albstadt auch besonders hoch, wie Thomas Bistry betont, der als Geologe für die Deutsche Rückversicherung arbeitet. Wie auch Christoph Butenweg ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Erdbebeningenieurwesen und Baudynamik. Gemeinsam mit zwei Kollegen schätzt er für sein Unternehmen die Risiken von Naturkatastrophen ein.

Das letzte Beben, bei dem Schäden entstanden sind, geschah im Dezember 2004 in Waldkirch bei Freiburg, mit einem Wert von 5,4 auf der Richterskala. Das ist fünf Jahre her, Erdbebenschäden also durchaus nicht auf der Tagesordnung für deutsche Versicherungen. Dennoch leisten sie sich einen Erdbebenexperten. «Das Problem bei Erdbeben ist: Sie treten zwar selten auf, aber wenn, führen sie zu sehr großen Schäden. Und dann kostet es richtig viel Geld. Es gab in der Geschichte mehrere Erdbeben, die katastrophale Schäden hinterlassen haben. Würden sie heute stattfinden, lägen die im Milliardenbereich. Dieses Risiko muss eine Rückversicherung einschätzen können», erklärt Bistry seine Position.

Wer sich gegen Erdbeben schützen möchte, muss eine Elementarschadensversicherung abschließen. Die springt nicht nur bei Erdbeben ein, sondern zahlt auch im Fall von Hochwasser, Starkregen, Schneedruck, Lawinen, Erdfall oder Vulkanausbruch. Die Kosten variieren je nach Wohnlage, im Schnitt sind es jährlich 80 Euro, sagt Thomas Bundschuh, Sprecher der Versicherungskammer Bayern. So eine Versicherung gegen die Launen der Elemente ist jedoch nicht sehr populär - nur rund sechs Prozent der Versicherten gönnen sich diesen zusätzlichen Schutz.

Aber auch die Elementarversicherung zahlt nicht, wenn die Erde bebt, weil unterirdische Bergwerktunnel einstürzen. Dies ist beispielsweise im Saarland häufig der Fall. Hier haftet die Betreibergesellschaft für die Schäden – für die Betroffenen oft ein harter Kampf.

iwe
Kommentar schreiben Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Kommentar  
Ihr Name
Ihre Emailadresse
Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld darunter.
'6Ld52csSAAAAAKTxfdwmi0Ay4Tjghi64k3PAcWrj'

Erdbeben: Sicher bauen ist nicht teurer » Gesellschaft » Nachrichten

URL : http://www.news.de/gesellschaft/850537559/sicher-bauen-ist-nicht-teurer/1/

Schlagworte:

Aachen , Aachener , Aber , Absatzmarkt , Abschließen , Afrikanischen , Alb , Albstadt , Alexander Moritz , Altbauten , Arbeitet , AU , Aufgebracht , Ausreichend , BAU Kampagne , Bau Stadt , BAU TarifverträgeIG , Bauen , Bauingenieur , Bauingenieure , Bayern , Bayern-Barometer , Beben , Beispiel , Beispielsweise , Betont , Betreibergesellschaft , Betroffenen , Bewegen , Bewohner , Bewusstsein , BR , Breite , Brüchen , Bucht , Christian Urban , Christoph Bäumler , Christoph Dabrowski , Christoph Driessen , Christoph Fellner , Christoph Geyer , Christoph Grunenberg , Christoph Hagel , Christoph Hausel , Christoph Hemlein , Christoph Keller , Christoph Klenzendorf , Christoph Knasmüllner , Christoph Koschel , Christoph Maria , Christoph Martin , Christoph Moritz , Christoph Rohmer , Christoph Sauser , Christoph Schaub , Christoph Siefkes , Christoph Stölzl , Christoph Ullmann , Christoph Unger , Deutsche , Deutschen , Deutschland , Dezember , DIN , Dirk Moritz , Diskutiert , Druck , Durchgehende , Elemente , Elke Urban , Enka Istanbul , Entsprechende , Entstanden , Entwicklung , Erdbeben , Erdbebenzonen , Erde , Erinnern , Erklärt , Euro Bauingenieure , Euro Deutsche , Euro Europäische , Euro Jährlich , Euro Kosten , Euro Norm , Euro Thema , Event , Experten , Fachleute , Fassade , Fenster , Fragt , Freiburg , Fuge , Gareth Thomas , Gebe , Gegend , Gegeneinander , Geh , Geld , Gemeinsam , Gen , Geologe , Gering , Geschichte , Gesellschaft , Getestet , Gr , Größere , Grundsatz , Gut , Haftet , Hans Christoph , Haus , Heide Sprecher , Her , Hertel Passieren , Hierzulande , Hingegen , Hochwasser , Idee , IG , Imogen Thomas , Ingbert Saarland , Institut , Internationale , Istanbul , Jahre , Jahren , Jon Christoph , Kaffee Deutschland , Kampf , Karl Urban , Karlsruhe , Keith Urban , Kollegen , Konstantin Airich , Konstantin Gropper , Konstantin Klimjankow , Konstantin Schneider , Konstantin Semenow , Konstantin Wolff , Kosten , Kostet , Kruste , Länder Deutschland , Lawinen , Lehrstuhl , Lehrstuhls , Leisten , Leiter , Letzte , Lich , Ludwig Thomas , Mai Deutschland , Manfred Urban , Marco Höher , Mauerwerk , Mayer Deutschland , Milliardenbereich , Montag , Moritz Alexander , Moritz Austragungsort , Moritz Cleve , Moritz Eisner , Moritz Gaedeke , Moritz Hartmann , Moritz Redder , Müsse , Nachträglich , Naturkatastrophen , Neubau , Neubauten , Norm , Normales , Oberrheingraben , Organisator , Part , Passieren , Peta Deutschland , Peter Urban , Platte , Position , Problem , Professor , Prozent , Recht , Region , Rheinische , Richterskala , Richtig , Richtungen , Risiken , Risiko , Rückversicherung , Saarland , Sachen , Sch , Scheinbar , Schneedruck , Schnitt , Schuld , Schutz , Schwach , Schwingungen , Selten , Sicherer , Sichern , Sprecher , Springt , Spröde , Starkregen , Stockwerke , Südliche , Tagen , Tagesordnung , Team Deutschland , Technologie , Technologien , Teuer , Teurer , Thema , Thomas Altmann , Thomas Bach , Thomas Bahamas , Thomas Broich , Thomas Built , Thomas Busch , Thomas Drach , Thomas Erne , Thomas Frey , Thomas Fritsch , Thomas Gens , Thomas Grimm , Thomas Grob , Thomas Harms , Thomas Härtel , Thomas Helmer , Thomas Heß , Thomas Hübener , Thomas Hückels , Thomas Hunsteger-Petermann , Thomas Jamaika , Thomas Jarmoc , Thomas Jordan , Thomas Karaoglan , Thomas Kranig , Thomas Krause , Thomas Liese , Thomas Lindner , Thomas Lück , Thomas McDonell , Thomas Milo , Thomas Mirow , Thomas Modern , Thomas Mörs , Thomas Muster , Thomas Pröckl , Thomas Rabe , Thomas Robopoulos , Thomas Rübel , Thomas Ruff , Thomas Rühmann , Thomas Sanderling , Thomas Sargent , Thomas Steffens , Thomas Strobl , Thomas Ubber , Thomas Vanek , Thomas Vermaelen , Thomas Vinterberg , Thomas Wagner , Thomas Weinberg , Thomas Wolter , Treffens , Treten , Unterirdische , Unternehmen , Urban Art , Urban Concept , Urban Dance , User , Usern , Uslu Türkei , Verfahren , Versicherten , Versicherung , Versicherungen , Verstärkt , Verteilen , Vorschrift , Vorstandsmitglied , Vulkanausbruch , Walter Bau , Wand , Wert Ausschlaggebend , Wert Händler , Wesentlich , Wissen , Wohnhaus , Wohnlage , Zusätzlichen ,
Wir empfehlen
Anzeige
Facebook
Twitterbox
Follow Us!
Anzeige