Von Tobias Schormann
Krimis im Fernsehen sind aufregend. Doch die Inszenierungen für die Mattscheibe zeigen nur einen Bruchteil dessen, was ein echter Kommissar zu tun hat. Wer hier seine Zukunft sieht, muss zunächst einmal einige Ansprüche erfüllen.
«Viele denken da gleich an Krimis aus dem Fernsehen - die Realität sieht natürlich etwas anders aus», sagt Roland Mattern vom Bereitschaftspolizeipräsidium Baden-Württemberg, der sich dort um die Nachwuchswerbung kümmert. «Man ist eben nicht ständig draußen unterwegs, wo es rumst und kracht.» Stattdessen müssten Kriminalkommissare auch viel am Schreibtisch arbeiten.
Gefragt sind Teamplayer. «Und man macht natürlich auch nicht ständig irre spannende Undercover-Ermittlungen oder bringt Täter in Verhören zum Geständnis», sagt Michael Stammen, Leiter des Einstellungsbüros der Berliner Polizei.
Polizei ist Ländersache - daher sei die Ausbildung unterschiedlich geregelt, erklärt Hartmut Brenneisen von der Polizeifachhochschule Schleswig-Holstein. Bewerber müssten sich also gut überlegen, wo sie ihre Unterlagen einreichen, rät der Sprecher der Fachbereichsleiterkonferenz der Polizeihochschulen. Zu bedenken ist dabei auch, dass Kandidaten zunächst auch in dem Bundesland arbeiten müssen, in dem sie ausgebildet wurden.
Während in einigen Bundesländern Kriminalkommissaranwärter für den gehobenen Dienst von Anfang an getrennt ausgebildet werden, gibt es in anderen Ländern zu Beginn eine Einheitsausbildung mit der Schutzpolizei. Das Studium an einer der Polizeihochschulen dauert in der Regel drei Jahre, vielerorts endet das mit einem Bachelorabschluss. In Baden-Württemberg und Sachsen muss noch eine mehrmonatige Vorausbildung absolviert werden. Im Studium lernen Polizeianwärter vor allem Paragrafen und wie man sie durchsetzt - auch Psychologie sei dabei ein Thema, erläutert Michael Stammen.
Bewerber müssen einige Anforderungen erfüllen. Voraussetzung ist eine Fachhochschulereife. Zudem gibt es eine Altersgrenze, die meist bei 31 oder 32 Jahren liegt. Kandidaten dürfen auch nicht zu klein oder übergewichtig sein: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel müssen männliche Polizeianwärter mindestens 1,65 Meter und ihre weiblichen Kollegen mindestens 1,60 Meter groß sein.
Bewerber müssen außerdem einen Aufnahmetest bestehen: Dazu gehören ein Intelligenztest und eine schriftliche Prüfung. «Die meisten fallen dabei im Diktat durch, weil ihr Deutsch zu schlecht ist», sagt Polizeihauptkommissar Stammen. Außerdem wird die Fitness vom Arzt geprüft - meist in Kombination mit einem Sporttest.
Die Plätze sind in der Regel heiß begehrt: Auf 140 freie Plätze bei der Polizei kommen in Schleswig-Holstein im Schnitt 3000 Bewerber. Die Jobchancen seien in den kommenden Jahren aber gut, auch wegen sinkender Schulabgängerzahlen, so Brenneisen.
Während der Ausbildung verdienen Kommissaranwärter zwischen 800 und 1000 Euro monatlich. Danach werden sie entsprechend der Besoldungsstufen A9 bis A13 für den Öffentlichen Dienst bezahlt. Ein lediger Polizeikommissar kann zum Berufsstart mit etwa 2200 Euro brutto rechnen.
ham/kat