Von Katlen Trautmann
Nicht jeder schafft es, sein Leben auf Anhieb zu meistern. Manchem Jugendlichen fällt das schwer. Manchen Eltern aber noch viel mehr, die oft das Handtuch werfen, wenn sie überfordert sind. Abhilfe können Sozialpädagogen schaffen.
Wer sich in das schwierige Berufsfeld eine Sozialpädagogen begibt, der braucht Einfühlungsvermögen, aber auch ein dickes Fell. «Sozialpädagogen unterstützen Menschen bei einer gelungenen Lebensführung», erläutert Professor Ulrich Bartosch von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Er ist der Vorstandsvorsitzende des bundesweiten Fachbereichstages «Soziale Arbeit». Dort arbeiten Dekane aller deutschen Hochschulen mit, an denen Sozialpädagogik und Sozialarbeit gelehrt wird.
Während bei Sozialpädagogik die erzieherische Komponente überwiegt, charakterisiert die Sozialarbeit eher Fürsorge: Als Streetworker zum Beispiel steuern die «Experten des Miteinanders» zentrale Beratungsstellen oder treffen ihre Klientel auf den Straßen. Sie helfen Alleinerziehenden, Unterhaltsansprüche durchzusetzen, oder sie betreuen Strafgefangene, Süchtige und Arbeitslose. Auch in der Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit, der Familienhilfe, der Kultur- und Freizeitarbeit und der Rehabilitation warten Aufgaben auf sie, ebenso wie in Kirchen, der öffentlichen Verwaltung und politischen Vereinigungen.
Sozialarbeit ist ein unbequemer Job. «Man steckt oft zwischen den Fronten», sagt der Dekan des Bereiches Sozialwesen an der Technischen Universität Dresden, Lothar Stock. Die Auseinandersetzung mit den Problemen anderer Menschen gehört zum Berufsalltag. Dafür braucht es ein dickes Fell. Sozialpädagogen müssen mit beiden Beinen im Leben stehen. Wichtig ist auch, nicht nur die eigene Sichtweise gelten zu lassen: «Andere Leute haben andere Vorstellungen vom Leben. Sie machen nicht immer, was man will», erklärt Stock. Spaß am Reden mit den Leuten, Einfühlungsvermögen und der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit sind gute Grundlagen für den Beruf.
Eigene Probleme durch die Wahl der Studienrichtung lösen zu wollen, schlägt garantiert fehl. «Wenn man Probleme vor sich herträgt, kann man keine Hilfe geben», warnt Bartosch. Ein Berufsrisiko ist auch das «Helfersyndrom»: «Man schießt leicht über das Ziel hinaus und läuft Gefahr, sich nicht mehr von den Problemen der Klienten lösen zu können.»
Rund 70 Fakultäten an Fachhochschulen und Universitäten bieten den Studiengang Soziale Arbeit an. Abschlüsse sind der Bachelor nach sechs oder sieben Semestern und der Master nach weiteren zwei bis vier Semestern. Angehende Sozialarbeiter lernen im Studium die Arbeit mit Jugendlichen, Senioren und Menschen anderer Kulturen kennen. Sie erwerben aber auch Kenntnisse im Führen von Non-Profit-Organisationen oder in «sozialer Informatik», bei der technische Anwendungen des Fachgebietes im Mittelpunkt stehen.
Wie gut die Chancen auf eine Festanstellung sind, hängt nicht zuletzt von der Konjunktur ab: «In wirtschaftlich schweren Zeiten wird bei diesen Stellen zuerst gespart, obwohl das kontraproduktiv ist», sagt Bartosch. Er wünscht sich eine Aufwertung des Berufs in der Gesellschaft - auch durch bessere Bezahlung. «Dann werden sich mehr Männer dafür entscheiden.» Derzeit sind acht von zehn Sozialarbeitern Frauen.
Im Jahr 2006 gab es in Deutschland nach Angaben des zuständigen Fachbereichstages 55.091 Studenten der Sozialen Arbeit. Im Schnitt konkurrieren vier Bewerber um einen Platz. Die Bundesagentur für Arbeit bietet auf ihrer Webseite einen Überblick über Studieneinrichtungen. Bei erfolgreich abgeschlossenem Studium ist die Gefahr der Arbeitslosigkeit vergleichsweise gering. Von den im Jahr 2005 arbeitslos gemeldeten Sozialarbeitern hatten nur knapp drei Prozent einen Universitäts- und rund 4,4 Prozent einen Fachhochschulabschluss. Das Einstiegsgehalt bewegt sich in der Regel bei knapp über 2000 Euro im Monat. Laut Bundesagentur für Arbeit bekommen Sozialpädagogen und -arbeiter im Öffentlichen Dienst West zwischen 2950 Euro und 4700 Euro. Für die neuen Bundesländer fehlen verbindliche Angaben.
ham/kat