Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Guido Mayus ist seit vielen Jahren Lehrer. Vor sieben Jahren hat er sich geoutet. News.de sprach mit dem Wahlberliner über seine Erfahrungen als schwuler Lehrer, die öffentliche Meinung und Homosexualität als Unterrichtsthema.
Herr Mayus, wie kam es zu Ihrem Outing?
Mayus: Meine Schüler entdeckten mich auf dem Foto eines schwul-lesbischen Straßenfestes, bei dem ich mit meiner Gewerkschaftsgruppe vertreten war und wollten einen Bericht über mich in der Schülerzeitung bringen. Sie fanden es spannend, einen schwulen Lehrer zu haben.
Wie haben Sie darauf reagiert?
Mayus: Ich bin zum Schulleiter gegangen. Er sollte er von meiner Homosexualität wissen, bevor in der Schülerzeitung darüber berichtet worden wäre.
Und, wie sah die Reaktion aus?
Mayus: Er empfahl mir, mich nicht zu outen und stattdessen zu sagen, dass ich die Gewerkschaftsgruppe aus anderen Gründen unterstützt hätte. Ich habe das abgelehnt, weil ich mich nicht unglaubwürdig machen wollte. Das hat er akzeptiert und mir seine volle Unterstützung zugesagt.
Liegt das daran, dass Berlin Klaus Wowereit als Bürgermeister hat?
Mayus: Nein. Es ist gesetzlich geregelt, dass sich eine Schulleitung hinter geoutete Lehrkräfte stellen muss. Letztlich bleibt aber die Frage, wie offen das Kollegium mit Homosexualität umgeht. An Berliner Schulen ist das anders als in Bayern. In den Richtlinien zur Sexualerziehung werden bei uns gleichgeschlechtliche Lebensweisen als zu behandelndes Thema benannt. In anderen Bundesländern ist das nicht der Fall oder nur eine Kann-Regelung.
Ihr Direktor hat Sie unterstützt. Doch wie haben die Kollegen reagiert?
Mayus: Als ich den Schülern das Interview zusagte, waren einige Kollegen dabei. Sie haben die Schüler zurechtgewiesen und meinten, eine Schülerzeitung sei kein Klatschblatt. Sie sollten lieber über etwas anderes berichten. Ich hatte den Eindruck, die Kollegen wollten mich schützen, obwohl ich es nicht nötig gehabt hätte. Das Interview hat letztlich aber nicht stattgefunden.
Schüler und Lehrer haben Ihre Lebensweise akzeptiert. Wie war das bei den Eltern?
Mayus: Die haben gar nicht reagiert. Was sie tatsächlich denken, weiß man nicht. Tatsache ist aber, dass viele Leute Vorbehalte haben, wenn Lesben und Schwule im Bildungs- und Erziehungsbereich arbeiten. Das liegt oft daran, dass sie persönlich keine Homosexuellen kennen. Schätzt man aber einen Menschen, der sich als homosexuell herausstellt, ändert sich auch deren Bild.
Das Berliner Gymnasium ist nicht die erste Schule, an der Sie unterrichtet haben. Wie sind Sie früher mit ihrer Lebensweise umgegangen?
Mayus: Ich bin bereits an mehreren Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien tätig gewesen. Geoutet war ich nicht an allen, aber an den letzten beiden Schulen, einem Gymnasium in Beelitz und einem in Potsdam. Die Angst, von Schülern belästigt zu werden, war zuvor sehr groß. Ebenso wie die Befürchtung, keine Disziplin mehr in den Unterricht bringen zu können, beschimpft zu werden oder dass sich Eltern und Kollegen beschweren. Letztlich muss man abwägen, was mehr Energie kostet – sich zu verheimlichen oder zu sich zu stehen.
Leben Sie nun freier, nachdem bekannt ist, dass Sie schwul sind?
Mayus: Es war anstrengend, einen Teil meiner Persönlichkeit zu verheimlichen. Mir ist also eine große Last von den Schultern gefallen, zumal sich meine Befürchtungen nicht erfüllt haben.
Das ergeht nicht jedem so. Wann wird es schwierig, den Lehrerberuf und die eigene Homosexualität zu meistern?
Mayus: Wenn die eigene Identität nicht gefestigt ist. Wir Lehrer stehen mit unserer ganzen Persönlichkeit vor der Klasse. Schüler erkennen Schwachstellen sofort und sticheln. Wer dagegen mit sich im Reinen ist und einen gewissen Stand erreicht hat, für den ist es einfacher. Leider lässt sich nicht leugnen, dass bei Schülern mit Migrations- und religiösem Hintergrund oft das Gegenteil der Fall ist. Eine Studie des Hamburger Universitätsprofessors Bernd Simon hat gezeigt, dass da, wo Migration und Religion zusammenkommen, der Anteil homophober Schüler am größten ist.
Mancher homosexuelle Lehramtsstudent macht sich Gedanken, ob er für den Beruf überhaupt noch geeignet ist. Was raten Sie?
Mayus: Die Bedenken kenne ich aus der Gewerkschaftsarbeit. Wir bekommen immer wieder Anfragen, weil sich die Betroffenen vor der öffentlichen Meinung fürchten. Wir ermutigen die jungen Kollegen, ihren Beruf auszuüben. Es gibt aber kein Patentrezept, mit diesen Gedanken umzugehen. Letztlich muss jeder für sich eine Lösung finden. Nur weil man homosexuell ist, ist man kein schlechter Lehrer.
Ist Homosexualität an Schulen und in der Pädagogik gängiges Thema?
Mayus: Kaum. Sexualität überhaupt wird als Thema im Studium, im Referendariat und in der Schule ausgeblendet, obwohl es für Heranwachsende wichtig ist. Jugendliche sind mit Identitätsfindung beschäftigt, insbesondere sexuell. Daher müssten alle Lehrkräfte, nicht nur Biologielehrer, kompetent damit umgehen können. Doch weder Lehrbücher noch Studienmodule bieten didaktische Hilfestellungen. Stattdessen werden oft nur traditionelle Familienkonstellationen benannt. Selbst Alleinerziehende sind Randerscheinung. Als Gewerkschafter versuchen wir deshalb, solche Schwerpunkte in die Lehrpläne aufzunehmen. Denn an denen orientieren sich die Schulbuchverlage.
Wenn dieses Element fehlt, verfehlt doch Schule ein Stück weit ihre Aufgabe?
Mayus: Leider. Eigentlich ist es nicht wichtig, ob ein Lehrer schwul ist oder nicht. Es geht viel mehr darum, Kinder in einer Umgebung aufwachsen zu lassen, in der sie keine Angst vor Homosexualität haben, sondern tolerant sind, statt die Gesinnung anderer vorzuverurteilen. Da muss noch viel geschehen. Das beweist auch die Tatsache, dass die Selbstmordrate bei schwulen und lesbischen Jugendlichen viermal höher ist als bei heterosexuellen Altersgenossen. Ein Klaus Wowereit und Schauspieler, die sich outen, sind höchstens ein Anfang. Was unsere Gesellschaft braucht, sind Menschen, die nichts abwerten, nur weil es anders ist.
che
Guten Tag! Das Wichtigste ist gesagt: ob hetero- oder homosexuell, hat nichts damit zu tun, ob jemand zu Missbrauch, Gewalt, Grenzüberschreitung etc. neigt. Vermutlich kommen solche Handlungen weniger zum Tragen, wenn Menschen mit sich und ihrer Sexualität im Reinen sind. DESHALB BRAUCHEN WIR VORBILDER (SCHAUSPIELER UND POLITIKER SOLLTEN NUR DER ANFANG SEIN), AUCH PÄDAGOGEN, DIE OFFEN HOMOSEXUELL LEBEN UND VERANTWORTLICH DAMIT UMGEHEN. Die Gleichsetzung von Homosexualität und Pädophilie ist eine Diskriminierung und Verunglimpfung! Reine Jungs- und Mädchenschulen helfen hier nat. gar nichts.
jetzt antwortenKommentar meldenLieber Herr König. 1.Schwul ist NICHT gleich pädophil. Es gibt schwule Pädophile, es gibt aber auch genauso viele heterosexuelle Pädophile. 2. Die wenigsten Schwulen haben es nötig, sich einen Stricher zu suchen ;-) (aber auch hier gilt: es gibt ebenso bei weitem genug Heteros, die diese Form von Befriedigung suchen) 3. Die Missbrauchsvorfälle in der katholischen Kirche sind meines Erachtens eher ein Indiz für die Inkompetenz und Verlogenheit der Kirche, als für irgendwelche, angeblich alle Schwulen betreffenden, negativen Eigenschaften. 4. das 21. Jh ist angebrochen! Finden sie sich damit ab.
jetzt antwortenKommentar meldenSehr geehrter Herr König, die aktuellen Enthüllungen über Kindesmissbrauch sind erschreckend u schrecklich. Und genauso erschreckend u schrecklich ist, dass es heterosexuelle Männer Täter sind, die junge Mädchen missbrauchen. Fühlen auch Sie sich zu jungen, minderjährigen Mädchen hingezogen? Es gibt auch für Sie Hilfsangebote. Aber nicht alle heterosexuellen u auch nicht alle homosexuellen Männer fühlen sich zu jungen Menschen hingezogen. Und leider gibt es auch Frauen, die junge Menschen sexuell missbrauchen, auch in der Schule o. Kita. Alles schon vorgekommen.
jetzt antwortenKommentar meldenAngst der Eltern vor Mißbrauch Täglich Nachrichten über homosexuelle katholische Erzieher, endlose Berichte aus Internaten, wie sollen Eltern dann vertrauen, dass ein schwuler Lehrer seine Fantasien in der Schule ausschaltet. Das glaubt man nicht, dass ein Schwuler rational seine Neigungen in der Schule ausschaltet und dann zum Bahnhof geht und sich dort einen möglichst jungen Stricher aussucht, die jüngsten sind die Begehrenswertesten, natürlich. Niemand kann seine Triebe ausknipsen, deshalb gab es früher auch nur KindergärtnerINNEN und Schulen nach Geschlechtern getrennt. Die wussten es wohl besser, wie die Menschen sind, siehe tägliche Berichte.
jetzt antwortenKommentar meldenMüsste die Überschrift nicht eher lauten: Homosexuelle sind keine SCHLECHTEREN Lehrer? Denn die Qualität eines Lehrers hängt doch nicht von der sexuellen Orientierung ab. Homosexualität wird heute anhand von Bildern der Medien beurteilt, die das Schrille, Bunte bzw. die Szene zeigen, und den Eindruck erwecken, H. sei eine Art Lebensphilosophie, obwohl es "nur" eine Seinsart des Liebens ist - die sich ebenso "normal" oder "auffällig" vollziehen kann wie heterosexuelle Liebe. Gefahren für Heranwachsende dürften aus pädophiler Neigung entstehen - das ist etwas anderes als Homosexualität
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