Fr., 25.05.12

Hommage an den Nachtzug 24.06.2009 Auf Schienen gebettet

Hommage Nachtzug (Foto)
Hommage an den Nachtzug. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Christian Mathea

Eine nebensächliche Alltäglichkeit. Um es mit einem Wort zu sagen: Es gibt Dinge, über die es sich lohnt - und wenn alle so denken, dann ist es meist schon zu spät. Denken Sie einmal genau darüber nach. Heute: der Nachtzug.

Während die meisten Betten fest in einem Zimmer stehen, bewegen sich andere mit 80 Stundenkilometer nachts durch das Land. Darauf lassen sich Eisenbahnromantiker nieder, die abends an einem Ort einschlafen und morgens ganz woanders wieder aufwachen.

An der Art, wie man reist, erkennt man die wahre Persönlichkeit des Menschen. So gibt es die hektischen Reisenden, die mit dem Taxi zum Flughafen hetzen, dort nach einer Massenabfertigung in ein Flugzeug gequetscht werden und dann durchgerüttelt 1000 Kilometer entfernt wieder aufschlagen.

Dann gibt es noch die bodenständigen Reisenden, die in ihrem Auto zwar das Gefühl der Entfernungen spüren wollen, die jedoch an jedem Verkehrsschild hoffen, wieder ein paar Kilometer hinter sich gebracht zu haben.

Und dann gibt es da noch die Genießer, die weder den Boden unter den Füßen verlieren, noch jeden Kilometer gequält abhaken. Es sind die Bahnreisenden, die jeden Kilometer mit Genuss unter ihren Füßen vorbeiziehen lassen.

Natürlich hat nicht jeder dieser Genießer für seine Fahrten quer durch Europa so übermäßig viel Zeit, dass er den lieben langen Tag in einem Zug sitzen und die Landschaft am Fenster bestaunen kann. Aus diesem Grund gibt es die clevere Idee des Nachtzugs.

Aber Achtung! Wer in den preiswerten Liegewagen mitfahren will, der muss auf die Gunst des Schaffners hoffen. Im ungünstigsten Fall wird dieser mitten in der Nacht einen Fremden in das Interims-Schlafgemach lassen, der sich dann gequält auf dem beengten Platz auszieht, rumpelnd in die obersten Liegen heraufklettert und dann schnarchend in den Tiefschlaf fällt. Selber einschlafen ist dann nicht mehr möglich. Eher wird man sich anhand der dunklen Umrisse und der gehörten Geräusche versuchen, ein Bild dieses Fremden zu machen.

Bedeutend angenehmer ist der klassische Nachtzug. Das ist Romantik pur. Vor dem Zubettgehen bietet das Bordrestaurant ein Dinner an einem Panoramafenster mit wechselnder Aussicht. Schlösser, Seen und Straßen ziehen vorbei, auf denen sich Autos ein Wettrennen mit dem Zug liefern.

Nach dem Restaurantbesuch ist es am besten, sich zum Einschlafen auf die mittlere Liege zu betten, um die Lichter der Städte vorbeiziehen zu lassen und das nächtliche Treiben auf den Bahnhöfen zu beobachten. Danach lässt man sich sanft vom Takt der Schienen in den Schlaf wiegen, um am Morgen an einem ganz anderen Ort wieder die Augen zu öffnen.

Doch die Möglichkeiten, mit diesen Hotels auf Schienen durch Deutschland zu reisen, werden in der Zukunft leider weiter abnehmen. 17 Nachtzugstrecken sind nach etlichen Kürzungen seitens der Deutschen Bahn übrig geblieben. Schuld sind die zu hohen Geschwindigkeiten für die kurzen Strecken. Würden die übrig gebliebenen Nachtzüge nicht länger auf den Bahnhöfen pausieren als Züge am Tage, wäre dem Gast nur ein kleines Wegnicken vergönnt.

In Osteuropa indes scheint der Nachtreiseverkehr noch beliebter, die Wege länger und die Züge vielleicht etwas langsamer zu sein. Wunderschöne Fahrten starten beispielsweise in Prag. Das Angebot reicht von einer aufregenden Tour nach Budapest mit nervenden Zollbeamten an gleich zwei Grenzübergängen bis hin zur etwas ruhigeren Nachtfahrt in die Hohe Tatra, wo einem bei Anblick des Bergpanoramas der Kaffee am Morgen noch viel besser schmeckt.

bjm/news.de
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