Von news.de-Redakteurin Kathrin Steinmetz
Gedanken, die kein Ziel haben, neigen zum Hängenbleiben. Woran, das soll die neue Serie «Hommage an ...» eines news.de-Autorenteams ergründen. Es geht um nichts Neues. Die Redakteure pflegen allein das Vergnügen, den Wert des Nebensächlichen zu entdecken.
Diese verdammten Bordsteine! Ein Fluch, der den aktiven Wortschatz von Radfahrern unfreiwillig bereichert. Länderübergreifend. Bordsteine sind meistens vor allem eines: im Weg. Nicht jeder Radler beherrscht diesen eleganten Sprung über die Betonkanten, so mancher formt seine Felge im Laufe der Zeit zur mehr oder weniger rollenden Delle.
Für Kinder, deren Blickwinkel grob gerechnet einen Höhenmeter abweichen von denen der Erwachsenen, ist so ein Bordstein allerdings etwas Sinnvolles. Wenn niemand hinschaut, der die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und «Kind, geh von der Straße» rufen könnte, eignet sich der Bordstein als Stuhl. Zum Schwatzen mit Steffi von nebenan. Oder als Kante, an der man wippend mit je einem Fuß auf Straße und Fußweg nach Hause bummelt.
Bordsteine rammen aber auch erbarmungslos Ecken in Autofelgen und ruinieren Stoßdämpfer. Hemmungslosen oder unbegabten Fahrern sitzt so manches «Rumps» noch in den Knochen. Die Betonklötze erhöhen Fußgänger, sodass sich Gehende und Rollende besser sehen. Sie geben ihre Bezeichnung willig hin den Schwalben, die an selbigen auf Freier warten. Und was wäre Knigge ohne Bordsteine? An ihrem Verlauf orientiert sich der feine Herr, während die Frau an seiner Seite den Spaziergang genießt. Weiß sie sich doch bestens geschützt vor den Gefahren der Straße.
Ohne Bordstein - man beachte auch die erlesene Wortwahl für das, was es ist - gäbe es also keine Schutzstreifen, keine Minischanzen für Skater und keine Sitzgelegenheit für kleine, sorglose Menschen. Sie sind es wert, beachtet zu werden.
Dies soll der Auftakt einer Serie sein, in der jeweils sonntags im Mittelpunkt steht, was ansonsten ein Dasein am Rande der Wahrnehmung fristet. Die Autoren wollen ein Loblied auf die Nebensächlichkeiten, das Alltägliche anstimmen. Aber sie werden auch in die Vergangenheit hinabsteigen und die schönen Dinge des Alltags ausgraben, die es nur noch in der Erinnerung gibt: das Klingeln der Ladenkasse oder die Kassette, die sich im Rekorder verheddert.
Wenn Sie Gefallen an unserer Serie finden, mit uns schwelgen wollen in den Gedanken an Kleinigkeiten oder Vergangenes, schreiben Sie uns. Direkt als Kommentar unter die Texte oder als Mail an die Adresse redaktion@news.de.
bjm