Fr., 25.05.12

Bildungsstreik 17.06.2009 «Wir bitten nicht mehr, wir fordern»

Bildungsstreik (Foto)
Polizisten versuchten am Dienstag das Präsidium der Freien Universität Berlin zu räumen. Bild: ddp

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

In mehr als 90 Städten finden die bundesweiten Schüler- und Studentenproteste heute ihren Höhepunkt. Mit Demonstrationen treten die Streikenden für selbstbestimmteres Lernen und mehr Geld für den Bildungssektor ein.

Die Initiative «Bildungsstreik 2009» rechnet bundesweit mit mehr als 150.000 Menschen, die sich an den Kundgebungen und Demonstrationen beteiligen. Damit wird der vorläufige Höhepunkt der Protestaktion erreicht.

Zu den Forderungen der Schüler und Studenten gehört die Einführung eines eingliedrigen Schulsystems, eine existenzsichernde Mindestvergütung für Auszubildende, ein Mitspracherecht für alle Prozesse des Bildungssystems sowie die Abschaffung konkurrenzorientierter Bewertungssystem. Dabei sei auch die Reduzierung der Klassengrößen sowie eine Überarbeitung des Bologna-Prozesse notwendig.

«Wir lernen nur noch für Klausuren und Tests, aber nicht mehr für das Leben», kritisiert Jared Herbing. Der Zwölfklässler aus Berlin engagiert sich intensiv in den Bildungsprotesten.

Weil nicht die Zeit sei, stillzuhalten, haben Studenten in Berlin am Morgen das Hauptgebäude sowie das Mathematik- und das Physikgebäude der Technischen Universität Berlin besetzt. «Wir wollen ein nicht zu übersehendes Zeichen setzen, dass wir nicht mehr leise bitten, sondern lauthals fordern», sagt Michael Kolain vom Presseteam der Streikinitiative gegenüber news.de. «Wir hoffen, einen bildungspolitischen Diskurs in Gang zu bringen.»

Es sei dringend notwendig, dass eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über Bildung in Gang komme. Doch auf politischer Ebene seien die Reaktionen bislang verhalten gewesen. «Die Verantwortlichen scheinen nicht die Courage zu besitzen, Stellung zu beziehen», kritisiert Kolain. Ein Schreiben an die Kultusministerkonferenz der Länder, die ab Donnerstag in Berlin tagt, sei mit der lapidaren Antwort quittiert worden, dass auf der Tagesordnung leider kein Platz mehr sei. Lediglich die sächsische Kultusministerin habe zugesagt, sich mit Studenten zu treffen.

Dass der Streik, wie zuletzt im November 2008, ungehört verhallt, glaubt der 22-jährige Jurastudent aus Heidelberg nicht. Dazu habe man zu viel öffentliche Untersützung - unter anderem seitens der Gewerkschaften.

Bereits seit Montag gibt es bundesweit zahlreiche Aktionen. Am Dienstag blockierten Schüler und Studenten den niedersächsischen Landtag. Zuvor hatten die Protestler einen «kollektiven Zusammenbruch» im Foyer der Universität Göttingen simuliert. Dabei legten sich Studenten erschöpft und ausgelaugt auf den Boden.

In einigen Städten kam es zudem zu Polizeieinsätzen, unter anderem in Gießen, wo Studenten eine Straße blockiert hatten. In Berlin war das Präsidium der Freien Universität besetzt worden.

Für den Donnerstag sind weitere Aktionen geplant. Darunter inszenierte Banküberfälle. Dabei wollen die Streikenden Banken besetzen und fordern, dass das Geld aus den Rettungsfonds in die Bildung umgeleitet wird.

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