Mi., 30.05.12

Kommentar zum Bildungsstreik 16.06.2009 Jetzt reden die Stimmlosen

Kommentarfoto Mandy Hannemann (Foto)
News.de-Redakteurin Mandy Hannemann. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann

Wer in der Bildungsgesellschaft heute still hält, der hat schon verloren. Doch diesen Hut wollen sich zahlreiche Studenten und Schüler bundesweit nicht aufsetzen. Sie sprechen laut aus, was Sache ist. Nun muss ihnen nur jemand zuhören.

Dass Studenten und Schüler derzeit auf die Straße gehen, hat nichts mit Rebellion zu tun. Und noch weniger mit Eigennutz. Was die jungen Leute tun, ist die Antwort auf eine Reihe von Fehlentscheidungen, die letztlich auf eines hinauslaufen: auf politische Sparmaßnahmen. Gespart wird überall, doch bei der Bildung mehr als an der öffentlichen Infrastruktur.

Klar, Straßen braucht jeder. Ohne die wäre Deutschlands Wirtschaft aufgeschmissen. Noch viel mehr braucht Deutschland allerdings gut gebildete und ausgebildete junge Menschen. Die aber haben keine Lobby und sie können auch nicht damit drohen, die Schule ins Ausland zu verlegen, weil da Fördermittel fließen.

Kein Wunder also, dass Schüler und Studenten nur begrenzt Verständnis dafür aufbringen, wenn Banken und Großkonzerne aus der öffentlichen Hand aufgepäppelt werden, während an Schulen und Hochschulen die Lehrkräfte fehlen. So sehr, dass manche Hochschulen die Seminarplätze schon verlosen, damit sich nicht 70 Mann in eine Veranstaltung für 20 quetschen. Und das ist nur ein Faktor, der neben verkürzten Lern- und Studienzeiten eine Rolle spielt.

Angesichts dessen darf sich niemand wundern, dass die Abbrecherquoten an öffentlichen Schulen und Hochschulen hoch sind und immer mehr Eltern versuchen, ihrem Nachwuchs Bildung an Privateinrichtungen angedeihen zu lassen – auch wenn es sie bis an die Grenzen des finanziellen Ruins bringt. Bildung ist mehr wert, das ist bei den Betroffenen angekommen. Und es ist gut, dass Schüler und Studenten das lauthals nach außen tragen. Mögen sie diesmal mehr Gehör finden, als bei den vergangenen Streiks.

kas/kat
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