Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Ein typischer Frauenberuf: Tagesmutter. Nur circa drei Prozent der 30.000 Menschen in der Tagespflege sind Männer. Andreas Zimmermann aus Leipzig ist einer von ihnen. News.de spricht mit dem ehemaligen Architekten über männliche Intuition und Bauklötze.
Warum sind Sie Tagesvater geworden?
Zimmermann: Meine Frau und ich waren eigentlich Architekten. Als die Zeiten schwieriger wurden, hat sich meine Frau überlegt, Tagesmutti zu werden. Das macht sie jetzt seit drei Jahren. Ich habe sie während dieser ganzen Zeit begleitet und musste mit ran. Sie hatte einen vier Monate alten Jungen, den ich im Kinderwagen herumgefahren habe, weil er nur so einschlafen konnte. Da habe ich gemerkt, dass das auch was für mich ist. Diese kleinen Kinder, die wir betreuen, sind ja genau in dem Alter, wo sie am tollsten sind, zwischen null und drei Jahren.
Wer wird Tagesvater?
Zimmermann: Für Männer, deren Kinder schon groß sind, die raus aus dem Thema sind, ist das nichts. Ich hatte als Vorbild ja meine Frau. Viele sind jünger und haben selbst noch kleine Kinder.
Wie bereitet man sich auf das Tagesvater-Sein vor?
Zimmermann: Zunächst mit dem kleinen Curriculum, 30 Stunden Ausbildung. Vorher darf man gar nicht erst anfangen. Ich habe nächstes Wochenende die Verteidigung meiner Hausarbeit zum Thema «Männliche Erzieher in Kitas oder in der Tagespflege - Ersehnt? Belächelt? Verdächtigt?» für das große Curriculum. Danach kann ich in jedem Bundesland Tagespflege ausüben, bisher nur in Sachsen. Und zusätzlich müssen wir jedes Jahr mindestens 20 Stunden Fortbildung nachweisen.
Was haben Sie bei Ihrer Hausarbeit herausgefunden?
Zimmermann: Dass männliche Erzieher durchaus ersehnt werden, belächelt nicht - obwohl ich da nur von mir reden kann - und verdächtigt teils, teils. Besonders in den Kitas steht man als männlicher Erzieher auch immer im Verdacht, ein Kinderschänder zu sein. Es gibt ja so wenige und manche denken dann, warum machen die das? In der Tagespflege habe ich so etwas allerdings noch nicht erlebt.
Was lernen Sie in der Ausbildung?
Zimmermann: Dass es nicht nur darum geht, die Kinder zu behüten, zu beobachten oder aufzupassen, sondern, wie man die Kinder nach dem sächsischen Bildungsplan erzieht. Sie sollen selbstständig werden. Man hilft ihnen nicht bei allem. Wir gehen in den Garten, gucken Schnecken an und ich erkläre, was Schnecken sind. Wir ernten Beeren, verarbeiten und essen sie. Die Kinder sollen Sozialkompetenz im Miteinander lernen. Oder musikalische Früherziehung. Ich habe Eltern, die spielen Querflöte oder Cello und kommen einmal die Woche, um mit den Kindern Lieder zu spielen.
Ein Stereotyp: Betreuen Sie als Mann auch eher Jungs?
Zimmermann: Nein, das ist gemischt.
Wieso bringen Eltern ihre Kinder speziell zu Tagesvätern?
Zimmermann: Ich könnte mir vorstellen, dass alleinerziehende Mütter ganz bewusst sagen, wir möchten einen Tagespapa haben, weil der zuhause fehlt. Ich spiele vielleicht auch typisch männliche Spiele wie Fußball mit ihnen, werfe die Kinder höher oder schaukele sie doller. Wo dann die Mutter sagt: Huch, was macht der da? Und sie schaukelt weiter, und die Kinder sagen: «Schaukel mal so wie der Andy mit mir.» Alles ist ein bisschen intuitiv männlicher.
Merken Sie, dass manchen Kindern die männliche Bezugsperson fehlt?
Zimmermann: Ja, ich habe zum Beispiel ein Mädel, da sind die Eltern gerade in Trennung. Die liebt mich einfach, die kommt immer mal kuscheln. Mich lieben die Mädels besonders und die Buben lieben meine Frau.
Hätten Sie den Beruf früher selbst als unmännlich betrachtet?
Zimmermann: Ich muss sagen, ich habe mich schon vor 25 Jahren um meinen Sohn gekümmert. Als meine Frau noch Diplomarbeit schreiben musste, habe ich schon dieses Auszeitjahr genommen, was heute die Männer auch noch selten genug machen. Es war damals richtig außergewöhnlich.
Wie reagieren andere Menschen auf Sie als Tagesvater?
Zimmermann: Nur positiv. Das ist ja das völlig Verblüffende. Am Anfang dachte ich, was werden die denken in der Gesellschaft und im Freundeskreis. Früher war ich Architekt mit Angestellten, und jetzt betreue ich Kinder. Mittlerweile berichte ich ganz stolz und mit strahlenden Augen davon. Im Prinzip baue ich ja auch. Ich baue Menschen auf. Ich baue keine Häuser mehr, sondern etwas viel Wichtigeres - die Fundamente für die Kinder.
Und mit Bauklötzen spielen sie bestimmt immer noch...
Zimmermann: Klar!
Andreas Zimmermann ist 57 Jahre alt und kommt ursprünglich aus Freiburg im Breisgau. 1991 zog er nach Leipzig und eröffnete ein Architekturbüro. Seit zwei Jahren arbeitet er als Tagesvater und betreut fünf Kinder.
Ich kann Andreas nur beipflichten. Seit über 25 Jahren arbeite ich als ehrnamtlicher Trainer im Schwimmsport für Kinder und Jugendliche auch für Behinderte.Die gesammelten Eindrücke und Erfahrung werde ich nie vergessen. Viele Eltern wünschen sich einen männlichen Trainer (Zitat: Endlich einmal einmal ein Mann)der mit Ihren Kindern auch einmal so richtig rumtollen kann. Ich bin nun bereits 58 Jahre und überlege selbst Tagesvati zu werden. Warum? Weil Kinder unsere Zukunft sind!! Wer das vergisst,hat schon verloren.Denn nichts ist schöner als in erstaunte und glückliche Kinderaugen zu schauen.
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