Nach dem Tod ein Diamant
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 16.06.2009Johanna König alias Werbestar «Klementine» fand ihre letzte Ruhe auf hoher See. Rudi Carrell bestattete seine zweite Ehefrau im Garten. In den USA werden Unterwasserfriedhöfe beliebter. Solch ungewöhnliche Beisetzungsarten sind in Deutschland nicht immer erlaubt.
Wer bei der Beerdigung seiner Liebsten etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, für den hat Johannes Bauer ein Angebot. Der Geschäftsführer der Landestrauerhilfe aus Fürth in Bayern bietet neben den üblichen Beisetzungsarten deutschlandweit auch die Möglichkeit, die Asche zu einem Diamanten pressen zu lassen. «Im Jahr lassen wir 20 bis 30 Diamanten in der Schweiz herstellen», sagt Bauer. Entweder wird dafür die gesamte Asche von bis zu vier Kilogramm benutzt oder nur ein Teil, benötigt werden mindestens 500 Gramm. In der Schweiz gelte das als legitime Bestattung. Die Restasche werde in einer Urne beigesetzt.
Kunden, die diese Form wählen, brauchten keinen räumlichen Bezug zu einer Grabstätte, um zu trauern, meint Bauer. So ein kleines Schmuckstück hat allerdings auch Nachteile. «Ein Risiko bei der Sache ist, dass man den Diamanten verlieren kann.» Ein solcher Fall sei ihm aber nicht bekannt.
Werner Billing sieht diese Form der Beisetzung kritisch: «Das Pressen von Diamanten ist gesetzlich bei uns nicht gestattet und nicht gewünscht», sagte der Obermeister der Bestatterinnung in Sachsen im Gespräch mit news.de. «Ich kann meine Urne in die Schweiz schicken und die wird auf der Bergwiese ausgeschüttet. Wenn der Wind ungünstig steht, kriege ich die Asche ins Gesicht. Den Friedhofszwang kann ich umgehen, das ist aber mit Sicherheit nicht gut.»
In Deutschland ist Bestattungsrecht Ländersache und bisher noch stark reglementiert. Alle 16 Bundesländer haben eigene, meist ähnliche Verordnungen erlassen. Bundesweit gilt die sogenannte Friedhofspflicht: Wer stirbt, muss beigesetzt werden. So bestimmt es ein Gesetz von 1934, das immer mehr Bundesländer zu lockern beginnen. Moderne Bestattungsgesetze wie das in Nordrhein-Westfalen ermöglichen inzwischen auch Formen über die traditionellen Erd- und Feuerbestattungen hinaus. «Da wurde auf die Muslime Rücksicht genommen, die nicht im Sarg beerdigt werden, sondern in ein Tuch gewickelt», sagt Werner Billing.
Überdies können Urnen auch auf See bestattet werden - die einzig legitime Ausnahme des Friedhofszwangs. Dabei muss sich das Gefäß binnen zwei Stunden am Meeresboden auflösen, damit die Behälter nicht wieder an Land geschwemmt werden können. «Die Toten sollten schon einen Bezug zur See gehabt haben. Aber letztendlich ist irgendwann jeder mal an der Ostsee gewesen», sagt Billing.
Zudem entscheiden sich immer mehr Menschen für anonyme Beerdigungen in namenlosen Gräbern oder Beerdigungen in Friedwäldern und auf Aschestreufeldern. «Auf Friedhöfen gibt es eine Mindestliegezeit von 20 Jahren, heute sind aber Bestattungsarten ohne Grabpflege gefragt», meint der Bestatter. «Die Leute sind nicht mehr immer am gleichen Ort, müssen flexibler sein und ihrer Arbeit hinterherziehen.» Außerdem spiele der Kostenfaktor einer Grabstätte eine wichtige Rolle.
Die Beisetzung als Diamant werde sich so zwar nicht als Bestattungsform für die breitere Masse durchsetzen, für Friedwälder gelte allerdings das Gegenteil, meint Johannes Bauer. Dabei wird der Verstorbene in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Immer neue Formen seien ganz natürlich, sagt Bauer. «Feuerbestattungen waren auch ganz neu, als das erste Krematorium eingeführt wurde.» Vorher habe es nur Erdbestattungen gegeben. «Es gibt neue technische Möglichkeiten fürs ganze Leben, wieso dann nicht auch für den Tod?»
Werner Billing versteht, dass Menschen die vorhandenen Beisetzungsmöglichkeiten ausnutzen wollen: «Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass die Menschen nicht mehr so uniformiert sein wollen.» Auch Johannes Bauer sieht die gesamte Trauerkultur im Umbruch. «Die Meisten trauern zuhause in der Wohnung, da braucht man keinen Ort, wo man hingehen kann. Früher war das Brauch, dass man zumindest am Wochenende das Grab gepflegt hat. Heute geht das verloren.»
Im Gegensatz zum Ausland ist es hierzulande nach wie vor verboten, dass Angehörige über die Asche des Verstorbenen frei verfügen dürfen, um die Urne etwa auf den Kaminsims zu stellen. Der deutsche Staat verlangt eine schriftliche Beisetzungserklärung. Beerdigungen im eigenen Garten wie bei Rudi Carrells Frau sind nur in Ausnahmefällen erlaubt.
tno/bla
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Sie müssen dabei allerdings auch bedenken: Was passiert mit den Urnen von Mama, Papa, Oma, Opa wenn irgendwann nur noch die Kinder da sind - und das auch nur für absehbare Zeit. Werden die dann mit dem Hausrat entsorgt? Doch noch beigesetzt? Irgendwo gelagert? Dazu müsste es dann auch erstmal entsprechende Regelungen geben.
jetzt antwortenKommentar meldenZU nach dem Tod ein Diamant,möchte ich sagen es gefällt sehr gut.Wir sollen alle Neuerungen annehmen,aber nur wenn es um den Staat geht.Wenn es um unsere Intressen geht,da sperrt sich der Staat.Auch dass man die Urne nicht mit nach Hause nehmen darf,finde ich unmöglich.Denn man brauch dann keine Friedhöfe mehr und die Familien wären auch nach dem Tod noch zusammen.Hygenischer wäre es auch,bei all den ansteckenden Krankheiten die es gibt und dann im Grundwasser landen.Die Gesetze von 1800 sollten mal geändert werden.Wo ist denn da unser Fortschritt geblieben,wir leben doch nicht im Mittelalter
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