Lehrer brauchen Kompetenz zur Sensibilisierung
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 09.06.2009Bei Schülern sind Communities heiß begehrt. Denn wer bei SchülerVZ, MySpace und Co. nicht Mitglied ist, hat unter Altersgenossen wenig zu melden. Doch die Profile zeigen, dass in Sachen Datenschutz noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.
Datenschutz ist eine heikle Angelegenheit. Dennoch schwirren unzählige Fotos der letzten Schülerfete durch die Communities, stehen in Personenprofilen bitterböse Worte über den betrügerischen Ex und vieles mehr, über das Datenschützer den Kopf schütteln. Viele Schüler glauben noch immer, weil sie sich erst anmelden und einloggen müssen, seien ihre Daten geschützt. Doch jeder, der in eine Community will, findet auch einen Weg hinein – und damit eine riesige Datenflut, die sich zweckentfremden lässt.
«Was früher auf dem Dorfplatz oder per Telefon ausgetauscht wurde, nimmt heute den Weg über Social Communities», sagt Birgit Kimmel von der Internetinitiative klicksafe.de. Das Problem: Jugendliche unterscheiden immer weniger zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit. «Selbst wenn man sie auf die Probleme hinweist, sind sich nur wenige bewusst, dass das, was sie ins Netz stellen, die ganze Welt sehen kann.» Mit jugendlich-unbesonnenem Exhibitionismus habe das nichts zu tun. Es gehöre zur heutigen Jugendkultur, sich auf solchen Portalen zu bewegen und persönliche Kontakte zu pflegen.
Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung, wie sie auch die heute gestartete Kampagne «Watch your web» anstrebt, sei daher immens wichtig. Nicht zuletzt sei das aber auch Aufgabe Erwachsener, die direkten Zugriff auf den Nachwuchs haben – allen voran Eltern und Lehrer.
Doch gerade in Schulen sei Datenschutz kaum Thema. «Eigentlich müsste der Schwerpunkt Internet, Sicherheit und Jugendmedienschutz in die Lehrpläne integriert werden», stellt die Medienpädagogin klar. Doch die Entwicklung der Bildungsinhalte sei schleppend. Bestes Beispiel sei der Bereich Medienkompetenzförderung, der erst seit wenigen Jahren überhaupt fester Bestandteil der Bildungsarbeit sei. Lediglich Rheinland-Pfalz sei mit der Initiative «Medienkompetenz macht Schule» ein Vorreiter.
Probleme, die die Weiterentwicklung der Lehrpläne behindern, gibt es viele. Angefangen bei der Länderhoheit für Bildung über langwierige Diskussionen zum Sinn oder Unsinn eines Faches Medienethik bis hin zur Lehrerausbildung selbst. «Bis heute ist Medienkompetenzförderung nicht Bestandteil der Lehrerausbildung», kritisiert Kimmel. «Die Lehrer gehen aus dem Studium und haben keine Möglichkeit an die Hand bekommen, die Thematik methodisch-didaktisch aufzuarbeiten. Das aber wäre ein wichtiger erster Schritt.» Selbst in die Erzieherausbildung haben viele Bundesländer den Schwerpunkt bislang nicht integriert.
Jüngere Lehrer, die eigentlich mit dem Internet aufgewachsen sind, könnten nur begrenzt aufklären. Der eine sei vielleicht fit in Sachen Homepagebau, habe aber keinerlei Erfahrung im Umgang mit Messengern oder Chatprogrammen. So ließen sich Schüler für die nicht greifbar breite Flut von Möglichkeiten im Netz und deren Gefahren kaum ausreichend sensibilisieren. Das Internet sei derart schnelllebig, dass es unheimlich schwer sei, Schritt zu halten. «Sobald ein neues Jugendschutzprogramm aufgelegt ist, ist es eigentlich schon überholt und es müssen neue Aspekte bedacht werden.»
Deshalb reiche Schule als Sensibilisierungsinstanz nicht aus. Eltern müssten sich dafür interessieren, was der Nachwuchs in Communities treibt. «Zwar bedarf es in der Regel des elterlichen Einverständnisses, um Mitglied zu werden. Bei vielen Portalen muss das aber nur per Häkchen bestätigt werden. Echte Kontrolle fehlt», macht Kimmel deutlich.
Doch auch dann könnten Eltern noch aktiv werden. «Wer seine Zustimmung als Erziehungsberechtigter nicht gegeben hat, könnte vom Portalbetreiber fordern, das Profil des eigenen Sprösslings zu löschen», so die Medienpädagogin. Zur Sensibilisierung trage das allerdings nicht bei. «Viel wichtiger wäre es, sich zeigen zu lassen, was den Nachwuchs so interessiert und faszinziert, statt ablehnend zu reagieren.» Es sei notwendig, den Kindern zu erklären, wie sie sich schützen können und worauf sie achten müssten.
Nicht zuletzt seien aber auch gerade die deutschen Netzwerke bestrebt, Jugendschutz zu betreiben. Eine im Februar initiierte Selbstverpflichtung der Betreiber sei bestes Beispiel dafür. Nach lauter Kritik gehen die Communities aber auch in die Offensive. SchülerVZ bietet so beispielsweise nicht nur Informationen für Eltern und Lehrer, sondern gleich Unterrichtsmaterial in Form von Arbeitsmappen und Übungsblättern rund um soziale Netzwerke, Privatsphäre und Datenschutz sowie Selbstdarstellung im Netz.
kat
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