Von news.de-Redakteurin Anwen Roberts
Derzeit fasziniert Hans Klok, «der schnellste Magier der Welt», das Publikum. Junge Zauberlehrlinge besuchen die Zauberakademie. Und kürzlich wurde sogar die «beste optische Illusion» prämiert. Warum lassen wir uns nur so gern täuschen?
Schon seit Jahrhunderten manipulieren Zauberer die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer - und die lassen sich mit Vergnügen manipulieren. Derzeit ist es «der schnellste Magier der Welt» Hans Klok, der mit einem wahrlich unglaublichen Programm über deutsche Showbühnen tourt.
Natürlich wissen die Zuschauer, dass der blonde Magier trickst und täuscht. Trotzdem füllt Hans Klok die Hallen, trotzdem zahlt das Publikum bereitwillig Eintritt für professionelle Täuschung.
Mittlerweile wecken die Zaubertricks von Klok, Copperfield und Konsorten auch das Interesse der Neurowissenschaft. Die seltsame Faszination, die seit jeher von der Zauberei ausgeht, lässt sich immer eindeutiger in unseren Hirnphysiologie verankern. Das erste Fazit der Wissenschaft: Unser Gehirn lässt sich eigentlich ganz gerne täuschen.
Wie Täuschung und Hirnaktivität zusammenhängen, erforschen Susana Martinez-Conde und Stephen Macknik vom «Martinez-Conde Labor für Visuelle Neurowissenschaft» am Barrow Neurological Institute in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona). Die Sinnestäuschungs-Experten haben kürzlich in einem Wettbewerb erneut die «beste optische Täuschung» ermittelt. Die Sinnestäuschung des Jahres ist nicht nur faszinierend anzusehen, sonder könnte sogar erklären, warum es so unendlich schwierig ist, einen Baseball anständig zu fangen.
Unser träges Auge ist aber nur ein Aspekt von vielen. Martinez-Conde und ihr Team untersuchen vor allem die Aufmerksamkeitsökonomie unseres Gehirns, die entscheidend für erfolgreiche Täuschungsmanöver ist.
Sie versuchen, Zaubertricks aus neurowissenschaftlicher Sicht unter die Lupe zu nehmen, und arbeiten dazu mit den besten Illusionisten der Welt zusammen. Einer der Kollaborateure, der Las-Vegas-Zauberkönig Teller, sagt sogar, jeder seiner Zaubertricks sei in Wirklichkeit eher «experimentelle Psychologie».
Denn meist lenken Zauberkünstler ganz einfach die Aufmerksamkeit des Publikums von einer heimlichen Aktion ab, indem die Blicke der Zuschauer in eine andere Richtung gelenkt werden. Noch dreister ist die verdeckte Ablenkung, bei der das Publikum das Geheimnis hinter dem Trick direkt vor Augen hat.
Die Fachleute nennen es Veränderungsblindheit, wenn dem Betrachter einer Szene gar nicht auffällt, dass etwas anders ist als zuvor. Selbst gravierende Veränderungen fallen den Zuschauern nicht auf, sofern sie während einer kurzen Unterbrechung des Sehvorgangs stattfinden und scheinbar nebensächliche Dinge betreffen.
Dagegen übersehen Zuschauer bei der Unaufmerksamkeitsblindheit ein unerwartetes Objekt, auch wenn sie es direkt vor Augen haben. Das bekannteste Beispiel stammt aus einer Studie, in der Psychologen Versuchspersonen ein Video zeigten und diese mitzählen ließen, wie oft eines von zwei Basketballteams sich einen Ball hin und herspielt.
Was dabei herauskam? Den Aufmerksamkeitstest muss man natürlich ausprobieren, ohne die erstaunliche Auflösung zu kennen. Eine Neuauflage des Original-Tests gibt es hier auf YouTube: Ein ganz einfacher Versuch, man muss nur zählen, wie oft sich die Mannschaft in Weiß den Ball zupasst.
Neurowissenschaftler analysieren aber nicht nur die Methoden der Illusionisten, sondern setzen sie auch für eigene Untersuchungen ein. So berichtet die Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft, wie Versuchspersonen im Magnetresonanztomographen (MRT) Filme von Zaubertricks gezeigt wurden, die scheinbar gegen das Ursache-Wirkung-Prinzip verstießen. Eine Kontrollgruppe sah ähnliche Videos, in denen alles mit rechten Dingen zuging.
Bei jenen Probanden, die den Zaubertrick sahen, war ein Bereich im sogenannten anterioren Gyrus cinguli aktiver als bei der Kontrollgruppe. Diese Hirnregion, so der Schluss der Forscher, hat offenbar mit der Interpretation kausaler Zusammenhänge zu tun.
Martinez-Conde und Macknik berichten auch, dass sich magische Tricks sogar in der Medizin einsetzen lassen, beispielsweise bei Phantomschmerzen. Kalifornische Forscher täuschten amputierten Menschen mit einem Spiegelkasten die Existenz des fehlenden Körperteils vor, wodurch die Phantomschmerzen nachließen.
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