Von Christian Röwekamp
Die Wirtschaft schrumpft, die Arbeitslosigkeit wächst: 2009 ist eigentlich kein Jahr, um entspannt in den Urlaub zu fahren. Die Lust am Kofferpacken haben die meisten Deutschen aber nicht verloren. Sparmöglichkeiten gibt es zur Genüge.
Ende April lag der Reisebüroumsatz für diesen Sommer zwar noch unter dem Vorjahreswert - aber nur um 5,4 Prozent, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für den Deutschen Reiseverband (DRV) ermittelt hat. «Anfang des Jahres haben die Deutschen vergleichsweise sehr zögerlich gebucht», sagt DRV-Pressesprecherin Sibylle Zeuch im Gespräch mit news.de. Viele hätten aber bei den Frühbucherrabatten zugeschlagen, die meist bis Ende März gelten. So seien die Buchungszahlen mittlerweile wieder ausgeglichen.
«Auch in Krisenzeiten ist Urlaub ein Thema», sagt Volker Böttcher, Chef der Tui Deutschland in Hannover. Am Haupturlaub werde nicht gespart, Juli und August seien sogar «hervorragend gebucht». Das bestätigt auch Zeuch: «Grundsätzlich verzichtet die Mehrheit der Deutschen nicht auf ihren Sommerurlaub.»
Ohne Wirkung bleibt die derzeitige Krise aber nicht. «Viele nutzen Sparmöglichkeiten, verreisen kürzer, nutzen Rabatte oder All-Inklusive-Pakete», erklärt sie.
«Urlaub ohne Nebenkosten» werden All-Inklusive-Ferien auch gern genannt. Gerade Familien entscheiden sich derzeit verstärkt für Hotels, in denen nicht für jede Cola an der Bar extra bezahlt werden muss, sagt Matthias Brandes vom Reisekonzern Thomas Cook. «Budgetsicherheit ist ein großes Thema.» Die Tui sieht das genauso: Beim Branchenprimus führt jede zweite Pauschalreise ans Mittelmeer inzwischen in eine All-Inklusive-Anlage, erklärt Böttcher.
Doch auch abseits solcher Hotels sei zu beobachten, dass Touristen in diesem Jahr noch stärker auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis achten, sagt DRV-Sprecher Torsten Schäfer: Es gehe nicht darum, billig zu verreisen, «aber darum, das Maximum aus dem Urlaub herauszuholen».
Viele haben aber noch gar nicht entschieden, wohin die Reise geht. «Alleinreisende und Paare haben fleißiger gebucht als Familien», sagt Schäfer. Schon im Winter habe es einen Trend zu eher kurzfristigen Buchungen gegeben, sagt Brandes. Dies setze sich nun fort. Böttcher beziffert die Zahl der Deutschen, die reisen wollen, aber noch unentschlossen sind, auf 20 Millionen. Für sie alle gebe es weiter genug buchbare Angebote.
Was die Reiseziele angeht, so hat sich bei den Deutschen in den vergangenen Jahren wenig verändert. Ein Drittel der Bundesbürger macht Ferien im eigenen Land, sagt Zeuch. Danach stehen Mittelmeerländer wie Spanien, Griechenland oder Italien weiter hoch im Kurs. Auch Nachbarland Österreich nimmt laut DRV-Statistik einen oberen Platz in der Rangliste ein.
Wegen des Trends zum All-Inklusive-Urlaub werden aber auch Länder wie die Türkei, Ägypten und die Dominikanische Republik mit viel Besuch aus Deutschland rechnen dürfen. Wegen des günstigen Dollars zieht es viele Deutsche auch in die USA. «Extrem gut nachgefragt» seien auch Kreuzfahrten. Bei den Städtereisen geht das Interesse nach Tui-Angaben dagegen eher zurück.
Wer sich noch nicht entschlossen hat, sollte sich bezüglich seiner Wünsche auf jeden Fall im Reisebüro informieren, rät Zeuch. «Die Berater können Angebote vergleichen, aber auch die Preise. Am Computer ist manchmal schwer nachvollziehbar, warum das eine nun mehr kostet als das andere», begründet die DRV-Pressesprecherin.
mas/seh