Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Dass nichts bleibt, wie es ist, ist dem technischen Wandel zuzuschreiben. Am Arbeitsplatz wirkt sich das besonders stark aus. Die Anpassungsprozesse hier unterliegen nicht nur technischen Veränderungen, sondern auch dem Konkurrenzdruck.
Davon betroffen sind nicht nur Unternehmen. Gerade soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen und der Bereich der Kinder- und Jugendhilfe unterliegen immer stärker wirtschaftlichen Zwängen. Das gaben Supervisoren und Organisationsberater den Forschern zu Protokoll, die in entsprechende Einrichtungen die Zusammenarbeit und Konflikte von Teams beobachten.
«Der ökonomische Druck der letzten Jahre und der daraus entstehende ständige Reformzwang hat zu einer höchst problematischen ‹Blase› sich verdichtender Probleme in Organisationen geführt, die lange Zeit kaum wahrgenommen wurde, nun aber ‹platzen› könnte», befürchtet Rolf Haubl, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie an der Frankfurter Hochschule. Turbulenzen seien unausweichlich.
Die spüren insbesondere die Mitarbeiter. Andauernde Veränderungen ließen sich nur begrenzt nachvollziehen. Über kurz oder lang könnten sich die Beschäftigten überhaupt nicht mehr mit ihrem Unternehmen identifizieren. Schwierig sei dies vor allem dann, wenn die Beschäftigten die wirtschaftlichen Ziele über die Qualität stellen müssten.
Das führt nicht zuletzt zu Differenzen zwischen Arbeitgebern und Angestellten, weil sich letztere mit der Situation allein gelassen fühlen: «Die Beschäftigten beklagen, dass ihre Chefs oft die notwendigen Führungskompetenzen nicht mitbringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu unterstützen», sagt Sozialpsychologin Bettina Daser, die zum Forschungsteam gehört. Es scheine, als ob die Vorgesetzten selbst mit den Veränderungen nicht klarkämen, geschweige denn ein Verständnis für Standards hätten, die «gute Arbeit» ausmachen würden.
In diesem Missverhältnis würden auch Kollegialität und Solidarität flöten gehen. «Oft ist die Belegschaft in Gruppen gespalten, die sich wechselseitig das Leben schwer machen», berichtet Haubl. Es käme vor, dass junge Kräfte von älteren nicht ausreichend eingearbeitet würden, weil letztere um ihren eigenen Status fürchten würden. Aber auch Faktoren wie Neid, etwa weil Mitarbeiter nur noch befristet beschäftigt werden, sorgen für Turbulenzen am Arbeitsplatz.
Verschärft werde die Situation dadurch, dass Arbeitgeber immer häufiger von ihren Beschäftigten verlangen, bis an die eigenen Leistungsgrenzen zu gehen. Oft genug müssten Mitarbeiter Aufgaben erfüllen, die zuvor von zwei Angestellten erledigt wurden. Damit stünde jedoch die physische und psychische Gesundheit auf dem Spiel, vor allem wenn es an Entlastung mangele.
Auf Dauer entwickle sich dann eine «Kultur des Klagens», allerdings sei die nicht produktiv. Bisweilen führe das dazu, dass Arbeitnehmer schon kritisieren, bevor es zu einer tatsächlichen Überlastung komme. Allerdings gehe die Selbstschonung dann zu Lasten der Kollegen.
Wer unter ständigem Druck stehe, müsse Selbstfürsorge betreiben. Dabei gelte es Netzwerke aufzubauen – innerhalb und außerhalb der Firma. Darüber hinaus sei es ratsam, wenn Führungskräfte und Beschäftigte gemeinsam Räume schaffen, in denen es weniger auf Effizienz ankomme.
aro
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