Fr., 25.05.12

Eurovision Song Contest 17.05.2009 Moskauer Polizei jagt Homosexuelle

Moskaus Polizei nimmt Schwule vor Grand Prix fest (Foto)
Moskauer Polizisten führten friedliche homosexuelle Demonstranten aus. Bild: dpa

Wenn sich in Moskau Schwule und Lesben versammeln, rückt die Polizei mit Knüppeln an. Doch die Homosexuellen lassen sich nicht einschüchtern und haben am Rande des Eurovision Song Contest demonstriert - mit dem üblichen Ergebnis.

Bei einer Kundgebung von Homosexuellen vor dem europäischen Musik-Grand-Prix in Moskau hat die russische Polizei etwa 40 Demonstranten gewaltsam festgenommen. Teilweise im Würgegriff zwangen die Sicherheitskräfte die Teilnehmer der nicht genehmigten Kundgebung vor der Lomonossow-Universität in Busse und einen vergitterten Gefangenenwagen.

«Wir sind friedliche Menschen und wollen so leben wie andere auch», rief eine Frau bei ihrer Festnahme. Auch ein US-Bürger sowie ein Brite wurden abgeführt. Im Gegensatz zu früheren Homosexuellen-Kundgebungen wurde offenbar niemand verletzt.

Der Eurovision Song Contest (ESC) ist vor allem bei Homosexuellen beliebt. Es gehört zur Tradition des Wettbewerbs, dass am Austragungsort Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit feiern. Bei der Kundgebung in Moskau hatten Demonstranten Plakate entrollt, auf denen die Einhaltung der Menschenrechte für Schwule und Lesben gefordert wurde. Mit Schlagstöcken bewaffnete Polizisten der Spezialeinheit Omon machten regelrecht Jagd auf die Männer und Frauen. Zuvor hatten bereits russische Extremisten gedroht, am Finaltag Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit anzugreifen.

Der menschenrechtspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, bezeichnete das Vorgehen der Polizei gegen die friedlichen Demonstranten als Skandal. «Alle Eurovisionsteilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten sind aufgerufen, jetzt ihren Protest zum Ausdruck zu bringen», sagte der Grünen-Politiker. Beck war 2006 in Moskau bei einer verbotenen Parade zum internationalen Christopher-Street-Day von einem Extremisten mit einem Faustschlag im Gesicht verletzt worden.

Bei der Kundgebung vor der Universität wurde auch der Vorsitzende des russischen Homosexuellenverbands, Nikolai Alexejew, an Händen und Füßen in ein Polizeifahrzeug gezerrt. «Wann, wenn nicht jetzt zum ESC, sollen wir auf unsere schlimme Lage aufmerksam machen, auf Ausgrenzung, Behördenwillkür und Gewalt», hatte Alexejew im Vorfeld der Kundgebung gesagt. Alexejew war im dunklen Anzug gemeinsam mit einem Mann in weißem Brautkleid auf der Kundgebung aufgetreten.

In der russischen Gesellschaft wird das Zurschaustellen von Homosexualität als unmoralisch und verwerflich verurteilt. Auch innerhalb der Schwulen- und Lesbenszene des Landes besteht wenig Bereitschaft zum öffentlichen Auftritt.

Zahlreiche Journalisten, darunter auch mehrere Fernsehteams, beobachteten die gewaltsame Auflösung der Demonstration. Die Polizei versuchte, die Medien mit Gewalt vom Ort der Auseinandersetzung zu vertreiben. Nach früheren Kundgebungen wurden die Festgenommenen in der Regel innerhalb kurzer Zeit wieder freigelassen.

Die Moskauer Stadtverwaltung bestätigte die Festnahme von 40 Aktivisten und lobte die Vorgehensweise der Einsatzkräfte. «Die Moskauer Polizei hat angemessen und im Rahmen des Gesetzes gehandelt», hieß es in einer Mitteilung. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hatte frühere Kundgebungen von Schwulen und Lesben als satanische Handlungen bezeichnet.

iwi
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