Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Hochschulen sollen junge Leute berufstauglich machen. Doch wie fähig sind sie wirklich? News.de sprach mit Stephan Pfisterer über wirtschaftliche Idealvorstellungen, Hürden an den Hochschulen und die notwendige Kooperation.
Herr Pfisterer, wer als Hochschulabsolvent in die IT-Branche einsteigen will, sieht sich enormen Kompetenzerwartungen gegenüber. Sind diese Idealvorstellungen realistisch?
Pfisterer: Die IT-Unternehmen brauchen Fachkräfte, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Und einem Philosophiestudenten bringt man kaum mehr harte Informatik bei. Tatsächlich suchen die meisten Firmen für sie passende Spezialisten. Die Idealbesetzung findet sich allerdings eher selten, das ist auch den Personalern klar. Deshalb gibt man sich auch zufrieden, wenn jemand nur 70 Prozent der Anforderungen erfüllt, aber in einem Teilbereich sehr gut ist.
In Ihrer Branche werden immer Fachkräfte gesucht. Angesichts demografischer Entwicklungen wird sich das nicht entspannen. Halten Sie es für problematisch, wenn sich Hochschulen auf einen Ausbildungsschwerpunkt konzentrieren?
Pfisterer: Die aktuelle Lage, auch mit der Umstellung auf Bachelor und Master, ist schwierig. Aber das wird sich entspannen. Dass einige Hochschulen jedoch ihre Bachelor-Studiengänge so einrichten, dass die Studenten gleich einen Master dranhängen, ist bedenklich.
Warum?
Pfisterer: Die Masterprogramme sind oft sehr eng gestrickt. Wenn die Hochschulen ihre Bachelor darauf trimmen, diese dann aber nicht aufnehmen können, wirkt das wie ein Signal, das besagt «Du kannst nichts». Tatsache ist aber auch, dass wir nicht nur Wissenschaftler brauchen. Firmen setzen auch auf viele andere Kompetenzen. Es muss Leute geben, die ein Projekt managen können. Deshalb ist der Bachelor nicht wertlos, er ist vielmehr die Antwort auf einen vorhandenen Bedarf am Arbeitsmarkt.
Beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland haben Sie gesagt, die Wirtschaft müsse enge Kontakte zu den Hochschulen pflegen. Weshalb ist das so wichtig?
Pfisterer: Beide Seiten können davon profitieren. Gerade in der Forschung, in der die Hochschulen ohne nötiges Kapital nur schwer eigene Schwerpunkte setzen können. Und die Studenten brauchen die praktischen Erfahrungen, die sie in Unternehmen qualitativ abgesichert sammeln können.
Das sind natürlich wichtige Ziele. Aber der Weg dahin – über die Hochschulen – braucht eine finanzielle Basis. Wie kann die Wirtschaft die Hochschulen stärken?
Pfisterer: Die Wirtschaft tut einiges. Es gibt durchaus Kooperationen, etwa über Stiftungslehrstühle und natürlich auch Stipendienprogramme. Die Zukunft liegt aber ganz wesentlich auch in Weiterbildungsprogrammen, zu denen Firmen ihre Mitarbeiter an die akademischen Einrichtungen schicken. Das sind wichtige Investitionen, von denen auch die Hochschulen profitieren können. Aber das muss sich erst noch voll entwickeln.
Stephan Pfisterer ist seit 2001 Bereichsleiter für Bildung und Personal beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Dort beschäftigt er sich vorrangig mit der Aus- und Weiterbildung in der IT, mit E-Learning sowie Arbeitsmarktfragen und Personalentwicklung.