Von News.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier
Am zweiten Sonntag im Mai ist Muttertag. Das haben sich Mütter und Kinder nicht ausgesucht, müssen es aber trotzdem ausbaden. Am Ende hilft nur lachen - oder weinen.
Ich ahnte es schon als Kind. Aber jetzt, als Mutter, habe ich keinen Zweifel mehr daran: Der Muttertag ist ein Kropf. Es umweht ihn ein modriger Hauch von Zuneigung auf Knopfdruck. So modrig, wie die morgens gutwillig vom Kind gepflückten Blümchen riechen müssten, sobald sich der erste Krach des Tages eingestellt hat.
Dann weiß auch das verunsicherte Kind nicht mehr: Muss ich jetzt das von der Grundschullehrerin verordnete Muttertagsgedicht noch aufsagen? Oder hat es sich erledigt?
«Und den Mund voll Pflaumenmus» ist eine Zeile aus so einem Gedicht. Sie hat sich mir als so gezwungen fröhlich eingeprägt wie die ganze Institution Muttertag. Noch kann mein Sohn keine Gedichte aufsagen. Aber was werde ich tun, wenn er eines Tages vor mir steht, mit verbrannter Hand, weil er versucht hat, Frühstück ans Bett zu bringen - und mir schlecht gereimte Phrasen entgegenleiert?
Vielleicht muss ich mich kaputtlachen und hoffe, dass er mitlacht. Oder ich bin so gerührt über das Absurde der Situation, dass mir die Tränen kommen. Vielleicht weint er dann mit und wir beschließen gemeinsam: Nie wieder Muttertag am zweiten Sonntag im Mai. Diese Konsequenz hat meine Mutter übrigens auch irgendwann gezogen. Eine Familientradition also.