Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Mich stören viele Dinge am Fußball. Dass meine Mannschaft zu selten gewinnt, zum Beispiel. Der alberne Torjubel von Luca Toni. Und auch die Fans. Zum Glück wurde jetzt einer für all diesen Quatsch bestraft: der Hamburger SV. Dank einer Papierkugel.
Natürlich gehören die Fans ins Stadion. Ohne den Lärm, den sie veranstalten, hätten die Spieler schließlich nicht genug Adrenalin für all die Ellbogenchecks, Spuck-Attacken und Kungfu-Einlagen. Niemals hätten wir das schlimmste Grinsen aller Zeiten gesehen (Ronaldinho im Fernsehspot gegen Rassismus im Fußball), wenn die Fans nicht Woche für Woche für ihre politischen Überzeugungen einstehen würden.
Oliver Kahn wäre womöglich schon tot, weil er niemals einen so guten Vitaminhaushalt hätte wie nach dem Verzehr all der Bananen, die ihm von den Menschen auf den Rängen überbracht wurden. Und auch den Bereitschaftspolizisten ist es sicher lieber, ein paar Tausend Chaoten zu überwachen, wenn sie sich alle gleichzeitig auf nummerierte Plätze setzen, die zudem von Zäunen umgeben sind.
Auch die Vereine brauchen die Fans. Schließlich hätten sie sonst kaum Argumente, warum der Steuerzahler ihnen Stadien, S-Bahn-Haltestellen und Polizeieinsätze bezahlen soll. Beim FC Bayern müssen die Fans auf Höhe der Eckfahne durch weiße Kleidung und feste Sitzordnung sogar eine T-Home-Reklame simulieren, weil der Verein Jürgen Klinsmann so viel Geld in den Rachen geworfen hat, dass er sich keine Werbebanden mehr leisten kann. Und schließlich könnten die Klubs niemandem ihre todschicken Trikots verkaufen, die von jedermann geschätzt werden, weil sie gerade an heißen Sommertagen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ihren Wohlgeruch verströmen.
Und natürlich hätten sie keine Einnahmen aus dem Ticket-Verkauf. Sämtliche Profis der Bundesliga (außer denen von Wolfsburg, Hoffenheim und Leverkusen) müssten dann wohl künftig mit dem Fahrrad statt mit Luxuskarossen zum Training fahren. Da gibt es nur ein Problem: Die verheerende Wirkung von Papierkügelchen haben die Vereine nicht einkalkuliert.
Beispiel Hamburg: Beim gestrigen Uefa-Pokal-Halbfinale waren 51.000 Zuschauer im Stadion. Gehen wir von einem Ticketpreis von 50 Euro aus, bringt das Einnahmen von rund 2,5 Millionen Euro. Abzüglich der ungefähr 17,30 Euro, die der HSV für seine Fan-Choreografie samt Papiertafeln (die man zu tückischen Kügelchen zusammenknüllen und aufs Spielfeld werfen kann) ausgegeben hat, bleiben noch 2.499.982,70 Euro. Das klingt nach viel Geld. Doch ein Finale im Uefa-Cup wäre sicher lukrativer gewesen. Aber dorthin wäre der HSV gestern eben nur ohne die inzwischen berühmte Papierkugel gekommen. Also ohne seine Fans