«Ein Gespräch zur rechten Zeit»
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Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Artikel vom 07.05.2009
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, wusste schon Friedrich Schiller. Doch bis zum Mord wie in einem Gifhorner Kleingarten muss es nicht kommen.
Seit 14 Jahren kriegen sie sich in die Haare, und das täglich. Bekannt sind die Berliner Horst Rautenberg und Harald Kleinschmidt als der Wessi und der Ossi, die ständig im Clinch liegen. Auch 20 Jahre nach dem Mauerfall herrscht bei den beiden noch Kalter Krieg. Alles beginnt mit 60 Tauben, die sich Rautenberg anschafft, nachdem er mit seiner Frau aus Westberlin nach Schönewald gezogen ist.
Kleinschmidt klagt gegen die Zucht, da er sich durch Tauben und Kot auf seinem Grundstück belästigt fühlt. So sagt er es der B.Z.. Seitdem traktieren sich die Nachbarn gegenseitig. Da landen die Überreste eines toten Vogels und eines Maulwurfs im Briefkasten des einen, während der auf offener Straße in die Hand seines Rivalen beißt. Dieser Vorfall wird sogar vorm Amtsgericht verhandelt. Und so füllen die Streithähne mit ihren Eskapaden nicht nur ihre Tage als Rentner aus, sondern auch die lokalen Gazetten.
Ein Medienspektakel entwickelt sich auch aus einem Knallerbsenstrauch, der angeblich einen Maschendrahtzaun beschädigt haben soll. Regina Zindler aus dem sächsischen Auerbach zieht 1999 deshalb gegen ihren Nachbarn Gerd Trommer vors TV-Gericht. Durch Barbara Salesch und Stefan Raab rückt Zindler ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Titel Maschendrahtzaun wird zum Hit, im Gegensatz zu Zindlers eigener Single Frieden am Zaun. Die war allerdings nicht unbedingt der Grund, warum in Auerbach jetzt wieder Ruhe herrscht. Die 60-Jährige ist aus dem Vogtland weggezogen nach Berlin, wo sie zwar immer noch glaubt, dass sie jeder kennt, zu dem Streit will sie sich aber nicht mehr äußern.
Pflanzen, die über die Grundstücksgrenze hinausragen, Gerüche, Lärm - Gründe für Nachbarschaftsstreits sind vielfältig. Und ein Nachbarschaftsstreit kann jeden betreffen, auch wenn man es nicht mit offensichtlich chronischen Streithähnen wie den beiden Berliner Herren zu tun hat.
«Im Gegensatz zu anderen Rechtsstreitigkeiten sind die Parteien in einem Nachbarschaftsstreit in ihrem direkten Intimbereich betroffen. Wenn ich in meiner Wohnung sitze und den Lärm meines Nachbarn ertragen muss, habe ich keine Rückzugsmöglichkeit mehr», sagt Georg Budich, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS).
Budich empfiehlt, sich bei persönlich nicht lösbaren Nachbarschaftsstreits an eine kommunale Schiedsstelle zu wenden. Die Adressen kann man bei Stadtverwaltungen, Amtsgerichten oder der Polizei erfahren. In einer Schlichtungsverhandlung kann ein Vergleich zwischen den Kontrahenten geschlossen werden, das klappt laut Budich in 55 Prozent der Fälle.
Am besten sei es allerdings, das Nachbarschaftsverhältnis zu pflegen und Streits zu vermeiden. «Das fällt heutzutage schwerer, weil es keine nachbarschaftlichen Notgemeinschaften mehr gibt. Man braucht seinen Nachbarn nicht mehr», sagt Budich. «Ein Gespräch zur rechten Zeit vermeidet aber so manchen Streit.»
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