Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach
Am 6. Mai 1999 gaben sich erstmals Homosexuelle in Hamburg das Ja-Wort. Diese «Hamburger Ehe» wurde zum Vorläufer der Eingetragenen Partnerschaft. News.de sprach mit Christoph Graebel, der seit fast einem Jahr mit Dirk «verheiratet» ist.
Warum war es wichtig für Sie zu heiraten?
Graebel: Es ging um Klarheit. Nicht nach dem Motto «Mir ist da was unklar, erklär mal bitte...», sondern für einen selbst, für die Beziehung, die Partnerschaft. So ein Gang zum Standesamt hat etwas Glasklares. Da gibt es ein Papier, oder mehrere, die müssen unterschrieben werden, und dann ist man verheiratet. Sehr rational. Und das tut ja gut. Ebenso natürlich das ganze Emotionale, das dann bei der Hochzeitsfeier hochkam. Inklusive Zeremonie. Da floss die eine oder andere Träne über die Gesichter.
Welche Hürden mussten Sie als homosexuelles Paar überwinden, bevor Sie heiraten konnten?
Graebel: Im Prinzip sind es die gleichen Hürden wie bei der normalen Ehe. Anträge stellen, Geburtsurkunden auftreiben, Stammbücher finden. Lustig war in unserem Falle, weil einer von uns Wessi und einer Ossi ist, gab es einen Beratungstermin mehr.
Hat sich durch die Hochzeit etwas in Ihrem Leben verändert?
Graebel: Man plant vielleicht anders. Ich sage «vielleicht», weil wir ja nicht wissen, wie es ohne die Hochzeit jetzt wäre. Vermutlich ist die Hochzeit selbst der große und wichtige Moment. Wenn danach plötzlich alles anders ist, sollte man prüfen, ob man die Hochzeit nicht schnell noch annulliert.
Wie werden Sie in der Öffentlichkeit als Ehepaar wahrgenommen?
Graebel: Wir sprechen ja von «meinem Mann» und sehen uns selbst als Ehepaar, weil «Eingetragene Lebenspartner» so ein langer Begriff ist, der inhaltlich auch noch vollkommen unbesetzt ist. Unter «Ehepaar» kann man sich ja diffus irgendetwas vorstellen. Insofern sollte es auch in der Öffentlichkeit diese Wahrnehmung geben.
Die sogenannte «Hamburger Ehe», eine eingetragene Partnerschaft, die vor zehn Jahren zum ersten Mal geschlossen wurde, beinhaltete weder Rechte noch Pflichten für beide Partner. Welche Rechte und Pflichten haben Sie nun offiziell in ihrer Partnerschaft?
Graebel: Wir dürften uns zum Beispiel auf der Intensivstation besuchen. Die Pflichten in der Eingetragenen Lebenspartnerschaft sind wie in der Ehe, unter anderem der Unterhalt. Dagegen sind wir steuerlich und aus Rentensicht gesehen noch ledig. Was sich ja irgendwie widerspricht.
Was ist der Unterschied einer Eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zu einer heterosexuellen Ehe?
Graebel: Das hat die Regierung damals schon geschickt gemacht. Sie hat ja nicht die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet, sondern die Eingetragene Lebenspartnerschaft erfunden. Die übrigens auch von Mann und Frau eingegangen werden kann. Insofern vergleicht man da, rein gesetzlich gesehen, Äpfel mit Birnen. Wobei das nur ein Trick war, um das Gesetz durch den Bundesrat zu bugsieren. Lassen wir uns überraschen, ob nicht in diesem Jahr, bei so vielen Wahlen, eine kleine Angleichung an die Ehe in Sicht sein könnte. Aber vermutlich steht da die Wirtschaftskrise als thematisches Bollwerk im Weg. Insofern sind wir vor dem Gesetz eigentlich gar kein Ehepaar, schon aber vor uns und unseren Freunden.
Christoph Graebel und Dirk Stötzner ließen ihre Lebenspartnerschaft am 21. Juli 2008 auf dem Leipziger Standesamt eintragen.