Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Die Wirtschaft will qualifizierte Berufsstarter einstellen können. Die Hochschulen wollen mehr als nur spezifische Kompetenzen vermitteln. Damit das möglich wird, müssen beide Seiten aufeinander zugehen - aber auch auf die Studenten.
Berührungsprobleme zwischen Wirtschaft und Hochschulen sind nicht nur einem sich rasch wandelnden Arbeitsmarkt und Reformen der akademischen Ausbildung geschuldet. Beide Seiten haben neben unterschiedlichen Zielen auch verschiedene Vorstellungen von dem, was ein Hochschulabsolvent können soll. Ein Schulterschluss zwischen beiden Seiten könnte abhelfen. Ein Thema, dass auch in der Medienbranche von Bedeutung ist und deshalb beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig nicht fehlen durfte.
Wo also müssen sich Unternehmen und Wissenschaft treffen? In einer Podiumsdiskussion mit Wirtschafts-, Kommunal- und Hochschulvertretern wurde deutlich: Stellschraube für die Zukunft ist die praktische Erfahrung der Studenten.
Darin besteht die Kluft, die auch durch das Hochschulsystem bedingt wird. «Die Fachhochschulen überwinden diese mit praxisorientierten Angeboten. An den Universitäten ist das noch schwierig», betonte Gerhard Wünscher aus dem sachsen-anhaltinischen Kultusministerium.
Brücken schlagen könnten Beiräte für Studiengänge, so Wünscher. Diese Runden aus Wirtschafts- und Hochschulvertretern brächten Arbeitsmarktanforderungen und Leistungsfähigkeit der akademischen Bildungseinrichtung zusammen, um die Profile der Studienrichtungen zu schärfen.
Denkbar sind zudem Beratungsinstanzen wie sogenannte Career-Center - Büros für die Karriereberatung direkt in den Hochschulen - die Studenten und Unternehmen etwa für Praxisphasen zusammenbringen. «Allerdings muss es hier um mehr als ein Praktikum gehen, bei dem man nur Kaffee kocht», sagt Wünscher und: «Langfristigkeit und Projekorientierung sind gefragt.» Zudem müssten Firmen lernen, Abstriche bei Bewerbern zu machen.
Zu erwarten, dass eine Hochschulausbildung alle Wünsche der Wirtschaft erfüllt, sei eine Farce, meint Stephan Pfisterer vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkomm). Die Bologna-Reform habe zwar wichtige Impulse gesetzt, um festgefahrene Studiengänge zu entlüften.
«Aber einen Bachelor auf Teufel komm raus in sechs Semestern durchzudrücken, ist sinnlos», so Pfisterer. Sieben bis acht Semester Studienzeit seien dagegen unproblematisch. Die Wirtschaft würde dies sogar begrüßen, wenn mehr Platz für praktische Erfahrungen enthalten wäre, so der Branchenvertreter.
Vielen Studenten fehlt jedoch mehr als Praxis. «Mit der Berufsplanung beschäftigen sich viele erst in oder nach der Examensphase», sagt Stefanie Landmann, Beraterin für Hochschulabsolventen der Arbeitsagentur Leipzig. Übergangszeiten zwischen Studium und Berufseinstieg würden so unnötig lang.
Schwierig sei zudem, dass die Absolventen ihre Qualifikation nicht
einschätzen könnten, geschweige denn, was sich mit ihrem Abschluss anfangen lässt. Da müssten Hochschulen und Wirtschaft ansetzen.
Dass sich die Praktiker einig darüber sind, den bislang nur sporadisch ausprägten Schulterschluss forcieren zu müssen, verwundert nicht. Doch wie sehen die Studenten die Lage? Deren Meinung ging in der Runde unter.
Nicht nur, dass die Expertenriege unter sich blieb. Auch das Interesse der Hochschüler an der für den Nachwuchs organisierten Veranstaltung war verschwindend gering. Ob das Konzept, über eine Zielgruppe statt mit ihr zu reden tatsächlich sinnvoll ist, darüber müssen die Veranstalter nachdenken.